BFBS - Ein Radio für Briten und Deutsche

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08/07/1996 00:00

BFBS - Ein Radio für Briten und Deutsche

Dr. Josef König Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Bochum, 07.08.1996 Nr. 139

    ,Fremder Freund" fuer Millionen deutsche Fans

    ,Freund in der Fremde" fuer britische Soldaten in Deutschland

    RUB-Untersuchung lueftet Schleier ums Militaerradio BFBS

    1995 konnte der BFBS das 50. Jahr seines Bestehens feiern. Trotz seiner langen Praesenz und ungebrochenen Beliebtheit in Deutschland war bisher kaum Naeheres ueber den Sender zu erfahren. Diese Luecke ist nun durch Dr. Oliver Zoellner geschlossen. In seiner Dissertation im Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der RUB (betreut von Prof. Dr. Franz-R. Stuke, Medienpaedagogik und Medienpraxis) hat er den ,British Forces Broadcasting Service" eingehend untersucht: seine Geschichte, seine Organisation, sein Programm, seine Hoerer und das, was die britischen Streitkraefte mit dem Sender bezwecken. Unter dem Titel ,BFBS: 'Freund in der Fremde'" wird die Untersuchung von Dr. Zoellner im Laufe dieses Jahres im Buchhandel erscheinen. Mit einem reichhaltigen Methodenspektrum, das geschichts-, sozial- und kulturwissenschaftliche Ansaetze zusammenfuehrt, zeigt der Autor auf, wie sich der kleine Sender ueber die Jahre treu geblieben ist, trotz aller aeusserlichen Veraenderungen.

    Generationen mit BFBS aufgewachsen

    ,This is Forces Radio - BFBS": Mit dieser temporeichen Ansage begruesst zu jeder vollen Stunde ein britischer Radiosender seine Hoerer ... mitten in Deutschland. Generationen von Deutschen sind mit ihm aufgewachsen, noch heute hoeren ihn taeglich wohl mehr als eine Million Menschen. Doch eigentlich wird das Programm des ,British Forces Broadcasting Service" nur fuer rund 30.000 britische Soldaten produziert, die mit ihren Familien in Deutschland stationiert sind. BFBS ist der britische Militaerrundfunk.

    Auftrag: ,Bruecke zur Heimat"

    Von Anfang an lautete der Auftrag des britischen Militaerrundfunks, die in Deutschland stationierten Soldaten (und bald auch ihre Familienangehoerigen) mit Nachrichten, Musik und Unterhaltung aus Grossbritannien zu versorgen, mit diesem Angebot eine ,Bruecke zur Heimat" zu bauen und die Stimmung der Truppe - ihre ,Kampfmoral" - zu erhoehen.

    Ohne ,Kommandoton" ...

    Diese Auftragsbestimmung aus der unmittelbaren Nachkriegszeit, die bereits waehrend des Krieges definiert worden war, gilt bis in die Gegenwart. Doch herrscht beim BFBS keineswegs Kommandoton: Unverwechselbares Markenzeichen des BFBS sind seine flotten und respektlosen Musikshows. Die aktuelle Hitparade bestimmt tagsueber das Programm, Musik fuer Minderheiten hat nur nachts eine Chance. Der Rhythmus der Sendungen ist schnell, Langeweile darf nicht aufkommen. ,Menschen schalten der Musik wegen das Radio ein", meint Moderator Simon Guettier im Interview mit Oliver Zoellner. Schallplatten machen knapp drei Viertel der Sendungen aus, der Wortanteil wird niedrig gehalten: ein kurzes Interview hier, drei Minuten Nachrichten dort, garniert mit einem kleinen Scherz des Disc-Jockeys. ,Wir versuchen, unsere Hoerer betont persoenlich anzusprechen", so Guettier. Sowohl die hitparadenorientierte Musikauswahl als auch die betont persoenlich gehaltene, quasi ,Eins-zu-eins"-Anrede der Hoerer gleicht einem Ritual, das eine Identifikation der Hoerer mit dem Sender, gleichzeitig aber auch der Soldaten untereinander, ermoeglichen soll. Ziel ist, eine Art von Familiengefuehl zu schaffen, ,die BFBS-Familie".

