idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
11/03/2008 13:39

Nahezu reibungslos

Dr. Janine Drexler Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

    Schmierstoffe sorgen in Lagern und Getrieben dafür, dass nicht allzu viel Energie durch Reibung verloren geht. Dennoch braucht man einige Prozent der Energie, um Reibungsverluste auszugleichen. Schmiermittel aus Flüssigkristallen könnten die Reibung auf nahezu null senken.

    Passagiere geben ihre Koffer auf, die über Fließbänder automatisch weiter befördert werden, Personenförderbänder und Rolltreppen laufen stundenlang ohne Pause - an den Großflughäfen rattern tausende von Getrieben. Der Stromverbrauch ist enorm, er liegt im Bereich von mehreren Gigawattstunden pro Jahr. Ein wesentlicher Teil davon geht durch Reibung verloren. Auch bei Windenergieanlagen und im Auto werden einige Prozent der Energie gleich wieder in die Reibung gesteckt - der Wirkungsgrad sinkt dementsprechend. Abhilfe schaffen könnten neuartige Schmierstoffe, die Reibungseffekte nahezu ausschalten. Einmal angeschubst, laufen Lager, und laufen und laufen.

    Doch was unterscheidet das neue Schmiermittel von den Ölen, die bisher die Lager gefettet haben? "Bei diesem Schmierstoff handelt es sich um Flüssigkristalle, die man auch vom Flachbildschirm kennt", erklärt Dr. Andreas Kailer, Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg. "Im Gegensatz zu üblichen Flüssigkeiten sind die Moleküle in Flüssigkristallen ausgerichtet - man kann sie mit Streichhölzern vergleichen, deren Köpfe alle in die gleiche Richtung zeigen." Die Forscher am IWM untersuchen gemeinsam mit ihren Kollegen vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam und der Mainzer Firma Nematel, welche Flüssigkristalle sich unter welchen Bedingungen am besten als Schmiermittel eignen. Dazu spannen sie einen Metallzylinder in eine Prüfmaschine, die diesen mit einer bestimmten Kraft auf die Unterlage drückt und hin und her bewegt. Bei welchem Schmiermittel braucht die Maschine am wenigsten Energie, um den Metallzylinder zu bewegen?

    Während sich die Reibung bei herkömmlichem Öl kaum verändert, sinkt sie bei den Flüssigkristallen nach einiger Zeit auf nahezu null ab. Wie lange dies dauert, hängt vor allem vom Druck ab, mit dem der Zylinder bei seiner Bewegung auf die Unterlage gepresst wird. Vergleicht man dies mit einem Schlitten, entspräche dies dem Gewicht des Kindes, das auf ihm sitzt. "Für Kugellager eignen sich die Flüssigkristalle bisher nicht als Schmierstoff, hier ist der Kontaktdruck zu hoch - die Reibung sinkt hier nicht genügend ab. "Für Gleitlager hingegen sind die Flüssigkristalle optimal", sagt Kailer. Da Flüssigkristalle bislang vor allem für Bildschirme hergestellt werden, müssen sie hochrein sein - was sie sehr teuer macht. Die Forscher wollen die Herstellung nun vereinfachen, denn als Schmiermittel eignen sich auch weniger reine Stoffe. "Wir hoffen, in drei bis fünf Jahren einen Schmierstoff aus Flüssigkristallen auf den Markt bringen zu können", sagt Kailer.


    More information:

    http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/11/Mediendienst112008Th... Ansprechpartner


    Images

    Eine der Prüfmaschinen, mit der die Forscher Flüssigkristalle als Schmiermittel untersuchen: Bei welchem Schmiermittel braucht die Maschine am wenigsten Energie?
    Eine der Prüfmaschinen, mit der die Forscher Flüssigkristalle als Schmiermittel untersuchen: Bei wel ...
    Source: © Fraunhofer IWM


    Criteria of this press release:
    Energy, Environment / ecology, Materials sciences, Mechanical engineering, Traffic / transport
    transregional, national
    Research results, Transfer of Science or Research
    German


     

    Eine der Prüfmaschinen, mit der die Forscher Flüssigkristalle als Schmiermittel untersuchen: Bei welchem Schmiermittel braucht die Maschine am wenigsten Energie?


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).