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03/06/2008 16:36

Forschungsprojekt "Porta Hebraicorum" der FH Köln und der LMU München

Petra Schmidt-Bentum Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Köln

    In dem interdisziplinären Forschungsprojekt "Porta Hebraicorum" wird die einzigartige Sammlung hebräischer Schriften aus mehr als 400 Jahren, die zum Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek gehört, mit modernen Informatik-Technologien öffentlich zugänglich gemacht.

    2700 Schriften und Bücher der Hebraica-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek
    zu erschließen, aufzubereiten und der Öffentlichkeit über Internet zugänglich zu machen, das ist das Ziel eines gemeinsamen Forschungsprojekts der Ludwig-Maximilians-Universität München (Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur, Prof. Dr. Michael Brenner) und der Fachhochschule Köln (Institut für Informatik, Prof. Dr. Heiner Klocke). In dem Forschungsprojekt "Porta Hebraicorum - Erschließung und Präsentation einer der bedeutendsten Hebraica-Sammlungen mit modernen Informatik-Technologien" arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Jüdischen Geschichte und Kultur, der Informatik und der Buchwissenschaft interdisziplinär zusammen. "Das Arbeiten in Netzwerken entspricht exakt der neuen strategischen Ausrichtung der Forschung der Fachhochschule Köln" lobte der Prorektor für Forschung und Entwicklung der Fachhochschule Köln, Prof. Dr. Klaus Becker, beim gestrigen Pressegespräch das Forschungsprojekt. Die Hebraica-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek, die zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen zählt, umfasst einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren - von 1501 bis 1933. Das Forschungsprojekt wird mit insgesamt 200 000 Euro für eine zweijährige Laufzeit durch die Heidehof Stiftung GmbH in Stuttgart finanziert.

    SCHRIFTEN, VON DENEN DIE WELT NICHTS WEISS
    "Es gibt einzigartige Schriften, von denen die Welt nichts weiß, und die es weltweit nur ein Mal in diesem Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) gibt", erläutert Dr. Ittai Tamari von der Ludwig-Maximilians-Universität München die Bedeutung des Forschungsprojektes. "Beim Aufschlagen eines Buches weiß man zunächst gar nicht, was man in der Hand hält. Die Drucke sind Zeugen einer Zeit, die uns nicht zugänglich ist. Erst wenn die ganze Geschichte rund um die Schrift oder das Buch aus verschiedenen Blickwinkeln erschlossen wird - etwa durch Informationen über die Welt von damals, über die Bedingungen, unter denen Bücher erschienen sowie über die damaligen Bedürfnisse der Menschen - erschließt sich das Ganze allmählich."

    Die Hebraica-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) ist ein einzigartiger Schatz hebräisch-schriftlicher Drucke, die seit dem 16. Jahrhundert von Nichtjuden gesammelt wurde. Die Sammlung enthält mehrere Unikate, die das Bild des hebräisch-schriftlichen Buches des 16. und 17. Jahrhunderts widerspiegeln. Der hebräisch-schriftliche Druck hat nur im deutschsprachigen Raum eine Kontinuität von über 400 Jahren. Andere europäische Sprachräume wurden für kürzere Zeit zu wichtigen Zentren des hebräischen Drucks, so die Städte Venedig, Amsterdam und Konstantinopel. Im deutschsprachigen Raum jedoch wurde das Drucken hebräisch-schriftlicher Bücher an einem Ort immer wieder unterbrochen und an einem anderen fortgesetzt. Insgesamt sind 113 Druckorte belegt. Aus dem 16. Jahrhundert sind vorwiegend umherziehende jüdische Drucker bekannt. Erst im 17. Jahrhundert bekamen jüdische Drucker von einigen Territorialherren Privilegien, eigene Druckereien zu errichten.

