idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
03/22/2007 15:37

Sicherheit geht den Deutschen vor Freiheit bei Terrorverdacht

Kerstin Hollerbach Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen, Mannheim)
GESIS - Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen

    Deutschland ist gespalten, was die Balance zwischen Sicherheitbedürfnissen und Freiheitsrechten angeht. Laut ISSP / ALLBUS 2006 würde über die Hälfte der deutschen Bevölkerung auf einige bürgerliche Grundrechte zugunsten der Sicherheit vor Terroranschlägen verzichten.

    Nach den jüngsten islamistischen Terrordrohungen im Internet stellt sich aktuell wieder die Frage, wie Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen gegen terroristische Anschläge im Zusammenspiel zwischen bürgerlichen Grund- und Freiheitsrechten und gestiegenen Sicherheitsbedürfnissen aussehen dürfen.

    Wie die jüngsten Ergebnisse des internationalen Teils der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage (ISSP 2006 im ALLBUS 2006) zeigen, tendiert die deutsche Bevölkerung eher zur Zurücknahme einiger Rechte zugunsten einer stärkeren staatlichen Kontrolle. Gefragt wurde nach der Zustimmung der Ausweitung staatlicher Rechte bei Terrorverdacht. Zur Debatte standen die beliebig lange Inhaftierung von Menschen ohne richterliche Anordnung, das Abhören von Telefongesprächen und das Anhalten und Durchsuchen von Menschen auf der Straße. Nur 24 Prozent sind nicht bereit, auf eines dieser bürgerlichen Rechte zu verzichten, mehr als die Hälfte (56 Prozent) können sich das immerhin bei zwei der drei hier abgefragten Rechten vorstellen. Die Ostdeutschen sind etwas stärker auf ihre Rechte bedacht als die Westdeutschen, ein knappes Drittel möchte keines ihrer Rechte im Fall eines Terrorverdachtes missen.

    Am ehesten könnten die Deutschen auf ihre Privatsphäre am Telefon verzichten (68 Prozent), wobei hier die Westdeutschen mit 70 Prozent großzügiger sind als die Ostdeutschen, die einen solchen staatlichen Eingriff 'nur' zu 61 Prozent billigen würden. Die Möglichkeit, jemanden auf der Straße anzuhalten und zu durchsuchen, ist immerhin für jeden zweiten Deutschen akzeptabel (51 Prozent). Die beliebig lange Haft ohne richterliche Anordnung findet bei 43 Prozent der Befragten Zustimmung, 50 Prozent würde dieses rechtsstaatliche Prinzip nicht ihren Sicherheitsbedürfnissen opfern, während 7 Prozent unentschlossen ist. Obwohl die Ostdeutschen ihre bürgerlichen Rechte zögerlicher preisgeben als die Westdeutschen, sind sie jedoch, was die Zustimmung zum Freiheitsentzug angeht, nicht so restriktiv wie die Westdeutschen: sie würden diese Form von Staatsgewalt mit 49 Prozent (Westdeutschland 42 Prozent) akzeptieren, wenn es um einen voraussichtlichen Terroranschlag geht.

    Außer regionaler gibt es auch gruppenspezifische Unterschiede, was Sicherheitsbedürfnis versus Bürgerrechte angeht. Generell sind Frauen, Befragte mit geringerer Bildung und parteipolitisch konservative Personen (Sonntagsfrage) vergleichsweise mehr auf Sicherheit aus (oder anders ausgedrückt: Je geringer die Bildung oder je konservativer die Parteiorientierung, umso stärker die Zustimmung zu allen drei Items.)

    Kontakt:
    Dr. Evi Scholz (scholz@zuma-mannheim.de)
    Kerstin Hollerbach (hollerbach@zuma-mannheim.de)


    More information:

    https://download.za.uni-koeln.de/index.php3 - Download des ALLBUS 2006 incl. deutsche ISSP-Module
    http://www.issp.org/index.shtml - internationale ISSP-Seite


    Images

    Sollten staatliche Stellen das Recht haben bei Terrorverdacht folgende Maßnahmen zu ergeifen?
    Sollten staatliche Stellen das Recht haben bei Terrorverdacht folgende Maßnahmen zu ergeifen?

    None

    Verzicht auf bürgerliche Rechte bei Terrorverdacht
    Verzicht auf bürgerliche Rechte bei Terrorverdacht

    None


    Criteria of this press release:
    interdisciplinary
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Sollten staatliche Stellen das Recht haben bei Terrorverdacht folgende Maßnahmen zu ergeifen?


    For download

    x

    Verzicht auf bürgerliche Rechte bei Terrorverdacht


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).