idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
03.04.2011 14:16

Leben auf der Station mit dem Klavier

Constanze Steinke Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Auf der neuen Palliativstation Greifswald stehen die besonderen Bedürfnisse schwerstkranker Menschen im Mittelpunkt

    Am Sonnabend, 2. April, wurde in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald die neue Palliativstation im Klinikneubau 2 feierlich eröffnet. Die Spezialabteilung mit zehn Betten unter Federführung der Klinik für Innere Medizin C komplettiert das stationäre und ambulante Netzwerk für schwerstkranke Patienten in Vorpommern.

    „Das Konzept der Palliativmedizin führt weg von der alleinigen technisierten Hochleistungsmedizin hin zu einem Leben und Abschied in Würde bei bestmöglicher Lebensqualität“, betonte Prof. Marek Zygmunt, Ärztlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Greifswald. „Die Bedeutung der Palliativmedizin ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Mit dem neuen stationären Angebot kommen wir einem großen Bedarf in der Bevölkerung, aber auch innerhalb der Universitätsmedizin nach“, so Zygmunt. Das lasse sich schon an den Belegungsdaten erkennen. Die zum 1. Februar eröffnete Station ist auf Anhieb voll ausgelastet. Das Erweiterungsprojekt wurde von Anfang an vom Sozialministerium unterstützt.

    „Wir sind sehr froh, unseren Patienten nun eine umfassende palliativmedizinische Versorgung anbieten zu können“, betonte Prof. Gottfried Dölken, Direktor der Inneren Medizin C. „Neben der allgemeinen und spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, dem ambulanten Hospizdienst und dem Hospiz gibt es in Greifswald jetzt das bisher fehlende Mosaikstück, die Palliativstation. Dabei steht die Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen im Mittelpunkt.“

    In der Palliativmedizin geht es nicht mehr um die „Heilung“, sondern um die Linderung der Beschwerden und Verbesserung der Lebensqualität von Patienten mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen und begrenzter Lebenserwartung. Erkrankungen, für die eine palliativmedizinische Behandlung in Frage kommen, sind vor allem Krebserkrankungen, aber auch neurologische Muskelerkrankungen wie beispielsweise ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), chronische Lungenprobleme (COPD) und die Immunschwächekrankheit AIDS. Häufig auftretende Symptome in dieser letzten Lebensphase einer schweren Erkrankung sind vor allem starke Schmerzen, Luftnot, Angst, Übelkeit und allgemeine Schwäche.

    Das ganzheitliche Behandlungskonzept wird von einem interdisziplinären Team umgesetzt. Dazu gehören spezialisierte Ärzte und Pflegekräfte, Schmerz- und Physiotherapeuten, Ergo- und Musiktherapeuten sowie Mitarbeiter des Sozialdienstes, Seelsorger und Psychologen.

    Sich Zeit nehmen und Ruhe finden

    Die neue Station befindet sich im zweiten Neubau im Gebäude des Eltern-Kind-Zentrums. Die Station wurde neu gestaltet und ist jetzt in ruhigen und warmen Farben gehalten (grün, orange, weiß). „Die Patienten sollen sich wohl fühlen und keine sterile Krankenhausatmosphäre erleben“, unterstrich Prof. Gottfried Dölken. Die zehn Betten sind verteilt auf Zweibettzimmer, die bei Bedarf auch als Einzelzimmer genutzt werden können. Ebenfalls möglich ist die Übernachtung von Familienmitgliedern. Angehörige können somit in die Betreuung einbezogen werden und als vertraute Bezugspersonen zur Seite stehen. Jedes Zimmer verfügt über einen eigenen Sanitärbereich. Zur Ausstattung zählt auch ein gemütliches Wohnzimmer mit Couch, Fernseher und einem Klavier. Darüber hinaus sind großräumige Kapazitäten für die Physiotherapie und Ergotherapie sowie für Teambesprechungen vorhanden. Unter Einbeziehung der Angehörigen kann das Team mit einer großzügigeren Personalausstattung die zeit- und gesprächsintensive Betreuung der Palliativpatienten gewährleisten.

    Im Gegensatz zum Hospiz ist auf einer Palliativstation keine Langzeitpflege vorgesehen, die mittlere Verweildauer liegt bei etwa zehn Tagen. Ziel einer Behandlung auf der Palliativstation ist die Linderung der Krankheitssymptome und die Stabilisierung des Patienten. In der Regel wird auf eine Entlassung in die Häuslichkeit orientiert. In Kooperation mit den ambulanten Palliativ- und Hospizdiensten sowie den Haus- und Fachärzten wird die häusliche Versorgung im eigenen Wohnumfeld sichergestellt. Sollte dies nicht mehr zu leisten sein, kümmert sich das Team gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen um eine entsprechende Alternative innerhalb der Familie oder auch in einer Pflegeeinrichtung. „Als universitäre Einrichtung beteiligen wir uns neben der Versorgung auf der neuen Station auch intensiv an der Lehre und Ausbildung des Nachwuchses sowie der palliativmedizinischen Forschung“, machte Klinikdirektor Prof. Gottfried Dölken abschließend deutlich.

    Universitätsmedizin Greifswald
    Klinik und Poliklinik für Innere Medizin C,
    Hämatologie und Onkologie - Transplantationszentrum
    Direktor: Prof. Dr. med. Gottfried Dölken
    Sauerbruch-Straße, 17475 Greifswald
    T +49 3834 86-66 98
    T +49 3834 86-22 920 (Station)
    E doelken@uni-greifswald.de
    http://www.medizin.uni-greifswald.de


    Bilder

    Das Team der Palliativstation an der Universitätsmedizin Greifswald. Das Besondere der Station ist der sehr gute Personalschlüssel, der ganzheitliche Behandlungsansatz, die Zusammenarbeit als interdisziplinäres Team, die wenig technisierte, dafür aber gesprächsintensive Betreuung, die aktive Einbeziehung der Angehörigen und die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Kräften der ambulanten Palliativdienste.
    Das Team der Palliativstation an der Universitätsmedizin Greifswald. Das Besondere der Station ist d ...
    Foto: Manuela Janke/UMG
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    regional
    Organisatorisches
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).