    "Die Bedeutung der Hebraica-Sammlung der Bayerischen Staatsbibliothek wird erst durch unser Forschungsprojekt ersichtlich und zugänglich. Von den neu gewonnenen Erkenntnissen werden Wissenschaftler, Studierende und an Jüdischer Geschichte und Kultur Interessierte zugleich profitieren", sagt Prof. Dr. Michael Brenner, Leiter der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur der LMU München. Zudem geht hiermit ein wichtiges Anliegen der Bayerischen Staatsbibliothek in Erfüllung, das jedem Interessierten überall auf der Welt ein einfacher und unmittelbarer Zugriff auf die Dokumente der Hebraica Sammlung der BSB ermöglicht wird.

    Wie man ein Buch zum Sprechen bringt, demonstrierte Dr. Tamari am Beispiel des 500 Jahre alten Buches "Portae Lucis", das eigens für diese Präsentation von München nach Köln gebracht worden war. Das Buch "Portae Lucis" (Pforten des Lichts) ist eine frei ins Lateinische übertragene Ausgabe des kabbalistischen Buches "Scha'arei orah" des jüdischen Gelehrten Joseph ben Abraham (Spanien des 13. Jahrhunderts). Es behandelt die Namen Gottes und ihre Bedeutung, wie sie in den zehn Stufen der "Sephirot" Stufen (wie etwa Stärke, Güte, Intelligenz, Herrlichkeit und Ewigkeit) vorkommen. Der Übersetzer ist Paolo Riccio, ein getaufter Jude aus Deutschland des 16. Jahrhundert. Er war Philosophieprofessor an der Universität von Padua und wurde durch seinen Kenntnisreichtum bekannt (Reuchlin und Erasmus erwähnen ihn). Paolo Riccio gilt als ein Wegbereiter der jüdischen Literatur. Erst durch Übersetzungen von getauften Juden kamen interessierte Nichtjuden damals in den Genuss von jüdischen Schriften, wie die Mischnah, den Talmud und die kabbalistische Literatur, die selbst für Hebräisch-Lesende ohne tiefere Kenntnisse der jüdische Kultur fast unzugänglich war. Paolo Riccios Werke wurden in Augsburg gedruckt. Dort kamen im 16. Jahrhundert viele weitere jüdische Werke heraus. Augsburg war ein damals sehr wichtiger Ort für jüdische Texte etwa vergleichbar mit Venedig in Italien. Grund hierfür war, dass in dieser Stadt die Kirche nicht so viel zu sagen hatte.

    OHNE DIE STUDIERENDEN WÄRE DIE SOFTWAREENTWICKLUNG NICHT MÖGLICH
    Viele neue Ideen und Lösungen gelangen in dieses Projekt auch durch studentische Arbeiten wie Diplomarbeiten, Praxissemester und Wahlpflichtprojekte. "Ohne die Studierenden", unterstreicht Prof. Dr. Heiner Klocke vom Institut für Informatik der Fachhochschule Köln, "wäre die Softwareentwicklung nicht möglich." Doch auch die Studentinnen und Studenten profitieren von ihrer Mitarbeit in dem interdisziplinären praxisnahen Forschungsprojekt, in dem sie neue innovative Methoden der Informatik anwenden und weiter entwickeln. Zum Teil kann hierbei auf bereits entwickelte Prototypen zur Strukturierung und Darstellung von Informationen des Projektes "Hebräische Typographie" zurückgegriffen werden. Neben der bibliographischen- und der Sacherschließung ist die Tiefenerschließung besonders wichtig, bei der es u. a. um das Erkennen von Zusammenhängen, von Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen geht.

    Große Schwierigkeiten gibt es schon beim Übersetzen von Titeln, die bei hebräischen Schriften bereits eine Fülle von Informationen enthalten. Im Digitalarchiv gespeichert werden alle Informationen, die zu den Schriften und Büchern gefunden werden. Hinzu kommen weitere Informationsobjekte und Informationen die mit dem Buch der Schrift oder Bestandteilen von dieser assoziativ verknüpft sind. Große Probleme bereitet es auch noch, die Schriften OCR-fähig, also durch Texterkennungsprogramme lesbar zu machen.

