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10/24/2008 10:51

Unter Wasser für Forschung und Wissenschaft

Claudia Leitenstorfer Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Konstanz

    Forschungstaucher wird keiner von heute auf morgen - für diese Spezialistentätigkeit braucht es eine fundierte Ausbildung, und die gibt es beispielsweise an der Universität Konstanz. "Im Gespräch" hat Dr. Martin Mörtl vom Limnologischen Institut zur Forschungstaucher-Ausbildung befragt.

    Herr Mörtl, Sie sind selbst passionierter Forschungstaucher. Warum?

    Ich musste damals die Forschungstaucher-Ausbildung machen, um eine Doktorandenstelle an der Uni antreten zu können. Nach der Ausbildung war es für mich total spannend, die Unterwasserwelt zu erleben. Mir boten sich dadurch völlig neu Einblicke - auch in Lebensräume, die ich schon seit meiner Schulzeit kenne, wie beispielsweise Perlmuschelbäche meiner Heimat.

    Eine Erkenntnis, die Sie gerne weitergeben möchten?

    Ja, unbedingt. Wir bilden beispielsweise Biologen aus, die aus beruflichen Gründen unter Wasser arbeiten müssen - die Berufsgenossenschaft schreibt eine derartige Ausbildung vor. Wenn die Wissenschaftler ihre Forschungsobjekte vor Ort, also unter Wasser sehen, bekommen sie oft völlig neue Ideen. Zudem bilden wir Ingenieure und Journalisten aus - der NDR beispielsweise hat eine eigene Forschungstaucher-Gruppe mit Kameraleuten.

    Welche Voraussetzungen muss jemand erfüllen, der gerne wie Sie Forschungstaucher werden möchte?

    Für die Ausbildung in Konstanz muss er Sporttaucherfahrung nachweisen, also ein Silberbrevet und mindestens 30 Tauchstunden, Weiterhin werden das Deutsche Rettungsschwimmerabzeichen, eine aktuelle Bescheinigung über Erste Hilfe / Herz-Lungen-Wiederbelebung und eine gültige taucherärztliche Untersuchung verlangt.

    Und dann geht's gleich unter Wasser?

    Nein. Einige Monate bevor die vierwöchige Ausbildung beginnt, machen wir einen Eingangscheck. Dabei wird die Kondition im Hallenbad geprüft. Jemand, der sich ausbilden lassen möchte, muss beispielsweise bis zu 40 Meter Apnoe zurücklegen und eine Minute im tiefen Becken aushalten. Hat der Interessent diese Prüfung bestanden, wird die Theorie geprüft. Dabei geht es um Grundlagen der Tauchphysik und Tauchmedizin. Hat er auch diese Prüfung und einen Prüfungstauchgang erfolgreich absolviert, wird er zur Endausbildung zugelassen. Meistens ist im Frühjahr der Eingangscheck, die eigentliche Ausbildung in Kooperation mit Taucharchäologen der Firma Teraqua beginnt im Herbst. Die Prüfung selbst wird von der Berufsgenossenschaft abgenommen.

    Können Sie Beispiele nennen, was Sie den Leuten beibringen?

    Sie werden mit Suchstrategien vertraut gemacht, sprich, wie sie ein Objekt finden und markieren. Vermessen unter Wasser ist ein weiteres Thema oder das Errichten von Messrastern. Verschiedene Probeentnahmetechniken und -methoden, archäologische Arbeitstechniken, Foto- und Videodokumentation, Zeichnen und Transportieren von Gegenständen unter Wasser, beispielsweise von Käfigen oder Wrackteilen, sind weitere Themen. Für die meisten Sporttaucher allerdings ist es eine besondere Umstellung, dass sie als Forschungstaucher alleine unter Wasser arbeiten.

    Werden die Wissenschaftler für die Arbeit in gewissen Gewässern ausgebildet?

    Nein. Unsere Ausbildung am Bodensee ist universell, und es spielt keine Rolle, ob jemand im Sommer oder im Winter tauchen geht. Wir bilden mit Vollmasken und im Trockentauchanzug aus, der schließt dicht ab. Drunter trägt man spezielle Unterzieher oder Angora-Unterwäsche; so bleibt man warm und kann auch im Winter drei bis vier Stunden unter Wasser arbeiten.

