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13.09.2013 14:27

Der Berg ruht / Bodenkonferenz an Uni Hildesheim / Bodenschutz und Flächenverbrauch

Isa Lange Pressestelle
Stiftung Universität Hildesheim

    Wenn der Bergbau erwacht: Ein ruhendes Bergwerk soll reaktiviert werden. Die dortigen Hartsalze – über 80 Millionen Tonnen Kalirohsalze – sind besonders wertvoll. „Doch die Hildesheimer Börde hat die ertragreichsten Böden in Deutschland. Wo eine Halde entsteht, ist der Boden für eine ackerbauliche Nutzung unwiderruflich verloren“, sagt Geographieprofessor Dr. Martin Sauerwein von der Universität Hildesheim. Der Professor für Geographie forscht zu Bodenschutz und Flächenverbrauch sowie Altlasten. Eine öffentliche Bodenkonferenz am 19. September führt alle Beteiligten an der Universität Hildesheim zusammen.

    Über 80 Jahre wurden im Hartsalzwerk Siegfried-Giesen Kali-Salze abgebaut. Im Verlauf der 80er Jahre gab es Überkapazitäten auf dem Weltmarkt – 1987 wurde die Produktion aus wirtschaftlichen Gründen wegen des fehlenden Marktpotentials eingestellt. Die Betreiber K+S AG planen nun, das seitdem ruhende Bergwerk zu reaktivieren. Es wäre das erste Mal nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, dass ein stillgelegtes großes Kali-Bergwerk wieder in Betrieb genommen würde. Zwischen Hildesheim und Sarstedt soll eine Rückstandshalde entstehen – denn nur etwa 60% bis 70% der Rückstände aus der übertägigen Aufbereitung können verfahrensbedingt unter Tage wieder als sogenannter Versatz eingebracht werden. Seit Juni 2013 läuft ein Raumordnungsverfahren, das Anfang 2014 abgeschlossen sein soll, um unter anderem einen optimalen Halden-Standort zu finden. Je nach Haldenvariante werden ca. 25 bis 70 Hektar benötigt. Drei Flächen im Norden Hildesheims stehen zur Debatte.

    Kali ist der wichtigste Dünger für Landwirte. Die Hartsalze auf dem Salzstock im Landkreis Hildesheim sind besonders hochwertig. Wertvoll ist die im Giesener Kali-Salz enthaltene magnesiumsulfatige Wertstoffkomponente, das sogenannte Kieserit. Dieses bildet die Grundlage für die Herstellung magnesiumsulfat-basierter Düngemittelspezialitäten und sei ein Alleinstellungsmerkmal der deutschen Kaliindustrie. Laut K+S liegen über 80 Millionen Tonnen Kalirohsalze unter dem Boden verborgen, was einer Lebensdauer dieses Bergwerkes von über 40 Jahren entspricht. Der Salzstock entstand vor rund 260 Millionen Jahren. Ein Abbau bis zu einer Tiefe von 1400 Metern ist technisch kein Problem, so K+S.

    Doch die Böden im Landkreis Hildesheim sind schutzwürdig. „Die Hildesheimer Börde hat die ertragreichsten Böden in Deutschland. Wo die Halde entsteht, ist der Boden für eine ackerbauliche Nutzung unwiderruflich verloren. Durch die Abdeckung der Halde mit lokalem Bodenmaterial kann jedoch ein Teil der ökologisch wichtigen Bodenfunktionen erhalten werden“, sagt Prof. Dr. Martin Sauerwein von der Universität Hildesheim. Der Professor für Geographie forscht zu Bodenschutz und Flächenverbrauch sowie Altlasten. „Wir sollten ökologisch wertvolle Böden schützen und dies in der Planung beachten“, so Sauerwein. Der nährstoffreiche Löss und die Böden, die sich in den letzten 12.000 Jahren darauf entwickelt haben, bieten optimales Wachstum für besonders anspruchsvolle Kulturen – zum Beispiel Zuckerrüben. Ein Vergleich: Während in der Hildesheimer Börde Ackerzahlen bis 100 erreicht werden, liegen die Werte bei Böden der Marschen an der Nordseeküste zwischen 30 und 50. „Für Niedersachsen ist ein solch großer Eingriff in die Böden ein riesiges Projekt“, sagt Sauerwein. Schließlich übersteigt die Fläche übliche Dimensionen von ein bis zwei Hektar – hier geht es um eine Größenordnung von mehr als 25 Fußballfeldern.

