Fast ein Fünftel aller Studierenden leidet an Prüfungsangst. Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, startet die Universität Würzburg im Dezember ein Modellprojekt, das sich zunächst an die Erstsemester in Jura, Medizin und Wirtschaftswissenschaften richtet.
15 Prozent der Studenten und 21 Prozent der Studentinnen geben an, sich durch Prüfungsangst mittel bis stark beeinträchtigt zu fühlen. Besonders häufig ist das offenbar bei Jura- und Medizin-Studierenden der Fall, wie Ergebnisse aus den Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks zeigen.
Echte Prüfungsangst - das ist deutlich mehr als bloße Aufregung oder ein bisschen Bammel, erklärt die Würzburger Psychologin Dr. Silke Neuderth: "Die Betroffenen erfahren einen starken Leidensdruck, der ihre Studienleistungen schmälert. Im Extremfall erscheinen sie erst gar nicht zu Prüfungen. Dadurch verzögern oder gefährden sie ihr ganzes Studium."
Um bei den Würzburger Studierenden dem Entstehen von Prüfungsangst von vornherein zu begegnen, haben sich an der Uni mehrere Institutionen zusammengetan: das Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie, die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie der Lehrstuhl für Psychologie I. Die drei Partner bieten in diesem Wintersemester erstmals ein Modellprojekt zur Verbesserung der Prüfungsvorbereitung und damit letzten Endes zur Prävention von Prüfungsangst an. 61.500 Euro aus den Studienbeiträgen werden dafür verwendet, mit dem Geld wird - vorerst für ein Jahr - auch die halbe Personalstelle finanziert, auf der Silke Neuderth beschäftigt ist.
Das Projekt sieht für die Erstsemester eine vierteilige Vorlesung vor sowie ein Coaching in Kleingruppen. In der Vorlesung geht es um Ursachen und Symptome der Prüfungsangst, vor allem aber um andere Dinge, die viel mit dem Entstehen dieser Angst zu tun haben: um Planung und Zeitmanagement, um realistische Zielsetzungen, um Lern- und Arbeitstechniken. In den Kleingruppen sollen dann Lernstrategien trainiert werden; hierfür hat Silke Neuderth in allen drei Fakultäten jeweils zehn Studierende aus höheren Semestern als Tutoren angeworben.
Bei den Vorlesungen wird abgesprochen, wann und wo die Kleingruppen starten. Am Anfang und am Ende des Projekts wollen Silke Neuderth und ihr Team mittels Fragebögen herausfinden, wie die Teilnehmer das Konzept bewerten. Kommt dabei heraus, dass es bei den Studierenden Bedarf für ein solches Angebot gibt, kann über dessen Weiterführung aus Studienbeiträgen nachgedacht werden. Darüber berät dann die Präsidialkommission, in der die Studierenden paritätisch vertreten sind. Falls die Kommission der Hochschulleitung eine Fortsetzung vorschlägt, will Silke Neuderth das Projekt weiterentwickeln und auf zusätzliche Fakultäten ausdehnen.
Vergleichbare Initiativen an anderen deutschen Universitäten sind Silke Neuderth nicht bekannt. Sie weiß von Kleingruppen, in denen mit Studierenden gearbeitet wird, die bereits an Prüfungsangst leiden. Auch gebe es Internet-Projekte, bei denen das Zeitmanagement im Mittelpunkt steht. Mit einem Trainingsprogramm, das ganz am Anfang bei den Erstsemestern ansetzt, scheint die Uni Würzburg bislang Vorreiterin zu sein.
Kontakt: Dr. Silke Neuderth, T (0931) 31-2076, s.neuderth@uni-wuerzburg.de
Psychologin Dr. Silke Neuderth (Mitte) mit einigen der studentischen Tutoren, die beim Präventionspr ...
Source: Foto: Robert Emmerich
Sie treiben das Modellprojekt zur Prävention von Prüfungsangst federführend voran (von links): die P ...
Source: Foto: Robert Emmerich
Criteria of this press release:
interdisciplinary
transregional, national
Studies and teaching
German

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