    Die Ausbildung, die Sie anbieten, ist verkürzt. Warum?

    Wir sind der erste Betrieb, der eine verkürzte Ausbildung anbietet, und zielen vor allem auf versierte Sporttaucher. Uns geht es darum, den Leuten keine Tauchgrundlagen beizubringen, sondern das sichere, wissenschaftliche Tauchen. Weil bei anderen Ausbildungsbetrieben auch Anfängern Tauchgrundlagen gelehrt werden, dauert dort die Ausbildung acht Wochen.

    Die Taucher der Wasserschutzpolizei gehen bis zu 30 Meter in die Tiefe. Wie tief tauchen Forschungstaucher?

    Wir tauchen ebenfalls bis zu einer Wassertiefe von 30 Metern - mit normalem Equipment. Bis zu 50 Meter wäre möglich, allerdings müsste die Luftversorgung dann über einen Schlauch von der Oberfläche geregelt sein.

    Ist die Ausbildung sehr begehrt?

    Im Vergleich zu den Ausbildungsbetrieben an der Küste ist die Nachfrage hier im Süden leider geringer. Für die Ausbildung in diesem Jahr hatte ich bereits nach Ende der Ausbildung 2007 die ersten Anfragen. Im Lauf der Zeit hatte ich dann 20 Interessenten. Damit die Ausbildung kostendeckend ist, brauchen wir zehn Teilnehmer. Mit acht wäre die Ausbildung noch halbwegs machbar, aber wir kämen finanziell schon an unsere Schmerzgrenze. Weil die Ausbildung sehr zeitaufwändig ist - mit einer Doktorarbeit läuft da nebenher nichts - haben jetzt doch so viele absagen müssen, dass nur noch sechs geblieben sind. Für uns bedeutet das: In diesem Jahr gibt es keine Ausbildung. Ich strebe jetzt einen Termin nach Ostern 2009 an.

    Was kostet die Ausbildung?

    Wir haben gestaffelte Preise. Studenten und Mitarbeiter der Universität Konstanz bezahlen 1200 Euro, auf Einzelantrag gibt es unter Umständen finanzielle Unterstützung der Uni. Für Freiberufler und Arbeitslose kostet die Ausbildung 1600 Euro, für Leute, die von Betrieben entsandt werden, 2000 Euro.

    Wie viele Forschungstaucher haben Sie schon ausgebildet und wo sind diese tätig?

    In den letzten Jahren war ich an drei Ausbildungen beteiligt und habe eine selbst durchgeführt. Dabei wurden über 30 Personen zum Forschungstaucher ausgebildet. Neben Mitgliedern der Uni Konstanz waren darunter Mitarbeiter des NDR und des ZDF und Wissenschaftler aus ganz Deutschland. Einzelne sind inzwischen beispielsweise in Indonesien tätig oder waren vor Spitzbergen tauchen.

    Welche Vorteile bringt eine Forschungstaucherausbildung?

    Mit der Forschungstaucherausbildung wird eine hohe wissenschaftliche Qualität unter Beibehaltung hoher Sicherheitsstandards gewährleistet. Wir sehen uns dabei nicht als Dienstleister, die beauftragt werden, um Proben zu nehmen, sondern ich möchte erreichen, dass die Wissenschaftler selbst ihre Forschungsobjekte betrachten und untersuchen können. Beispielsweise untersucht eine Mikrobiologin Methanaustritte im Bodensee in der Nähe der Alpenrheinmündung. Sie hat sich vor Ort selbst ein Bild davon gemacht wie die Methanblasen aus dem Sediment sprudeln und konnte dann Probenahmegeräte entwickeln. So soll es sein.

    http://www.uni-konstanz.de/sfb454/


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    Dr. Martin Mörtl
    Dr. Martin Mörtl
    Source: Bild: Universität Konstanz / Pressestelle


    Criteria of this press release:
    Biology, Environment / ecology, History / archaeology, Oceanology / climate
    transregional, national
    Advanced scientific education
    German


     

    Dr. Martin Mörtl


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