In Hamburg wird heute das Zentrum für Klimafolgen-Engineering und -Management im Beisein von Wissenschaftssenator Jörg Dräger, Ph.D.(Cornell U.), sowie adtentwicklungs-und Umweltsenator Axel Gedaschko offiziell eröffnet. Es ist das erste seiner Art in Deutschland. Das als gemeinnützige Forschungseinrichtung in Public-Private-Partnership zwischen der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und dem Hamburger Bauunternehmen HC Hagemann construction group gegründete Zentrum agiert an der Nahtstelle zwischen Forschung und Praxis und soll den Transfer innovativer Techniken und Methoden zunächst auf dem Gebiet des Hochwasser-und Küstenschutzes beschleunigen.
Sitz des neuen Zentrums für anwendungsorientierte Forschung und Grundlagenforschung ist die Elbinsel Wilhelmsburg und damit ein vom Klimawandel besonders betroffener Stadtteil Hamburgs. Es werden 3,0 Millionen Euro investiert und damit bis 2011 rund 37 Arbeitsplätze für Forscher, Wissenschaftler und Techniker geschaffen. Der Gesellschaftervertrag wurde im Januar zwischen dem Präsidenten der TUHH, Prof. Dr.-Ing. habil. Edwin Kreuzer, und dem Geschäftsführer und Inhaber der HC Hagemann construction group, Arne Weber, geschlossen.
Der Klimawandel erfordert in weitaus stärkerem Maß als bisher technische
Maßnahmen zur Bewältigung seiner Folgen für den Lebensraum der Menschen.
Selbst wenn die für den Klimaschutz zuletzt auf dem EU-Gipfel am 8. März 2007 in
Brüssel beschlossenen Maßnahmen umgesetzt werden, sind die sich abzeichnenden
Konsequenzen des Klimawandels nicht mehr vollständig abzuwenden:
So wird der Temperaturanstieg mit den daraus resultierenden Folgen
wie Hochwasser, Sturmfluten, Starkregenereignisse oder auch Trockenheiten
sowohl in den Küstenregionen als auch im Binnenland zu einer Bedrohung des
Lebensraums werden.
Während sich besonders in Hamburg bereits zahlreiche Institutionen intensiv mit
der Erforschung des Klimawandels beschäftigen, herrscht bezüglich des
Managements der Folgen bundesweit noch großer Nachholbedarf: Zur Abwehr der
Gefahren und zum Schutz des Lebensraums der Menschen werden zunehmend
Innovationen gebraucht. Für ein umfassendes Klimafolgen-Engineering und
-Management sind vor allem die Ingenieurwissenschaften gefordert. Deren
Aufgaben konzentrieren sich auf die Entwicklung von Technologien und Methoden
im Umgang mit extremen klimatischen Zuständen.
Im Vordergrund der Aktivitäten im Zentrum stehen die Wasser-und Umweltwissenschaften. Das Konzept sieht eine Ausdehnung auch auf andere
ingenieurwissenschaftliche Bereiche vor. Eines der ersten Forschungsvorhaben
wird die Entwicklung eines Standards für mobile Hochwasserschutzwände und
-systeme sein sowie die Prüfung und Zertifizierung solcher Systeme. Hierzu liegen nach Aussage von Prof. Dr. Erik Pasche, Leiter des Instituts für Wasserbau an der TUHH, bereits Aufträge aus Norwegen und der Schweiz sowie Anfragen aus weiteren europäischen Ländern vor. In einem anderen Forschungsprojekt geht es um die Entwicklung hochwassersicherer Gebäude ("Dry-Proofing-Technology"). Außerdem beschäftigen sich die Wissenschaftler und Bauingenieure mit der Entwicklung neuer Wege beim Bauen über dem Wasser und im Wasser. Breiten Raum wird auch die Entwicklung regenerativer sowie klimaschonender Gebäudetechnik in Bürobauten einnehmen. So entwickelt die HC Hagemann construction group aktuell in Kooperation mit TUHH-Wissenschaftlern
beispielsweise mit dem "Shark" genannten Bürohaus einen zukunftsweisenden
Gebäudetyp auf Pfählen, der an steigende Wasserstände angepasst werden kann.
Des Weiteren sind "passive" Klimatisierungstechniken - Bauen über
Wasserflächen - sowie der Einsatz von polyurethangebundenen Uferbefestigungen
im Küstenschutz Gegenstand der Zusammenarbeit zwischen den
Theoretikern und Praktikern am Pollhornbogen.
