idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
08/28/2007 09:59

DFG fördert RUB-Studie zur Therapie chronischer Wunden

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

    Nr. 263

    Neue Therapien gegen Infektionen bei chronischen Wunden
    Forscher wollen angeborenes Immunsystem der Haut nutzen
    Großzügige DFG-Förderung für RUB-Studie

    Offene Beine, diabetisches Fußsyndrom und Druckgeschwüre sind die schmerzhaften und gefährlichen Spielarten chronischer Wunden. Durch sorglosen und falschen Einsatz von Antibiotika resistent gewordene Erreger machen die Behandlung solcher Problemwunden schwierig und langwierig. Bei der Bekämpfung der problematischen Erreger setzen Forscher um PD Dr. Lars Steinsträßer, Juniorprofessor für molekulare Wundheilung und Gentherapie in der Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte der Ruhr-Universität im Bergmannsheil auf das angeborene Immunsystem. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert die Studie "Host Defense Peptide als Effektormoleküle des angeborenen Immunsystem der Haut und ihr Einfluss auf die Wundheilung" für zunächst zwei Jahre mit 230.000 Euro.

    Infektabwehr der verletzten Haut

    Die Haut ist das größte Immunorgan des menschlichen Körpers und die wichtigste Barriere zwischen Körper und Umwelt. Sie besitzt eine wesentliche Funktion bei der Erkennung und Ansiedlung (Kolonisierung) erwünschter und bei der initialen antimikrobiellen Abwehr unerwünschter Mikroorganismen. Diese "Freund-Feind"-Erkennung der Haut leistet das angeborene Immunsystem (innate immune System), das im Gegensatz zum adaptiven, lernenden Immunsystem sofort gegen eindringende, krankheitsauslösende Mikroben agiert. "Die Basis des stammesgeschichtlich älteren angeborenen Immunsystems sind antimikrobielle Peptide: kurze Eiweißketten, die eindringende Bakterien, Pilze und Viren erkennen und vernichten", erklärt Dr. Steinsträßer. "Zusätzlich konnte man feststellen, dass diese Peptide verschiedene Zellen gezielt beeinflussen um die Immunantwort zu modulieren und gleichzeitig die Wundheilung und Neubildung von Blutgefäßen zu fördern." Neue Studien haben zudem gezeigt, dass eine reduzierte lokale Produktion antimikrobieller Peptide die Ursache der unterdrückten Immunantwort und den damit verbundenen höheren Infektionsraten bei Wundinfektionen ist.

    Wieso es zu Wundinfektionen kommt

    Wie genau das angeborene Immunsystem der Haut funktioniert, ist noch nicht vollständig geklärt. Genau das will PD Dr. Steinsträßer nun untersuchen. Mittels innovativer Analysemethoden werden die Forscher seiner Arbeitsgruppe die Immunantwort des Hautgewebes beim Kontakt mit verschiedenen Mikroorganismen auf Gen- und Proteinebene systematisch analysieren. Außerdem werden sie die Immunantwort kranker Haut mit der von nicht infizierter Haut bzw. unverletzter Haut vergleichen. So wollen die Forscher einen besseren Einblick in die Entstehung von bakteriellen Wundinfektionen bei chronischen Wunden bekommen und mögliche Therapiealternativen ermitteln.

    Viren helfen, Bakterien zu töten

    Da bei chronischen Wunden die Immunantwort massiv reduziert und die Infektanfälligkeit sehr ausgeprägt ist, wollen die Forscher die Immunreaktion im Wundbereich gezielt beeinflussen. Künstlich hergestellte, antimikrobielle Peptide, die den im Menschen vorkommenden entsprechen, sollen in ihrer Wirkung genauso untersucht werden, wie mögliche gentherapeutische Ansätze. Dabei sollen die genetischen Informationen der antimikrobiellen Peptide mittels nicht vermehrungsfähiger Viren in die verbliebenen gesunden Hautzellen eingeschleust werden, um die Zellmaschinerie der intakten Zellen in den verletzten Hautarealen zur Produktion des benötigten Peptids zu verwenden. "Durch die natürliche Hautregeneration ist die Wirkung dieses Therapieansatzes auf etwa zwei Wochen begrenzt", erläutert Steinsträßer. "Diese vorübergehende Gentherapie in Hautwunden kann die intensive Pflege mit täglichen Verbandswechseln und die tägliche Anwendung künstlich hergestellter Wachstumsfaktoren und Antibiotika überflüssig machen."

    Große Spezialabteilung im Bergmannsheil

    Bei schweren Wundinfektionen chronischer Wunden kann die Behandlung in Spezialzentren den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Die Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte (Klinikdirektor Prof. Hans-Ulrich Steinau) der Ruhr-Universität an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil GmbH gehört zu den renommiertesten Spezialabteilungen für Plastische und Rekonstruktive Chirurgie in Deutschland.

    Weitere Informationen

    PD Dr. Lars Steinsträßer, Juniorprofessor für molekulare Wundheilung und Gentherapie, Klinik für Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzte, BG Universitätskliniken Bergmannsheil, Klinikum der Ruhr Universität Bochum, Bürkle-de-la Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-3442, Fax: 0234/302-6379, E-Mail: lars.steinstraesser@ruhr-uni-bochum.de, Internet: http://www.bergmannsheil.de/692.0.html


    Images

    Bislang äußerst schwierig zu behandeln: chronische infizierte Wunden.
    Bislang äußerst schwierig zu behandeln: chronische infizierte Wunden.

    Mitglieder der AG Molekulare Wundheilung und Gentherapie: hinten v.l. Christina May, Galina Trust, davor v.l. Michael Sorkin, Andrea Rittig, Sabine Emmelmann, Caroline Chojnacki, davor v.l. Matthias Schulte, Rafael Hasler, Nico Kolb, Dr. Frank Jacobsen, Dr. Tobias Hirsch, PD Dr. Steinsträßer, vorne Mitte Christopher Sleymann.
    Mitglieder der AG Molekulare Wundheilung und Gentherapie: hinten v.l. Christina May, Galina Trust, d ...


    Criteria of this press release:
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Research projects
    German


     

    Bislang äußerst schwierig zu behandeln: chronische infizierte Wunden.


    For download

    x

    Mitglieder der AG Molekulare Wundheilung und Gentherapie: hinten v.l. Christina May, Galina Trust, davor v.l. Michael Sorkin, Andrea Rittig, Sabine Emmelmann, Caroline Chojnacki, davor v.l. Matthias Schulte, Rafael Hasler, Nico Kolb, Dr. Frank Jacobsen, Dr. Tobias Hirsch, PD Dr. Steinsträßer, vorne Mitte Christopher Sleymann.


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).