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10/14/2008 09:16

Intelligentes Implantat ersetzt Lesebrille

Dr. Elisabeth Zuber-Knost Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

    KIT-Wissenschaftler entwickeln anpassungsfähige Linse für Nah- und Fernsehen

    Rund 1,3 Milliarden Menschen weltweit leiden unter Altersweitsichtigkeit.
    Ab dem vierzigsten Lebensjahr verschlechtert sich
    das Nahsehen, weil das Auge Objekte in nächster Nähe nicht
    mehr scharf abbilden kann. Verantwortlich hierfür ist die nachlassende
    Elastizität der Augenlinse. Wissenschaftler am Karlsruher
    Institut für Technologie (KIT) entwickeln zurzeit ein intelligentes
    Implantat, das diese Ermüdungserscheinung ausgleichen
    soll.

    Wenn eine Armeslänge nicht mehr ausreicht, um die Zeitung zu
    lesen, hilft normalerweise eine Lesebrille dem nachlassenden Sehvermögen
    auf die Sprünge. Diese Ersatzleistung wollen Wissenschaftler
    des Instituts für Angewandte Informatik (IAI) nun in das
    Auge hinein verlagern und mit einem intelligenten System die kontinuierliche
    Brechungsleistung der Linse ersetzen. Die Vision der
    Wissenschaftler: Eine Optik mit intelligenten Materialien, die sich an
    die unterschiedlichen Bedingungen des Nah- und Fernsehens anpasst.
    "Innerhalb von fünf Jahren wollen wir einen Prototyp entwickeln und die Grundlagen
    für ein Implantat schaffen", kündigt Professor Georg Bretthauer vom IAI an.

    Das menschliche Auge ist ein optisches System. Es lenkt einfallendes
    Licht auf dem Weg von der Hornhaut bis zur Netzhaut auf der
    Rückseite des Auges so ab, dass auf der Netzhaut ein scharfes
    Abbild des anvisierten Objektes entsteht. Um sich auf unterschiedlich
    entfernte Objekte einzustellen, muss das Auge sein Brechungsverhalten
    anpassen. Dazu verändert der Ziliarmuskel die Form und
    Lage der Augenlinse. Beim Blick in die Ferne hat die Linse eine
    flachere Form und dadurch eine niedrigere Brechkraft. Je näher das
    Objekt rückt, desto mehr nimmt die Linse eine kugeligere Gestalt mit
    einer höheren Brechkraft an. Diese so genannte Akkommodation,
    das heißt die Anpassung an verschiedene Sehweiten, lässt mit den
    Jahren nach und verschwindet im Alter im Fall der Altersweitsichtigkeit
    fast völlig, da die Linse ihre Elastizität verliert.
    Das künstliche Akkommodationssystem der KIT-Wissenschaftler soll
    die nachlassende Sehleistung kompensieren. Es benötigt dazu
    mehrere Komponenten: ein aktiv-optisches Element mit Aktorik,
    einen Sensor zur Erfassung des Akkommodationsbedarfs sowie
    eine Steuerung und Energieversorgung. Zurzeit entwickeln die KITWissenschaftler
    die Grundlagen für das Aktorsystem, das Energieversorgungssystem
    und für die Systemintegration. Für die anderen
    Komponenten liegen bereits wesentliche Ergebnisse vor, die ein
    Demonstrator veranschaulicht, der das menschliche Auge im Maßstab
    5:1 abbildet (siehe Bild).

    Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit der Universitäts-
    Augenklinik in Rostock durchgeführt. Beteiligt sind außerdem ab
    2009 als Industriepartner die Firmen Carl Zeiss Meditec AG und
    Wittenstein AG, die gemeinsam mit dem KIT und der Universität
    Rostock in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
    geförderten Verbundprojekt einen entsprechenden Prototyp
    entwickeln werden.
    Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das
    Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft
    und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung
    international herausragender Forschung und Lehre in
    den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut.

    Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget
    von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck
    Forschung - Lehre - Innovation.
    Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches
    Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften
    eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der
    Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler
    aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner
    für die Wirtschaft.
    Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

    Das Foto kann in druckfähiger Qualität angefordert werden unter:
    presse@verwaltung.uni-karlsruhe.de oder +49 721 608-7414.

    Weiterer Kontakt:
    Inge Arnold
    Forschungszentrum Karlsruhe
    Stabsabteilung Presse,
    Kommunikation und Marketing
    Postfach 3640, 76021 Karlsruhe
    Tel.: +49 7247 82-2861
    Fax: +49 7247 82-5080
    E-Mail: info@pkm.fzk.de


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    Intelligente Lesehilfe: Im Augen-Modell simuliert ein Implantat die Brechkraft-Änderung
    Intelligente Lesehilfe: Im Augen-Modell simuliert ein Implantat die Brechkraft-Änderung
    Source: Foto: Forschungszentrum Karlsruhe


    Criteria of this press release:
    Biology, Information technology
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Intelligente Lesehilfe: Im Augen-Modell simuliert ein Implantat die Brechkraft-Änderung


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