Auszeichnung für Forschungskooperation des internationalen
Automobilzulieferers Continental und des Instituts für Angewandte Forschung
(IAF) der Fachhochschule Ingolstadt
Frankfurt am Main / München, den 02. Juni 2008. Die Entwicklung eines so
genannten Körperschall-Airbags wird in diesem Jahr mit dem Bayerischen
Innovationspreis ausgezeichnet.
Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein überreichte heute den mit 50.000
Euro dotierten Preis in der Staatskanzlei an Prof. Thomas Brandmeier
(Fachhochschule Ingolstadt) und Dipl.- Ing. Michael Feser (Continental).
Seit mehreren Jahren arbeitet ein engagiertes Team unter der Leitung von
Brandmeier und Feser an der Entwicklung eines neuen Airbagsystems zur
Unfallerkennung mit dem Namen Crash Impact Sound Sensing (CISS).
Kleiner Sensor, große Wirkung: Das Continental Airbagsystem kann mehr als
nur den Aufprall fühlen wie bisher, wir haben ihm zusätzlich ein Gehör
gegeben.
CISS erkennt Unfall und Unfallschwere am beim Aufprall entstehenden
charakteristischen Körperschall und unterscheidet damit Crashsituationen
noch schneller und zuverlässiger. Dadurch kann bei schweren Unfällen eine
schnellere Zündung der Rückhaltesysteme erfolgen, so dass die
Fahrzeuginsassen größtmöglichen und zuverlässigen Schutz bei geringst
möglicher Belastung erfahren.
"Die Gefahr kommen hören: Wie im Western der Indianer, der sein Ohr an die
Schienen legt und den Zug kommen hört, hören wir die Gefahr beim Crash", so
Prof. Brandmeier.
Bei einem schweren Unfall muss das Airbag-Sicherheitssystem in
Sekundenbruchteilen entscheiden, was zu passieren hat: Beim Frontcrash
stehen dabei zwischen 10 und 40 Millisekunden zur Verfügung. Ist der
Aufprall so stark, dass die Airbags überhaupt ausgelöst werden müssen - oder
sind die Airbags gar nicht nötig und reichen die anderen Elemente der
passiven Sicherheit wie Knautschzone und Sicherheitsgurt? Zur Erkennung
werden Sensoren eingesetzt, die die Verzögerung des Fahrzeugs messen. Die
dabei gewonnenen Daten werden im zentralen Airbagsteuergerät (ACU, Airbag
Control Unit) ausgewertet. Ziel muss es sein, die Sensoren so feinfühlig zu
machen, dass die Schwere der Deformation des Fahrzeugs als weitere wichtige
Kenngröße der Unfallsituation erfasst wird. Genau das ist mit CISS möglich.
Der bei der Verformung der Fahrzeugfront entstehende Körperschall, wird über
die "Gleise" der Karosserie - die Längsträger - zum zentralen Steuergerät
übertragen. Das neue System kann damit sowohl "fühlen" als auch die Gefahr
kommen "hören".
Eine aufwändige Signalauswertung, die mit Hilfe speziell entwickelter
Algorithmen das Unfallgeschehen analysiert und bewertet, trifft letztendlich
die Entscheidung, ob und mit welcher Kraft die Airbags ausgelöst werden. Ein
weiterer Pluspunkt: Die CISS-Technik lässt sich in das Airbagsteuergerät
integrieren - ein Kostenvorteil bei deutlich verbesserter
Leistungsfähigkeit. Zusätzliche Sensoren im Außenbereich des Fahrzeugs,
beispielsweise im Frontbereich, können im Gegensatz zu heutigen Systemen bei
vielen Fahrzeugen entfallen.
"Eine besondere technische Herausforderung war dabei die Integration des
gesamten Systems in einen einzigen Hochleistungssensor", resümiert Feser.
Dadurch könne man in vielen Fahrzeugen die Systemkosten senken. Diese
Technologie aus Bayern stellt so einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil
gerade für den Automobilstandort Deutschland dar.
Das Projekt CISS wurde aus einer einfachen Idee geboren, das zunächst ganz
bescheiden als Vorfelduntersuchung mit einem Team bestehend aus Mitarbeitern
von Continental und Doktoranden aus dem IAF der FH Ingolstadt startete. Im
Jahre 2005 wurde das Thema dann durch die AUDI AG und später auch durch die
Volkswagen AG unterstützt. Im November 2007 stellte das Team sein Projekt
auf der Wissenschaftsshow des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) in Berlin vor, welches das Projekt fördert. Die Serienentwicklung von
CISS wird 2008 abgeschlossen.
