RUB-Dissertation: Interkulturelle Kompetenz neu gedacht
Auf dem globalisierten Markt ist die interkulturelle Zusammenarbeit unumgänglich. Umso wichtiger ist die Frage, wie interkulturelle Gruppen erfolgreich arbeiten können. Daniela Gröschke hat dazu in ihrer Dissertation am Lehrstuhl Arbeitsmanagement und Personal (Prof. Dr. Uta Wilkens) einen ganz neuen Ansatz gewählt: Sie fasst den Kulturbegriff unabhängig von der Nationalität auf und analysierte die Arbeit von Gruppen, die in verschiedener Hinsicht heterogen zusammengesetzt waren. Die Mitglieder waren unterschiedlich alt, hatten verschiedene Berufe und unterschiedliche Migrationserfahrung. Beim Unternehmensplanspiel zeigte sich:
Die Gruppe arbeitet am erfolgreichsten, wenn sie sich immer wieder auf ihr Ziel fokussiert, jedes Mitglied integriert und seinen Stärken entsprechend Aufgaben zuteilt. Ausgrenzung und Gleichschaltung sind keine Erfolgsrezepte.
Das Unternehmensplanspiel
Daniela Gröschke ließ fünf Gruppen à fünf Mitglieder zwei Tage lang das Unternehmensplanspiel TANGOTM spielen. Bei diesem interaktiven Brettspiel, das sich in eine Planungs-, eine Entscheidungs- und eine Durchführungsphase pro Spielperiode gliedert, müssen die Gruppen ihre Unternehmen, die in derselben Branche um Aufträge und Mitarbeiter konkurrieren, auf dem Markt erfolgreich führen. Auch Kooperationen und Fusionen sind möglich. Das notwendige Know-how, das nicht bei allen Spielern von vornherein vorhanden war, mussten sie sich zusätzlich aneignen. Entscheidungen mussten teils unter Zeitdruck getroffen werden - Fehler und Konfliktpotential waren dadurch vorprogrammiert.
Handlungsgewohnheiten prallen aufeinander
Daniela Gröschke beobachtete ihre Teilnehmer beim Spielen per Videoaufzeichnung. Außerdem führte sie Befragungen durch. "Die Teilnehmer waren alle Studierende des IAW-Masterstudiengangs Organizational Management", erzählt sie, "und hatten ganz unterschiedliche berufliche Hintergründe, Erfahrungen und Gewohnheiten." Diese Handlungsskripte prallten beim Spielen aufeinander. "Es waren flexible Teilnehmer dabei, die es gewöhnt sind, in wechselnden Arbeitsumgebungen zu arbeiten, aber auch Leute, die jeden Tag dasselbe machen und entsprechend immer auf dem selben Platz saßen", illustriert Daniela Gröschke. Was sie besonders interessierte, war, wie die Gruppen mit diesen Unterschieden umgingen. Sie suchte Handlungsnormen, die sich während des Spiels ausbildeten und stabil blieben, und setzte sie in Relation mit dem Spielerfolg der Gruppen.
Jeder bringt seine Stärken ein
Ihre Beobachtung: Besonders erfolgreich waren die Gruppen, die aktiv Nicht-Wissen identifizierten, die ihre Zusammenarbeit reflektierten, sich immer wieder auf ihr Ziel ausrichteten, alle Teilnehmer integrierten, Führung rollieren ließen und sich gegenseitig Mut zusprachen und Fehler nicht als Ärgernis, sondern als Herausforderung nahmen. "Eine Gruppe hatte zum Beispiel einen Teilnehmer, der einfach keine Lust hatte, sich am Spiel aktiv zu beteiligen", erzählt Daniela Gröschke. "Die Gruppe grenzte ihn aber nicht aus, sondern setzte ihn zur Beobachtung der anderen Gruppen ein - er hat so wichtige Informationen für die Gruppe gesammelt."
Handlungsroutinen reflektieren und gemeinsam Regeln aushandeln
Um in der Praxis die Arbeit interkultureller Gruppen effizienter zu machen, sollte man zum Beispiel, statt individuelle Trainings durchzuführen, auf Gruppencoachings zurückgreifen, rät Daniela Gröschke. Auch könne es helfen, wenn Gruppen sich benchmarken, um als Gruppe zu lernen. Wichtig sei die gemeinsame Erfahrung in der Gruppe, da auf dieser Grundlage Handlungsroutinen reflektiert und Verhaltensregeln gemeinsam ausgehandelt werden können. Da sie sich in der Arbeit dem Konstrukt interkultureller Kompetenz explorativ genähert hat, seien Verallgemeinerungen vorsichtig abzuleiten und die Implikationen weiter zu prüfen, unterstreicht die Forscherin.
Weitere Informationen
Dipl.-Psych. Daniela Gröschke, Institut für Arbeitswissenschaft (IAW), Lehrstuhl Arbeitsmanagement und Personal, Tel.: 0234 - 32 27872; daniela.groeschke@rub.de, http://www.rub.de/aup
Redaktion: Meike Drießen
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Psychologie, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse
Deutsch
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