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10.09.2010 17:15

Bestimmte Medikamentenallergien sind auf das Erwachen "schlafender" Viren zurückzuführen

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

    Philippe Musette, Leiter der Uniklinik für Dermatologie in Rouen, untersucht seit mehreren Jahren bestimmte Formen von Medikamentenallergien. Nun konnte er aufzeigen, dass bestimmte Medikamentenallergien auf das Erwachen "schlafender" Viren, wie Herpes-Viren, zurückzuführen sind und nicht wie bislang angenommen das Ergebnis einer Reaktion des Organismus auf das Arzneimittel selbst sind. Diese Arbeit wurde in der amerikanischen Fachzeitschrift Science Translational Medicine vom 25. August 2010 veröffentlicht [1].

    Das Überempfindlichkeitssyndrom - starke Reaktion des Immunsystems - tritt erst mindestens drei Wochen nach der Einnahme des Medikaments auf. Die Symptome dieses seltenen Syndroms reichen von Infektionen, über Fieber, geschwollene Lymphknoten, Hautausschlag bis hin zu eventuellen Auswirkungen auf Lunge, Nieren, Leber und Herz. Die Sterblichkeitsrate liegt bei ungefähr 10%. Die Arzneimittel, die das Syndrom auslösen, sind in den meisten Fällen Antiepileptika (Antikonvulsiva) und Antibiotika, aber auch Allopurinol (gegen Gicht).

    Prof. Musette zufolge "wecken" diese Arzneimittel bei bestimmten Personen mit genetischer Veranlagung das Epstein-Barr-Virus (EBV), das normalerweise im "Schlaf-Modus" im Organismus vorkommt. Das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion liege für ein Antikonvulsivum wie Tegretal (Carbamazepin) bei 1/8.000.

    Im Rahmen dieser Studie wurden 40 Patienten untersucht, die diese Überempfindlichkeit aufwiesen. Bei 76% von ihnen beobachteten die Forscher eine Vermehrung des EBV im Blut. Bei diesen Patienten richteten sich die meisten Immunzellen, insbesondere die T-Lymphozyten CD8+, gegen die Viren-Partikel. Die Forscher um Philippe Musette konnten so beweisen, dass der Körper gegen die vom Arzneimittel verursachte Reaktivierung des Virus kämpft, und nicht gegen das Arzneimittel selbst, wie bislang angenommen. Somit könnte das Überempfindlichkeitssyndrom nicht nur durch das Aussetzen des Arzneimittels behandelt werden, sondern auch mit Kortikoïden, und in den schlimmsten Fällen mit wenig oder teilsweise effizienten Virostatika (wie Ganciclovir).

    [1] "Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms (DRESS): A Multiorgan Antiviral T Cell Response", Picard, Janela, Descamps, […] Joly & Musette - Science Translational Medicine - 25.08.2010 - http://stm.sciencemag.org/content/2/46/46ra62.abstract

    Kontakte:
    - Philippe Musette - Uniklinik für Dermatologie, 1 rue de Germont, 76031 Rouen - Tel: +33 232 88 68 41 - E-Mail: philippe.musette@chu-rouen.fr
    - Internetseite der Uniklinik für Dermatologie (auf Englisch): http://www.ihunormandyrouen.fr/ihugb/?page_id=986

    Quelle: "Certaines allergies médicamenteuses dues au réveil de virus dormant", Artikel aus Les Echos - 25.08.2010
    http://www.lesechos.fr/depeches/medecine-sante/afp_00276137-certaines-allergies-...

    Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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