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10/27/2008 10:34

Frauenbewegungen haben sich im Plural entwickelt: RUB-Soziologin gibt Quellensammlung der letzten 40 Jahre heraus

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

    Vom festgefrorenen Bild zur dynamischen und kritischen Sicht

    40 Jahre ist es her, dass die "Neuen Frauenbewegungen" aufkamen, aber ihre Geschichte ist noch nicht geschrieben, ihre Vielgestaltigkeit und ihre Erfolge sind der Öffentlichkeit nicht bewusst. Das heutige Bild scheint in den 1970er Jahre festgefroren zu sein, stellt Prof. Dr. Ilse Lenz (Soziologin an der RUB) fest. Sie hat jetzt eine einzigartige Quellensammlung vorgelegt, die der Entstehung und Entwicklung der Frauenbewegungen seit 1968 bis ca. 2000 nachspürt und das Potential zum Standardwerk hat.

    Ein Team an ihrem Lehrstuhl unter Einschluss von studentischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sich daran beteiligt. Die Originaltexte sollen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Neuen Frauenbewegungen beitragen.

    Bewusst ohne Wertung

    Frauenbewegungen haben sich immer im Plural entwickelt, so die Grundthese von Prof. Lenz. Jede Gruppe engagierte sich in ihrem eigenen sozialen Umfeld, in unterschiedlichen Klassen, ethnischen und kulturellen Milieus. Es entstand ein vielstimmiger Chor unterschiedlicher, auch widersprüchlicher Stimmen. Eine geradlinige Geschichte zu schreiben, ist deswegen schwierig. Lenz und ihr Team wählten einen anderen Weg: Sie trugen 262 Originalquellen zusammen, wichtige, spannende und witzige Texte aus der Zeit zwischen 1968 und etwa 2000. Nicht nur Frauen, auch Männer kommen zu Wort. Eine Wertung nehmen sie bewusst nicht vor. "Wir wollen Grundlagen für eine kritische Auseinandersetzung mit den Neuen Frauenbewegungen bereitstellen und dem Vergessen und der Abwertung entgegenwirken", schildert Prof. Lenz ihre Ziele. Das Buch eignet sich sowohl für die Hochschullehre als auch für die schulische Oberstufe und die politische Bildung.

    Der große Bogen der Veränderungen

    Der Band ist nach den Themen der Frauenbewegungen und nach ihren Entwicklungsphasen gegliedert. Diese verlaufen in vier Stufen: Der Phase der Bewusstwerdung und Artikulation (1968 bis 1975) schließt sich die Phase der Pluralisierung und Konsolidierung an (1976 bis 1980). Teilbewegungen und eine umgrenzte Öffentlichkeit in Form von Zeitschriften, Projekten und Veranstaltungen bilden sich heraus. Es folgt die Phase der Professionalisierung und Integration (1980 bis 1989). In dieser Phase wird Gleichstellung zum Berufsfeld. Frauenbewegungen werden in Kirchen, Gewerkschaften und politische Parteien integriert. Zwischen 1989 und 2000 findet eine Internationalisierung, Vereinigung und Neuorientierung statt, nicht zuletzt getragen von der deutschen Wiedervereinigung. Frauenanliegen rücken aus dem Fokus und machen Geschlechterfragen Platz. Gender Mainstreaming wird als EU-Rechtsnorm verankert. Ilse Lenz steht gerne für Interviews oder kurze Artikel zur Quellensammlung bereit.

    Titelaufnahme

    Die neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. Eine Quellensammlung. Hg. von Ilse Lenz. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008. ISBN 978-3-531-14729-1

    Weitere Informationen

    Prof. Dr. Ilse Lenz, Lehrstuhl für Soziologie / Soziale Ungleichheit und Geschlecht, Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28413, E-Mail: ilse.lenz@rub.de


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    Criteria of this press release:
    Social studies
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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