    Bodenfunktionsbewertung – der Begriff ist sperrig, doch dahinter steckt ein entscheidendes Verfahren: Wie können aus Sicht des Bodenschutzes Standorte für solche Großvorhaben gefunden werden? Auf einer Konferenz am 19. September an der Universität Hildesheim wird erstmals der Leitfaden „Bodenfunktionsbewertung auf regionaler und kommunaler Ebene – Ein niedersächsischer Leitfaden für die Berücksichtigung der Belange des vorsorgenden Bodenschutzes in der räumlichen Planung“ vorgestellt. Erarbeitet wurde der Leitfaden vom Niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU). Dieser Leitfaden soll erstmals in Niedersachsen auf die Planung des Haldenstandortes angewendet werden.
    Auf der öffentlichen Konferenz stellt Kali + Salz das Vorhaben vor. Anschließend diskutieren Vertreter der Landwirtschaftskammer, der Unteren Bodenschutz- und der Naturschutzbehörden sowie des Umweltministeriums. Bei der Suche nach einem Standort müssen Kriterien wie natürliche Bodenfruchtbarkeit und besondere natur- und kulturgeschichtliche Bedeutung berücksichtigt werden.

    „Wir sind dann mal weg!“ – so das Motto der dritten Hildesheimer Bodenkonferenz in Anspielung auf die für eine landwirtschaftliche Nutzung verlorenen Böden.

    Info: Boden-Schauprofil in Hildesheim erstmals öffentlich zugänglich
    Geographen und Bodenkundler der Universität Hildesheim arbeiten seit mehreren Jahren mit dem Landkreis zusammen, um auf die Besonderheiten der regionalen Böden aufmerksam zu machen. Dazu gehören zum Beispiel die Betreuung des Schwarzerde-Profils in Asel und Exkursionen.
    „Künftig können Bürger und Schüler einen Einblick in die Böden der Innerste-Aue erhalten, Ablagerungen und Prozesse der Bodenbildung seit dem Mittelalter und die mit dem Harzer Bergbau verbundenen Schwermetallbelastungen anschaulich nachvollziehen. Wir haben ein Boden-Schauprofil erstellt. Eine 2,20 Meter tiefe Grube“, sagt Martin Sauerwein.
    Erstmals wird das Boden-Schauprofil beim Tag des Geotops (15. September, 11:00 Uhr, Dauer ca. eine Stunde) und auf der Bodenkonferenz (19. September, 15:30 Uhr) vorgestellt. Die Initiative und Unterstützung geht vom Niedersächsischen Umweltministerium aus. Der Zugang erfolgt über eine Treppe, eine Tafel mit Fakten gibt erste Auskunft. Das Profil befindet sich auf der Domäne Marienburg der Universität Hildesheim, zwischen Theaterneubau und Kernburg/Hohes Haus. Auf der mittelalterlichen Burganlage studieren heute 1000 Kulturwissenschaftler. Weitere Boden-Schauprofile sollen niedersachsenweit erschlossen werden, zunächst im Raum Hildesheim und Osnabrück. Die Bingo-Umweltstiftung fördert die Aktivitäten der Hildesheimer Geographen mit 10.000 Euro.

    3. Hildesheimer Bodenkonferenz
    „Wir sind dann mal weg!“
    Bodenverbrauch und Bodenfunktionsbewertung bei räumlichen Planungen

    Wann?
    19. September 2013, 9 Uhr bis 16 Uhr

    Wo?
    Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim,
    Hohes Haus, Domänenstraße, 31141 Hildesheim

    Veranstalter:
    Institut für Geographie der Universität Hildesheim in Kooperation mit dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz und dem Bundesverband Boden

    Teilnahme:
    Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung per E-Mail wird bis zum 13. September gebeten: susanne.ohlendorf@uni-hildesheim.de

    Programm:
    http://www.uni-hildesheim.de/media/presse/Sonstiges/2013_Bodenkonferenz_Uni_Hildesheim_Bundesverband_Boden_Umweltministerium.pdf

    Medienkontakt:
    Redaktionen wenden sich bitte an die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-102, 0177.8605905).


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-hildesheim.de/media/presse/Sonstiges/2013_Bodenkonferenz_Uni_Hild... - Programm als PDF, Bodenkonferenz an Universität Hildesheim


    Anhang
    attachment icon Pressemitteilung als PDF / Wiederaufnahme Salz-Bergbau bei Hildesheim Kali und Salz KS / Bodenkonferenz Uni Hildesheim

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
    Bauwesen / Architektur, Biologie, Geowissenschaften, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


    Über 80 Jahre wurden im Hartsalzwerk Siegfried-Giesen in Niedersachsen Kali-Salze abgebaut. Das ruhende Bergwerk soll nun wieder aktiviert werden. Zwischen Hildesheim und Sarstedt soll eine Halde entstehen. Das Raumordnungsverfahren soll 2014 abgeschlossen sein. Experten forschen an der Uni Hildesheim über Bodenschutz und Flächenverbrauch.


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