Anfang November befindet sich Norddeutschland in der Regel mitten im
Herbst: Seit einiger Zeit läuft die Heizung, die Blätter fallen bunt
gefärbt von den Bäumen und bald wird der Grünkohl geerntet. Aber wie sieht
es in Zukunft aus?
Auswertungen des Norddeutschen Klimabüros am GKSS-Forschungszentrum
Geesthacht zeigen, wie sich der Herbst in Norddeutschland mit dem
künftigen Klima ändern kann:
Es kann länger warm bleiben
Verschiedenen regionalen Klimaberechnungen zufolge, ist es plausibel, dass
sich der Herbst in Norddeutschland Ende des Jahrhunderts etwa zwei bis
drei Wochen später im Jahr ankündigt als bisher. So kann zum Beispiel der
erste kühle Herbsttag, mit Temperaturen unterhalb von 5°Celsius, etwa 14
bis 24 Tage später als heute auftreten.
Die Berechnungen weisen außerdem darauf hin, dass Ende des Jahrhunderts
etwa drei zusätzliche Sommertage mit Temperaturen über 20° Celsius
zwischen September und Oktober auftreten können. Im Mittel kann der Herbst
in Norddeutschland etwa 2°- 4,5° Celsius wärmer ausfallen als bisher.
Bedingt durch diese Veränderungen würden Urlaubsziele an Nord- und
Ostseeküste auch in den Herbstferien für einen größeren Personenkreis
attraktiv werden. Andererseits könnten dann Engpässe in der
Trinkwasserversorgung und Gesundheitsgefährdungen durch Hitzestress bis in
den Herbst andauern.
"In etwa 50 Jahren kann der September in der Metropolregion Hamburg sowie
an Nord- und Ostsee im Mittel genauso warm werden wie heute der August",
so Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.
Verabschieden wird sich der Herbst aber voraussichtlich auch weiterhin
stürmisch und regnerisch: Ende des Jahrhunderts kann es im November bis zu
30% mehr regen und Windstärken können bis 6% zunehmen.
Zahlreiche Veränderungen des Ökosystems möglich
Ändern sich die Temperaturen in dieser Bandbreite, würde dies eine
Vielzahl von weiteren Veränderungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten
hervorrufen. "Die bisherige Temperaturerhöhung in Norddeutschland von
0,8°Celsius im letzten Jahrhundert hat unter anderem bewirkt, dass
Vegetationsperioden schon heute etwa 10 Tage länger andauern als noch vor
40 Jahren. Entsprechend später würde sich dann mit der künftig möglichen
Erwärmung das Blattwerk im Jahr verfärben. Auch auf den Grünkohl müssten
die Norddeutschen in Zukunft bis zu vier Wochen länger warten.
Vorausgesetzt, dass Landwirte bis zum ersten Frosttag im Herbst abwarten,
kann sich die Erntezeit von Grünkohl in Norddeutschland bis zum Ende des
Jahrhunderts um 10 bis 28 Tage nach hinten verschieben.
Europaweit ist zu beobachten, dass Zugvögel ihre Routen verändern. Einige
Zugvögelarten, wie zum Beispiel der Kranich, verlassen Norddeutschland in
milden Jahren bereits heute nicht mehr. Wärmeliebende Pflanzenarten
könnten Ihre Verbreitung Richtung Norden verlagern, während heimische
Arten sich stärker Richtung Skandinavien verbreiten", so Dr. Insa Meinke
vom Norddeutschen Klimabüro des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht. "Die
Zukunft eines Ökosystems im Detail vorherzusagen, ist aufgrund der
Komplexität jedoch noch sehr schwierig, die Auswirkungen können auf jeden
Fall massiv sein", betont Meinke.
Möglicherweise weniger Heizkosten
Verschiedenen Berechnungen zufolge kann es im Herbst Ende des Jahrhunderts
etwa 4 bis 7 Froststage weniger geben als heutzutage.
Die Berechnungen des Norddeutschen Klimabüros des Forschungszentrums
Geesthacht gehen davon aus, dass in Zukunft die Heizungen im Norden
Deutschlands erst vier Wochen später eingeschaltet würden. Geringere
Energiekosten wären die Folge, denn in der Regel beginnt man heute erst
nach einer Kälteperiode von drei aufeinander folgenden Nächten mit
Temperaturen unter 12°Celsisus, die Heizung anzuwerfen. Solche
Kälteperioden könnten sich den Berechnungen zufolge im Vergleich zu heute
bis zum Ende des Jahrhunderts um 8 bis 28 Tage verspäten.
