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12/08/1999 14:02

Neue RUB-Studie zu Umfang und Struktur des Armutspotentials

Dr. Josef König Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Neuland beschreitet die von ZEFIR (Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung der RUB, Prof. Dr. Peter Strohmeier) erstellte und vom MASSKS (Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport NRW) finanzierte Studie "Armut in Nordrhein-Westfalen. Umfang und Struktur des Ar-mutspotentials": Erstmals haben die Wissenschaftler nicht nur wie bisher Umfragedatensätze ausgewertet, sondern auch erst seit kurzem zugängliche Individualdaten amtlicher Statistiken genutzt. Das Ergebnis gibt Aufschluss über die Lage und die Ursachen der Armut in NRW und gingen jetzt in den "Sozialbericht 98" der Landesregierung ein.

    Bochum, 08.12.1999
    Nr. 308

    Armut in NRW - immer größere soziale Spaltung
    Neue Studie zu Umfang und Struktur des Armutspotentials
    Erstmals Nutzung amtlicher Mikrodaten für die Sozialforschung

    Neuland beschreitet die von ZEFIR (Zentrum für interdisziplinäre Ruhrgebietsforschung der RUB, Prof. Dr. Peter Strohmeier) erstellte und vom MASSKS (Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport NRW) finanzierte Studie "Armut in Nordrhein-Westfalen. Umfang und Struktur des Ar-mutspotentials": Erstmals haben die Wissenschaftler nicht nur wie bisher Umfragedatensätze ausgewertet, sondern auch erst seit kurzem zugängliche Individualdaten amtlicher Statistiken genutzt. Das Ergebnis gibt Aufschluss über die Lage und die Ursachen der Armut in NRW und gingen jetzt in den "Sozialbericht 98" der Landesregierung ein. Die am schlimmsten betroffenen Gruppen sind immer noch die alten: Kinder, Frauen, Alte, Ausländer, Alleinerziehende und Großfamilien.

    Studie und Schaubild im www

    Schaubilder und Statistiken sind in der Studie, die im Internet heruntergeladen werden kann, vorhanden(http://www.ruhr-uni-bochum.de/zefir/). Eine exemplarisches Schaubild finden Sie auch unter: http://www.ruhr-uni-bochum.de/pressemitteilungen (siehe heutiges Datum)

    Kombinierte Daten sind zahlreich und aktuell

    In bisherigen Studien zur finanziellen Lage der Bevölkerung wurden Umfragedatensätze, z. B. das SOEP (SozioOekonomisches Panel), als repräsentative Quellen benutzt. Nachteil dieser Quellen ist aber, dass sie aufgrund von kleinen Fallzahlen häufig zu wenige Informationen für sozialstrukturell oder regional differenzierte Analysen liefern. Die neue Studie umgeht dieses Problem durch die Kombination von Umfragedatensätzen mit anonymisierten Daten aus amtlichen Beständen, z. B. dem Mikrozensus und der Sozialhilfestatistik. Bei diesem Vorgehen zeigte sich, wie auch ohne großen Aufwand die Nutzbarkeit dieser Quellen noch verbessert werden könnte. Die großen Vorteile der amtlichen Statistiken sind ihre großen Fallzahlen und die Aktualität der Angaben. Moderne Computertechnik ermöglichte den Forschern, die Datenflut von mehreren Millionen Datensätzen auszuwerten. Diese neue Art von Studien, in denen Umfrage- und Amtsdatensätze kombiniert werden, bieten sich durch ihre große Genauigkeit besonders für die politische Problemdiagnose und zur Wirkungskontrolle politischer Intervention an.

    Kinderarmut ist Familienarmut

    Zum Teil bestätigt die neue Untersuchung die Ergebnisse älterer Studien. Unverändert ist z. B., dass (Langzeit-) Arbeitslosigkeit Armut bedingt, dass Kinder von Armut besonders stark betroffen sind, und dass junge alleinerziehende Mütter eine der ärmsten Gruppen sind. Eine neue Erkenntnis findet sich in dem Aspekt der Kumulation benachteiligter Lebensformen und Lebenslagen: Hier stellt sich eine immer stärkere soziale Spaltung unserer Gesellschaft heraus. Soziale Bindungen, wie der traditionelle Familienzusammenhalt oder die Nachbarschaftshilfe, nehmen immer mehr ab. So sind z.B. alleinerziehende Mütter oft isoliert und können daher nicht auf die Hilfe anderer bei der Kinderbetreuung bauen. Die Armut der Kinder, die seit einiger Zeit großes öffentliches Aufsehen erregt, fusst auf der Misere der Familien, bzw. der "Restfamilien", die nach einer Trennung oder Scheidung übrigbleiben. Hier ist die staatliche Familienpolitik gefordert: Familie und Beruf sind kaum zu vereinbaren. Kinder- und Erziehungsgeld reichen offenbar nicht für ein Auskommen junger Familien. Alleinerziehende Mütter haben es besonders schwer: Auch ihnen mangelt es schon in den ersten Lebensmonaten des Kindes an Geld. Einrichtungen zur Betreuung kleiner Kinder gibt es kaum. Wenn das Kind alt genug ist, im Kindergarten betreut zu werden, scheitert dies oft an den Öffnungszeiten. Diese Situation ist seit den achtziger Jahren unverändert: 40 Prozent aller Kleinkinder berufstätiger Mütter in NRW werden von den Großeltern versorgt. Hier sind Kommunen und der Arbeitgeber zunehmend gefordert.

    Auflösung traditioneller Formen der Solidarität

    Am in den siebziger Jahren viel diskutierten Problem der Altersarmut hat sich nichts geändert, und auch Ausländer gehören nach wie vor zu den benachteiligten Gruppen, insbesondere diejenigen, in deren Kultur noch traditionelle Familienmodelle gelebt werden, wo z. B. Kinderreichtum und Einverdienerhaushalte die Regel sind. Insgesamt werten die Wissenschaftler die Ergebnisse der Studie als ein Anzeichen für die Auflösung traditioneller Formen der Solidarität wie Familie, Ehe und Nachbarschaft. Außerdem ist eine Tendenz zur regionalen Polarisierung der Armut und sozialen Ungleichheit festzustellen: Großstädtische Regionen - allen voran das Ruhrgebiet - haben erheblich höhere Armutsquoten als ländliche Räume.

    Weitere Informationen

    Prof. Dr. Peter Strohmeier, ZEFIR, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-23706, Fax: 0234/32-14-468, Internet: www.ruhr-uni-bochum.de/zefir/


    More information:

    http://www.ruhr-uni-bochum.de/zefir/


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    Criteria of this press release:
    Economics / business administration, Social studies
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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