1908 beschloss das Großherzogtum Hessen die Zulassung von Frauen zum Studium
Gemeinsame Medieninformation der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Universität Darmstadt
Darmstadt, 29.5.2008. 1908 ist für die Frauenemanzipation in Hessen ein wichtiges Datum: Vor genau 100 Jahren, am 29. Mai 1908, beschloss das Großherzogtum Hessen-Darmstadt, erstmals regulär Frauen zum Studium zuzulassen. Die ersten 24 Studentinnen nahmen ihr Studium zum Wintersemester 1908 an den beiden damaligen wissenschaftlichen Hochschulen des Landes in Gießen und Darmstadt auf. Marburg und seine Universität gehörten zu Preußen, die Universitäten Frankfurt und Kassel waren noch nicht gegründet.
Für die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Technische Universität Darmstadt ist das bedeutsame Jubiläum Anlass für eine Reihe von Veranstaltungen. In Gießen wird der Erlass mit einem Festakt gefeiert. Der Präsident und die Frauenbeauftragte der Universität laden dazu herzlich am Donnerstag, 29. Mai 2008, 18 Uhr in die Aula der Justus-Liebig-Universität, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen ein.
Die Technische Universität Darmstadt feiert das Jubiläum mit einer Ausstellung und einer Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Lesungen und Diskussionen im kommenden Wintersemester. Die Auftaktveranstaltung hierzu wird am 8. Oktober 2008 um 18 Uhr im Darmstadtium stattfinden. Auch die Universität Gießen plant zum Wintersemester weitere Veranstaltungen.
Frauen waren zuvor an hessischen Hochschulen nur als Hörerinnen erlaubt und konnten höchstens mit einer Ausnahmegenehmigung durch das Ministerium des Inneren zur Prüfung zugelassen werden. Mit einem weiteren Erlass vom 29. August 1908 wurde schließlich die Zulassung von Frauen zu gleichen Bedingungen wie Männern per Erlass geregelt.
Im Wintersemester 1908/09 immatrikulierten sich in Gießen als erste ordentliche Studentinnen 23 Frauen, die alle aus Russland stammten. In Darmstadt schrieb sich 1908 zunächst nur eine Studentin ein. In den folgenden Jahren kamen zwar auch verstärkt Studentinnen aus Osteuropa nach Darmstadt, doch auch einige Hessinnen entschieden sich für ein Ingenieur- oder Naturwissenschaftsstudium, und ab 1925 auch für ein Lehramtsstudium an der TH Darmstadt.
An beiden Hochschulen stieg der Frauenanteil allerdings erst mit der Erweiterung des Fächerkanons in den 1960er und 70er Jahren. Heute sind 4.900 von 16.600 Studierenden an der TU Darmstadt Frauen, also stehen jeder Studentin etwa zwei Studenten gegenüber. In Gießen ist das Geschlechterverhältnis gerade umgekehrt, zwei Studentinnen steht ein Student gegenüber (14.077 Frauen, 7.658 Männer)
Unter den Professorinnen sind in Gießen jedoch nur 16 Prozent Frauen zu finden. Hier muss noch viel zur Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses getan werden. "Die Zulassung der Frauen zum Universitätsstudium war ein ganz wichtiges Ereignis, das wir in diesem Jahr zum Anlass nehmen werden, um uns konkret mit der Lage der Frauen an der JLU auseinanderzusetzen", meint der Präsident der Justus-Liebig-Universität Gießen, Prof. Dr. Stefan Hormuth.
"Das Frauenstudium, das uns heute als Selbstverständlichkeit erscheint, bedeutete zur damaligen Zeit einen Meilenstein im Demokratisierungsprozess der deutschen Universitäten", unterstreicht Professor Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der Technischen Universität Darmstadt. Er betont: "Die Gleichberechtigung der Frauen ist auch heute noch eine wichtige Aufgabe an der Universität, der wir uns stellen."
Kontakte:
Marion Oberschelp, Frauenbeauftragte der Justus-Liebig-Universität
Ludwigstraße 23, 35390 Gießen
Tel. 0641/99-12050, Fax 0641/99-12059
Marion.Oberschelp@admin.uni-giessen.de
Dr. Uta Zybell, Frauenbeauftragte der Technischen Universität Darmstadt
Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt
Tel.: 06151/16-6102, Fax: 06151/16-3328
frauenbeauftragte@pvw.tu-darmstadt.de
map/he
http://www.uni-giessen.de/cms/organisation/frb/100-jahre-frauenstudium - 100 Jahre Frauenstudium an der Universität Gießen
Criteria of this press release:
interdisciplinary
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Organisational matters
German

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