Im Zuge der Dynamik moderner Technikentwicklung fühlt sich der einzelne Mensch zusehends von den neuen Systementwicklungen überfordert. Er ist wissensmäßig häufig nicht mehr in der Lage, Einfluss auf seine Umwelt zu nehmen und verliert mehr und mehr die Kontrolle über technische Gestaltungsfelder. Wie kann das einzelne Individuum dennoch Verantwortung übernehmen und aktiv seine Umwelt beeinflussen? Dieser Frage geht der Philosoph Christoph Hubig am 4.Juli 2005 um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen nach und sucht mit der Politiktheorie des Aristoteles Antworten zu geben.
Gemäß der idealen aristotelischen Konstruktion stützt sich die Politik auf die Tugend ihrer Gestalter. Sie stellt den Rahmen bereit, der diese Tugend zur Entfaltung bringt und ein tugendhaftes Handeln in den Bereichen absichert, deren Gestaltung individuelles Handeln überfordert. Die Politik der Gegenwart kann nicht mehr von diesen starken Voraussetzungen ausgehen. Die Grundidee jedoch, dass politisch-institutionelles Handeln die Bedingungen schafft, die individuelles Handeln gewährleisten und sichern, bleibt aktuell. Angesichts des Wertpluralismus´ und strittiger Begründungsfragen der Ethik ist, so Christoph Hubig, die (klugheitsethische) Politiktheorie des Aristoteles fortzuschreiben und zu modifizieren. Ferner ist ein Konzept für institutionelles Handeln erforderlich, das einerseits der Komplexität unserer sozialen Systeme gerecht wird, andererseits Handeln nicht auf (singuläre oder zusammengesetzte) individuelle Urheberschaft reduziert.
Prof. Dr. Christoph Hubig, geb. 1952, Studium der Philosophie, Soziologie, Germanistik und Musikwissenschaft in Saarbrücken und Berlin (TU). 1976 Promotion Philosophie, 1983 Habilitation Philosophie. 1984 Professur für Praktische Philosophie/Technikphilosophie an der TU Berlin, 1992 Gründungsprofessur in Leipzig. Seit 1997 Professur für Philosophie mit den Schwerpunkten Wissenschaftstheorie, Technik- und Kulturphilosophie an der Universität Stuttgart, dort Abteilungsleiter und Geschaftsführender Direktor des Instituts für Philosophie.
Christoph Hubig ist Gast der Forschungsgruppe "Kulturen der Verantwortung" am Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen. Diese Forschungsgruppe untersucht die Verantwortungskultur der Zivilgesellschaft, die sich durch Forderungen nach eigenverantwortlicher Lebensführung und gemeinwohlorientiertem Handeln auszeichnet.
Mitglieder der Forschungsgruppe sind: PD Dr. Ludger Heidbrink (Philosophie), PD Dr. Alfred Hirsch (Philosophie), Regina von Görtz (Soziologie) und Judith Schildt (Sinologie, Philosophie).
Die Veranstaltung ist öffentlich.
Sabine Rehorst
Kulturwissenschaftliches Institut
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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Criteria of this press release:
Economics / business administration, Language / literature, Law, Philosophy / ethics, Politics, Religion, Social studies
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Research results
German
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