In den kommenden Monaten wird eine Reihe verschiedener Versuchseinrichtungen
und Teststände in den ehemaligen Gebäuden der Hamburger Wasserwerke aufgebaut. Hierzu zählen zum Beispiel eine Wasserbau-Versuchsrinne für die Simulation von Erosionsvorgängen bei Starkregen sowie der Neubau eines - etwa 300 Quadratmeter großen und 450 Kubikmeter fassenden - Beckens für Tests an mobilen Hochwasser-Schutzwänden.
Hamburg stärkt mit dem neuen Zentrum in Wilhelmsburg auch den aufstrebenden
Süden der Stadt. Zugleich ist die Public-Private-Partnership ein weiterer wichtiger Baustein zur Aufwertung dieses Stadtteils und "Leuchtturm" im Rahmen der bis 2013 laufenden Internationalen Bauausstellung IBA auf der Elbinsel.
Jörg Dräger, Ph. D.(Cornell U.) Senator für Wissenschaft und Forschung: "Ich begrüße die Gründung des Zentrums für Klimafolgen-Management und wünsche allen
Beteiligten bei der künftigen Zusammenarbeit in diesem Kompetenznetzwerk viel
Erfolg! Dies ergänzt hervorragend unsere Bemühungen, Hamburg zu einer Modellstadt des Klimaschutzes zu entwickeln. Die Entscheidung von Wissenschaft
und Wirtschaft, ihre Kompetenzen in einem gemeinsamen Zentrum für
anwendungsorientierte Forschung zusammenzubringen, ist ein wichtiger Impuls für
die künftige Entwicklung Hamburgs und der Klimaforschung."
Axel Gedaschko, Senator für Stadtentwicklung und Umwelt: "Das neue
'Zentrum für Klimafolgen-Engineering und -Management' ist doppelt wichtig:
Erstens ist es ein weiteres wesentliches Element des Klimaschutzkonzepts
Hamburg im Bereich Angewandte Wissenschaften. Zweitens ist es wichtiger
Bestandteil des 'Sprungs über die Elbe'. Nach dem Beschluss, die Behörde für
Stadtentwicklung und Umwelt in die Wilhelmsburger Mitte zu verlagern, zeigt auch
die Gründung des 'Zentrums für Klimafolgen-Engineering und -Management', wie
sehr dieser hochinteressante Raum im Blickfeld steht."
TUHH-Präsident Edwin Kreuzer: "Das Zentrum eröffnet neue Perspektiven für
die mit den Folgen des Klimawandels beschäftigten Wissenschaftler der TUHH:
Der Weg zwischen Forschung und Anwendung wird kürzer. Forschungsergebnisse
münden unmittelbar in Anwendungen, und Erfordernisse der Praxis werden
schneller neue Forschungen auslösen. Davon wird vor allem unser neuer
Forschungsschwerpunkt 'Energie, nachwachsende Rohstoffe und Umwelt'
profitieren. Das Zentrum ist ein weiteres Beispiel für die lebendige
Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die an der TUHH seit
ihrer Gründung bewährte Praxis ist."
Arne Weber, Geschäftsführer HC HAGEMANN: "Hochwasserschutz,
Küstenschutz und Hafenbau sind langjährige Kernkompetenzen der Firma HC
Hagemann. Darüber hinaus beschäftigen wir uns in unserer Projekt-und
Immobilienentwicklung intensiv mit den Themen 'Hochwassersicheres Bauen',
'Bauen über dem Wasser und im Wasser' sowie 'Nutzung regenerativer und
klimaschonender Gebäudetechnik'. Aktuell arbeiten wir in diesem Zusammenhang
am Projekt 'Shark', einem Gebäude, das adaptiv an steigende Hochwasserpegel
angepasst werden kann. Aus unserer Beteiligung am Zentrum erhoffen wir uns
insgesamt eine breite Palette von Synergien für unsere tägliche Arbeit."
Uli Hellweg, Geschäftsführer IBA Hamburg: "Die Rolle der Stadt im
Klimawandel ist ein Schwerpunktthema der IBA Hamburg. Deshalb ist das
'Zentrum für Klimafolgen-Engineering und -Management' ein ganz wichtiger
Partner für die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung unserer Projekte.
Außerdem schafft das Zentrum qualifizierte Arbeitsplätze in Wilhelmsburg und ist
sicherlich ein eindeutiges Signal für die Attraktivität des Standortes."
Criteria of this press release:
Biology, Construction / architecture, Environment / ecology, Oceanology / climate
transregional, national
Transfer of Science or Research
German

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