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20.05.2009 11:49

In die Kinderstube von Planeten geschaut

Manuela Heberer Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Astrophysiker der Universität Jena entdecken eine Scheibe, in der Planeten entstehen

    Jena (20.05.09) Fotos aus dem All - seit 19 Jahren umkreist das Hubble-Weltraumteleskop die Erde und liefert Bilder von Planetensystemen. Doch auch vom Erdboden aus lassen sich mittlerweile immer bessere Beobachtungen junger Sterne machen. So haben Astronomen der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt eine rund 400 Lichtjahre entfernte Planetenentstehungsscheibe gesichtet. "Etwas ganz Besonderes", nennt Prof. Dr. Ralph Neuhäuser, Direktor des Astrophysikalischen Instituts der Universität Jena, seine Entdeckung. Von der Erde aus sei solch eine Beobachtung zuvor nur vier Mal gemacht worden. Im international renommierten Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" sind die Jenaer Ergebnisse jetzt veröffentlicht und ein Foto der Entdeckung auf dem Titelblatt abgedruckt worden.

    Vom Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in der chilenischen Atacama-Wüste aus haben die Jenaer Wissenschaftler die Scheibe aus Gas und Staub bei einem Stern am Südhimmel entdeckt. "Genau genommen handelt es sich um einen Doppelstern, also zwei umeinander kreisende Sterne", erläutert Prof. Neuhäuser. "Einen der beiden haben wir als leuchtschwaches Objekt neben seinem hell strahlenden Bruder ausmachen können." Das war 2001. Sieben Jahre folgten, in denen die Jenaer Wissenschaftler etliche weitere Aufnahmen der beiden Himmelskörper auswerteten, Lichtspektren aufzeichneten sowie Dichte und Temperatur bestimmten.

    "Ein schräg vor dem leuchtschwachen Objekt verlaufendes schwaches Band lieferte erste Hinweise für unsere Vermutung", so Neuhäuser. Eine genaue Analyse der Strahlung gab schließlich Gewissheit. "Wir haben weitaus mehr infrarote Strahlen messen können, als dies normalerweise üblich ist", berichtet der Jenaer Astronom. Diese tritt besonders bei kühler Materie, zum Beispiel in Form von Gas und Staub innerhalb solcher Planetenscheiben auf. Wie ein Schwimmring umschließt die Scheibe den mit einer Million Jahre bei Astronomen als "sehr jung" geltenden Stern. Dieser befindet sich nahe einem Sternentstehungsgebiet im Sternbild Corona Australis am Südhimmel. Das Besondere an der Entdeckung ist für Prof. Neuhäuser: "In der Scheibe aus Staub und Gas entstehen möglicherweise Planeten."

    Um das nicht zu verpassen, wollen die Wissenschaftler vom Astrophysikalischen Institut der Universität Jena die Planetenentstehungsscheibe weiter beobachten. Im August sind die nächsten Aufnahmen in Chile geplant. Die sollen zeigen, ob sich die Scheibe mit einem Radius von 30 Astronomischen Einheiten - das sind 30 Mal die Entfernung zwischen Erde und Sonne - inzwischen verändert hat. "Wenn es uns gelingt, die Geburt eines Planeten zu beobachten, können wir möglicherweise auch Rückschlüsse auf die Entstehung unseres Planetensystems ziehen", hofft Prof. Neuhäuser.

    Originalpublikation: Neuhäuser, R., Krämer, S., Mugrauer, M., Köhler, R., Schmidt, T.O.B., Ammler-von Eiff, M., Alves, J., Fiedler, S., Vogt, N.: Edge-on disk around the T Tauri star [MR81] Ha 17 NE in Corona Australis. Astronomy & Astrophysics 496, 777-786 (2009)

    Kontakt:
    Prof. Dr. Ralph Neuhäuser
    Astrophysikalisches Institut und Universitätssternwarte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
    Schillergässchen 2/3, 07743 Jena
    03641 / 947500
    E-Mail: rne[at]astro.uni-jena.de


    Weitere Informationen:

    http://www.astro.uni-jena.de


    Bilder

    Vor dem kleineren der beiden umeinander kreisenden Sterne (links oben) ist die Scheibe aus Gas und Staub als leuchtschwaches dunkles Band erkennbar.
    Vor dem kleineren der beiden umeinander kreisenden Sterne (links oben) ist die Scheibe aus Gas und S ...
    Foto: Tobias Schmidt/FSU
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Physik / Astronomie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

    Vor dem kleineren der beiden umeinander kreisenden Sterne (links oben) ist die Scheibe aus Gas und Staub als leuchtschwaches dunkles Band erkennbar.


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