    Die Softwareelemente, die von den Informatikern im Rahmen des Forschungsprojektes "Porta Hebraicorum" entwickelt werden, sind allgemein für die Sicherung von Expertenwissen interessant. Hierbei geht es um das so genannte stille Wissen, das in keinem Buch steht, das durch assoziative Verknüpfungen von Wissen entsteht.

    Weitere Informationen und Fotos können über die
    Internetseiten der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    (www.presse.fh-koeln.de) und des Forschungsprojekts unter
    http://fsygs15.inf.fh-koeln.de/hebraica/
    abgerufen werden.

    Weitere Informationen
    Fachhochschule Köln
    Prof. Dr. Heiner Klocke,
    E-Mail: heinrich.klocke@fh-koeln.de
    Tel.: +49 2261/8196 - 6294

    LMU München
    Dr. Ittai Tamari
    E-Mail: ijtamari@lrz.uni-muenchen.de
    Tel.: +49 89/2180 - 5467

    Die Fachhochschule Köln ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. 16.500 Studierende werden von rund 400 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Die zehn Fakultäten bieten mehr als 60 Studiengänge an - jeweils etwa die Hälfte aus den Ingenieurwissenschaften bzw. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: von Architektur über Maschinenbau, Design, Restaurierung, Informationswissenschaft, Sprachen und Soziale Arbeit bis hin zu Wirtschaftsrecht und Medieninformatik. Die Fachhochschule Köln ist eine nach den europäischen Öko-Management-Richtlinien EMAS und dem Internationalen Standard ISO 14001 geprüfte und zertifizierte umweltorientierte Einrichtung.

    Kontakt für die Medien
    Fachhochschule Köln
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Petra Schmidt-Bentum
    Tel.: +49 221/8275-3119; E-Mail petra.schmidt-bentum@fh-koeln.de

    Manfred Stern
    Tel.: +49 2261/8196-6209; E-Mail: mastern@gm.fh-koeln.de

    www.fh-koeln.de


    More information:

    http://fsygs15.inf.fh-koeln.de/hebraica/


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    Wie man ein Buch zum Sprechen bringt, demonstrierte Dr. Tamari am Beispiel des 500 Jahre alten Buches "Portae Lucis", das eigens für diese Präsentation von München nach Köln gebracht worden war.
    Wie man ein Buch zum Sprechen bringt, demonstrierte Dr. Tamari am Beispiel des 500 Jahre alten Buche ...
    Source: Foto: Manfred Stern

    v.l.: Dr. Ittai Tamari (LMU München), Dr. Wolfgang-Valentin Ikas (BSB, München), Prof. Dr. Heiner Klocke (Institut für Informatik der Fachhochschule Köln, Dipl.-Inf. Alex Maier, Institut für Informatik der FH Köln
    v.l.: Dr. Ittai Tamari (LMU München), Dr. Wolfgang-Valentin Ikas (BSB, München), Prof. Dr. Heiner Kl ...
    Source: Foto: Manfred Stern


    Criteria of this press release:
    History / archaeology, Information technology, Language / literature, Media and communication sciences, Philosophy / ethics, Religion
    transregional, national
    Transfer of Science or Research
    German


     

    Wie man ein Buch zum Sprechen bringt, demonstrierte Dr. Tamari am Beispiel des 500 Jahre alten Buches "Portae Lucis", das eigens für diese Präsentation von München nach Köln gebracht worden war.


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    v.l.: Dr. Ittai Tamari (LMU München), Dr. Wolfgang-Valentin Ikas (BSB, München), Prof. Dr. Heiner Klocke (Institut für Informatik der Fachhochschule Köln, Dipl.-Inf. Alex Maier, Institut für Informatik der FH Köln


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