idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
10/13/2008 12:48

Der Mensch denkt - wer lenkt? Hirnforschung im Gespräch - Hamburger Akademievorlesungen 2008/2009

Dr. Annette Wiesheu Öffentlichkeitsarbeit
Akademie der Wissenschaften in Hamburg

    Die Vorlesungsreihe der Akademie der Wissenschaften in Hamburg im kommenden Wintersemester ist den Neurowissenschaften gewidmet. Unter der Überschrift "Der Mensch denkt - wer lenkt? Hirnforschung im Gespräch" werden an fünf Abenden die Erkenntnisse und Erklärungsansprüche der Hirnforschung kritisch hinterfragt. Zum Auftakt der Reihe spricht am Montag, 20. Oktober 2008 der Zürcher Philosophie-Professor Lutz Wingert "Über die Wirksamkeit des menschlichen Geistes in der Welt" (19.00 Uhr, Baseler Hof Säle, Esplanade 15, Hamburg). Weitere Informationen auf http://www.awhamburg.de

    Bewusste Wahrnehmungen, Gedanken, Vorstellungen oder Erinnerungen empfinden wir als immateriell, doch laut den Erkenntnissen der Hirnforschung sind diese geistigen Zustände aufs engste mit Prozessen im Gehirn verbunden: Nicht unser Ich denkt und entscheidet, sondern unsere Gedanken und Entscheidungen sind - so namhafte Hirnforscher - rein neurophysiologische Prozesse. Diese "Biologisierung des Geistigen" hat weitreichende Konsequenzen für unser Menschenbild und verweist nicht zuletzt die Existenz eines freien Willens in das Reich der Illusionen.

    In den vergangenen Jahren wurden die Erkenntnisse der Neurowissenschaften kontrovers diskutiert - sowohl in den (Geistes-)Wissenschaften als auch in der breiteren Öffentlichkeit. Die Akademievorlesungen 2008/2009 greifen diese Debatte auf und laden zu einer interdisziplinären Auseinandersetzung ein: Aus philosophischer, psychologischer, historischer und rechtswissenschaftlicher Perspektive werden Methoden, Schlussfolgerungen und Forderungen der Hirnforschung einer Überprüfung unterzogen.

    Die erste Vorlesung trägt den Titel "Über die Wirksamkeit des menschlichen Geistes in der Welt. "Der Streit über die Erklärungsleistung der Hirnforschung", so der Referent, Prof. Wingert, "dreht sich auch darum, was eigentlich wirklich ist. Wirklich ist, was mitunter Wirkungen hat. Deshalb hat die Kontroverse um die Hirnforschung auch mit der Frage danach zu tun, wie der menschliche Geist in der Welt wirksam ist."

    Weitere Referenten sind der Philosophie-Professor und Leibniz-Preisträger Prof. Martin Carrier, Universität Bielefeld, der in seinem Vortrag die Debatte über "Freiheit und Neurodeterminismus" thematisieren wird. Der Freiburger Psychiater und Neurowissenschaftler Prof. Ludger Tebartz van Elst setzt sich kritisch mit Begrifflichkeit und Methoden seiner Fachkollegen auseinander. Die Bilder des Gehirns als kulturelle Erzeugnisse analysiert der Zürcher Wissenschaftshistoriker Prof. Michael Hagner. Axel Boetticher, langjähriger Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe, spricht aus der Sicht des Strafrechtlers über die Forderungen einiger Hirnforscher, als Konsequenz ihrer Erkenntnisse das Strafrecht abzuschaffen.

    Alle Interessierten sind zu den Veranstaltungen herzlich eingeladen.

    Eintritt frei. Anmeldung erbeten unter veranstaltungen@awhamburg.de

    Die Veranstaltungen finden in den Baseler Hof Sälen, Esplanade 15, 20354 Hamburg statt. Beginn 19.00 Uhr.

    Die Termine

    Montag, 20. Oktober 2008, 19.00 Uhr
    Prof. Dr. Lutz Wingert, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
    Über die Wirksamkeit des menschlichen Geistes in der Welt

    Donnerstag, 13. November 2008, 19.00 Uhr
    Professor Dr. Martin Carrier, Universität Bielefeld
    Sind wir noch Herr im eigenen Haus? Bewusstsein, Wille, Neurowissenschaft

    Donnerstag, 11. Dezember 2008, 19.00 Uhr
    Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst, Universität Freiburg
    Freiheit im neuronalen Netz

    Donnerstag, 15. Januar 2009, 19.00 Uhr
    Prof. Dr. Michael Hagner, Eidgenössische Technische Hochschule Zürich
    Was man im Gehirn sieht und sehen möchte

    Donnerstag, 5. Februar 2009, 19.00 Uhr
    Dr. Axel Boetticher, Bundesgerichtshof Karlsruhe
    Die Neurowissenschaften, ihre neuen Thesen zur Willensfreiheit und ihr Einfluss auf das Strafrecht

    Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg [gegründet 2004] gehören herausragende Wissenschaftler innen und Wissenschaftler aller Disziplinen aus dem norddeutschen Raum an. Als Arbeitsakademie will sie dazu beitragen, die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen zu intensivieren. Sie fördert Forschungen zu gesellschaftlich bedeutenden Zukunftsfragen und wissenschaftlichen Grundlagenproblemen und macht es sich zur besonderen Aufgabe, den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anzuregen.


    More information:

    http://www.awhamburg.de


    Images

    Criteria of this press release:
    Medicine, Philosophy / ethics, Social studies
    regional
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).