    ... dennoch militaerischer Auftrag

    Diese Auftragsbestimmung, so poppig und froehlich sie verpackt sein mag, wird von den britischen Streitkraeften - und mit ihnen dem BFBS - durchaus militaerisch gesehen: der Soldat, der im ,Ernstfall" mit Nachrichten aus der Heimat und von der Front, mit Gruessen von den Lieben und beschwingter Musik versorgt wird, kaempft besser. Das hat sich jedenfalls beim Einsatz des BFBS im Golfkrieg gezeigt. Der Militaerrundfunk ist Teil der Mannschaftsfuehrung - auch in Friedenszeiten.

    Schwesterstationen in aller Welt

    Die Produktionszentrale des BFBS Deutschland liegt im westfaelischen Herford. Hier und in fuenf Aussenstudios in Guetersloh, Hohne, Moenchengladbach, Osnabrueck und Paderborn produzieren 13 Redakteure taeglich rund neun Stunden Programm fuer ihre Landsleute in Uniform. Die uebrige Zeit wird mit einem Mantelprogramm aus dem BFBS-Stammhaus in London gefuellt. Die 46 Mitarbeiter dort versorgen ueber Satellit auch die Schwester-Stationen in Gibraltar, Hong Kong, Belize, Brunei, Kroatien, Nordirland, Zypern und auf den Falkland-Inseln. Der BFBS ist ein weltumspannendes Netz.

    90% Marktanteil

    Taeglich schalten rund 70.000 britische Militaerangehoerige zwischen Rhein und Elbe den BFBS an. Die Hoerer sind zum groessten Teil zwischen 18 und 34 Jahre alt. Fuer diese Stammhoerer gilt: BFBS ist ,ihr" Sender. Er gibt in der Truppe den Ton an, besitzt einen Marktanteil von satten 90 Prozent. Davon koennen deutsche Stationen nur traeumen. Doch zivile Hoerer sind beim BFBS nur als ,Zaungaeste" zugelassen, offiziell darf der Sender sie nicht in seine Programme einbinden. Das NATO-Truppenstatut, die rechtliche Grundlage fuer den Betrieb, verbietet dies. Der Truppenfunk soll einheimischen Sendern keine Konkurrenz machen. Doch die Zahl der deutschen Nutzer in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen uebersteigt die der Soldaten wohl um ein vielfaches. Die Anstalt geht von knapp zwei Millionen aus, Reichweiten-Untersuchungen von einigen Hunderttausenden.

    Begehrliche Blicke auf Frequenzen

    Seit dem Fall der Berliner Mauer fuerchten viele deutsche Fans, der BFBS werde Deutschland verlassen. Tatsaechlich zog nach dem Ende des Kalten Krieges gut die Haelfte der britischen Soldaten ab, der BFBS schloss seine Regionalstudios in Dortmund und Berlin. Geruechte halten sich, die ,AEra BFBS" sei hierzulande bald vorueber. Peter McDonagh, ,Intendant" des Senders, versichert: ,Solange britische Soldaten stationiert sind und das Londoner Verteidigungsministerium uns finanziert, wird BFBS in Deutschland weitersenden." Anzeichen dafuer, dass sich dies aendert, gebe es derzeit nicht, so McDonagh im Interview mit dem Autor der Bochumer Dissertation. Auch wenn andere Sender schon seit einiger Zeit begehrliche Blicke auf die Frequenzen des BFBS werfen, mit denen sich schliesslich Millionen Haushalte erreichen lassen.


    Criteria of this press release:
    History / archaeology, Law, Politics, Social studies
    transregional, national
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