"Auch wenn wir dem erwarteten herbstlichen Klimawandel in unserem Raum
scheinbar durchaus positive Aspekte abgewinnen können, so überwiegen
Szenarien für den Winter und Sommer, die uns vor starke Herausforderungen
stellen", so Meinke. Dies sind insbesondere die möglicherweise starke
Niederschlagsabnahme im Sommer, sowie die scheinbar beachtliche
Niederschlagszunahme im Winter und die mögliche Intensivierung der
Winterstürme. Diese Änderungen setzten Mensch und Ökosysteme unter
massiven Anpassungsdruck. "Es lohnt sich also den menschgemachten
Klimawandel differenzierter zu betrachten", fasst Meinke zusammen.
zusammen.
Wissenschaftlicher Hintergrund und Ausblick
Die Aussagen zum zukünftigen Herbst in Norddeutschland basieren auf
verschiedenen regionalen Klimarechnungen, die am Deutschen
Klimarechenzentrum Hamburg und in verschiedenen EU-Projekten unter
Beteiligung des GKSS-Instituts für Küstenforschung durchgeführt wurden.
Diesen Berechnungen liegen unterschiedliche Treibhausgaskonzentrationen
zugrunde. Deshalb haben alle Angaben Bandbreiten, innerhalb derer sich
das Klima in Norddeutschland künftig ändern kann.
Das Norddeutsche Klimabüro ist Ansprechpartner für Fragen zum Klimawandel
in Norddeutschland. Die Ergebnisse dieser Studie sind im Rahmen eines
Klima-Atlas' für Norddeutschland entstanden, der gegenwärtig im
Norddeutschen Klimabüro erarbeitet wird. Mit diesem Klima-Atlas sollen
sich Entscheidungsträger in Norddeutschland schon heute einen Einblick
darüber verschaffen können, wie sich das Klima vor Ort künftig ändern
kann. Die Veröffentlichung ist für Frühjahr 2009 geplant.
Die Gründung des Norddeutschen Klimabüros des GKSS-Forschungszentrums
Geesthacht erfolgte aus einem deutlich gewordenen Defizit in der
Kommunikation zwischen Klimaforschern und den Anwendern der
Forschungserkenntnisse. Letztgenannte sind Entscheidungsträger in
Behörden, der Politik sowie der Wirtschaft. Dazu gehören unter anderem der
Küstenschutz, Land- und Energiewirtschaft, Fischerei, Fremdenverkehr und
Gesundheit.
Nach dem erfolgreichen Start des Norddeutschen Klimabüros am
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht hat die Helmholtz-Gemeinschaft 2008, ein
deutschlandweites Netz regionaler Klimabüros aufgebaut.
Im Rahmen der Exzellenzinitiative (CliSAP) des Bundes errichtete die
Universität Hamburg den KlimaCampus Hamburg. In diesem Zusammenhang wurde
das Norddeutsche Klimabüro weiter ausgebaut. Im Rahmen der
Exzellenzinitiative wird derzeit mit tatkräftiger Hilfe der Geesthachter
Klimaforscher ein Klimabericht für die Metropolregion Hamburg erarbeitet -
erste Ergebnisse werden Ende 2009 erwartet.
Weiterführende Informationen und druckfähige Grafiken finden Sie unter:
http://www.gkss.de/public_relations/press_releases/007094/index_0007094.html.de
Ansprechpartner:
Dr. Insa Meinke
Norddeutsches Klimabüro - Institut für Küstenforschung
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht
Email: insa.meinke@gkss.de
Tel.: 04152-871868
-----------------------------------------
Dr. Torsten Fischer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
Max-Planck-Straße 1
21502 Geesthacht
Telefon: +49 (0) 41 52 / 87 - 1677
Telefax: +49 (0) 41 52 / 87 - 1640
http://www.gkss.de
http://www.gkss.de/public_relations/press_releases/007094/index_0007094.html.de
Criteria of this press release:
Biology, Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate
transregional, national
Research projects, Research results
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).