Der Bayerische Innovationspreis wurde im Rahmen der Offensive Zukunft Bayern
geschaffen und wird im Jahr 2008 zum siebten Mal verliehen. Ausgezeichnet
werden herausragende innovative und praxisorientierte Erfindungen und
Entwicklungen, die neue Impulse für die bayerische Wirtschaft gesetzt haben.
Nach den Worten von Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein ist der
Bayerische Innovationspreis eine Auszeichnung und ein Symbol für die
vielfältigen innovativen und kreativen Leistungen, die Bayern für eine gute
Zukunft braucht.
Mit 50.000 Euro gilt der Bayerische Innovationspreis nach dem
Innovationspreis des Bundespräsidenten als der in Deutschland höchst
dotierte dieser Art.
Weitere Informationen unter
http://www.continental-corporation.com
http://www.fh-ingolstadt.de/iaf/fahrzeugmechatronik
Continental
Der Continental-Konzern gehört mit einem anvisierten Umsatz von mehr als
26,4 Mrd Euro im Jahr 2008 weltweit zu den führenden Automobilzulieferern.
Als Anbieter von Bremssystemen, Systemen und Komponenten für Antrieb und
Fahrwerk, Instrumentierung, Infotainment-Lösungen, Fahrzeug¬elektronik,
Reifen und technischen Elastomerprodukten trägt das Unternehmen zu mehr
Fahrsicher¬heit und zum Klimaschutz bei. Continental ist darüber hinaus ein
kompetenter Partner in der vernetz¬ten, automobilen Kommunikation. Das
Unternehmen beschäftigt derzeit rund 150.000 Mitarbeiter an nahezu 200
Standorten in 36 Ländern.
Die Division Chassis & Safety der Continental AG integriert als weltweit
führender Technologie- und Systempartner der Automobilindustrie umfassendes
Know-how und höchste Qualität in den Bereichen aktive und passive
Fahrsicherheit, Sicherheits- und Fahrwerksensorik und Fahrwerkkomponenten.
Die Division erzielt mit mehr als 27.500 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr
als 5 Mrd. Euro (Basis 2007). Chassis & Safety entwickelt und produziert
elektronische und hydraulische Brems- und Fahrwerkregelsysteme, Sensoren,
Fahrer-Assistenzsysteme, Airbagsysteme, Insassenklassifizierungssysteme,
Scheibenreinigungssysteme sowie elektronische Luftfedersysteme.
Fachhochschule Ingolstadt
Die Fachhochschule Ingolstadt wurde 1994 gegründet. Rund 2.300 Studierende
sind in den praxisorientierten und international ausgerichteten
Studiengängen eingeschrieben. Ob im Ingenieurwesen, den
Wirtschaftswissenschaften oder der Informatik; neben der reinen Lehre
engagiert sich die Hochschule auch mit großem Erfolg im Technologie- und
Wissenstransfer. Um diese Aktivitäten zu bündeln, wurde 2004 das Institut
für Angewandte Forschung (IAF) als In-Institut der Hochschule gegründet. Mit
rund 32 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 30 Projekten wird derzeit ein
jährliches Gesamtvolumen von knapp zwei Millionen Euro umgesetzt, davon
stammen rund drei Viertel aus Forschungsaufträgen aus der Industrie, der
Rest aus öffentlicher Forschungsförderung. Das Kompetenzfeld
"Fahrzeugmechatronik" mit seinem Forschungsschwerpunkt "Fahrzeugsicherheit"
hat heute elf wissenschaftliche Mitarbeiter bei einem Jahresumsatz von rund
einer halben Million Euro. Alle wissenschaftlichen Mitarbeiter befinden sich
in kooperativen Promotionsverfahren mit den Universitäten in Magdeburg,
Halle, Eichstätt-Ingolstadt, Southampton, Edinburgh und Leicester.
Für Rückfragen und weitere Informationen
Nicole Geissler
Externe Kommunikation
Continental
Division Chassis & Safety
Guerickestraße 7
60488 Frankfurt am Main
Tel. 0 69 7603-8492
Fax: 0 69 7603-3945
E-Mail: nicole.geissler@contiautomotive.com
Mediadatenbanken im Internet: www.continental-corporation.com
Sibille Rosinski
Pressestelle
Hochschule für angewandte Wissenschaften FH Ingolstadt
Esplanade 10
85049 Ingolstadt
Tel. 0841 9348-219
Fax: 0841 9348-200
E-Mail: sibille.rosinski@fh-ingolstadt.de
Internet: www.fh-ingolstadt.de
http://www.continental-corporation.com
http://www.fh-ingolstadt.de/iaf/fahrzeugmechatronik
Criteria of this press release:
Materials sciences, Mechanical engineering, Traffic / transport
transregional, national
Research projects, Transfer of Science or Research
German

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