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11/10/2008 13:50

Klima wandelt Herbst in Norddeutschland: Später, wärmer, grüner

Dr. Torsten Fischer Pressestelle
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH

    Anfang November befindet sich Norddeutschland in der Regel mitten im
    Herbst: Seit einiger Zeit läuft die Heizung, die Blätter fallen bunt
    gefärbt von den Bäumen und bald wird der Grünkohl geerntet. Aber wie sieht
    es in Zukunft aus?
    Auswertungen des Norddeutschen Klimabüros am GKSS-Forschungszentrum
    Geesthacht zeigen, wie sich der Herbst in Norddeutschland mit dem
    künftigen Klima ändern kann:

    Es kann länger warm bleiben
    Verschiedenen regionalen Klimaberechnungen zufolge, ist es plausibel, dass
    sich der Herbst in Norddeutschland Ende des Jahrhunderts etwa zwei bis
    drei Wochen später im Jahr ankündigt als bisher. So kann zum Beispiel der
    erste kühle Herbsttag, mit Temperaturen unterhalb von 5°Celsius, etwa 14
    bis 24 Tage später als heute auftreten.
    Die Berechnungen weisen außerdem darauf hin, dass Ende des Jahrhunderts
    etwa drei zusätzliche Sommertage mit Temperaturen über 20° Celsius
    zwischen September und Oktober auftreten können. Im Mittel kann der Herbst
    in Norddeutschland etwa 2°- 4,5° Celsius wärmer ausfallen als bisher.
    Bedingt durch diese Veränderungen würden Urlaubsziele an Nord- und
    Ostseeküste auch in den Herbstferien für einen größeren Personenkreis
    attraktiv werden. Andererseits könnten dann Engpässe in der
    Trinkwasserversorgung und Gesundheitsgefährdungen durch Hitzestress bis in
    den Herbst andauern.
    "In etwa 50 Jahren kann der September in der Metropolregion Hamburg sowie
    an Nord- und Ostsee im Mittel genauso warm werden wie heute der August",
    so Dr. Insa Meinke, Leiterin des Norddeutschen Klimabüros am
    GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.
    Verabschieden wird sich der Herbst aber voraussichtlich auch weiterhin
    stürmisch und regnerisch: Ende des Jahrhunderts kann es im November bis zu
    30% mehr regen und Windstärken können bis 6% zunehmen.

    Zahlreiche Veränderungen des Ökosystems möglich
    Ändern sich die Temperaturen in dieser Bandbreite, würde dies eine
    Vielzahl von weiteren Veränderungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten
    hervorrufen. "Die bisherige Temperaturerhöhung in Norddeutschland von
    0,8°Celsius im letzten Jahrhundert hat unter anderem bewirkt, dass
    Vegetationsperioden schon heute etwa 10 Tage länger andauern als noch vor
    40 Jahren. Entsprechend später würde sich dann mit der künftig möglichen
    Erwärmung das Blattwerk im Jahr verfärben. Auch auf den Grünkohl müssten
    die Norddeutschen in Zukunft bis zu vier Wochen länger warten.
    Vorausgesetzt, dass Landwirte bis zum ersten Frosttag im Herbst abwarten,
    kann sich die Erntezeit von Grünkohl in Norddeutschland bis zum Ende des
    Jahrhunderts um 10 bis 28 Tage nach hinten verschieben.
    Europaweit ist zu beobachten, dass Zugvögel ihre Routen verändern. Einige
    Zugvögelarten, wie zum Beispiel der Kranich, verlassen Norddeutschland in
    milden Jahren bereits heute nicht mehr. Wärmeliebende Pflanzenarten
    könnten Ihre Verbreitung Richtung Norden verlagern, während heimische
    Arten sich stärker Richtung Skandinavien verbreiten", so Dr. Insa Meinke
    vom Norddeutschen Klimabüro des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht. "Die
    Zukunft eines Ökosystems im Detail vorherzusagen, ist aufgrund der
    Komplexität jedoch noch sehr schwierig, die Auswirkungen können auf jeden
    Fall massiv sein", betont Meinke.

    Möglicherweise weniger Heizkosten
    Verschiedenen Berechnungen zufolge kann es im Herbst Ende des Jahrhunderts
    etwa 4 bis 7 Froststage weniger geben als heutzutage.
    Die Berechnungen des Norddeutschen Klimabüros des Forschungszentrums
    Geesthacht gehen davon aus, dass in Zukunft die Heizungen im Norden
    Deutschlands erst vier Wochen später eingeschaltet würden. Geringere
    Energiekosten wären die Folge, denn in der Regel beginnt man heute erst
    nach einer Kälteperiode von drei aufeinander folgenden Nächten mit
    Temperaturen unter 12°Celsisus, die Heizung anzuwerfen. Solche
    Kälteperioden könnten sich den Berechnungen zufolge im Vergleich zu heute
    bis zum Ende des Jahrhunderts um 8 bis 28 Tage verspäten.

    "Auch wenn wir dem erwarteten herbstlichen Klimawandel in unserem Raum
    scheinbar durchaus positive Aspekte abgewinnen können, so überwiegen
    Szenarien für den Winter und Sommer, die uns vor starke Herausforderungen
    stellen", so Meinke. Dies sind insbesondere die möglicherweise starke
    Niederschlagsabnahme im Sommer, sowie die scheinbar beachtliche
    Niederschlagszunahme im Winter und die mögliche Intensivierung der
    Winterstürme. Diese Änderungen setzten Mensch und Ökosysteme unter
    massiven Anpassungsdruck. "Es lohnt sich also den menschgemachten
    Klimawandel differenzierter zu betrachten", fasst Meinke zusammen.
    zusammen.

    Wissenschaftlicher Hintergrund und Ausblick
    Die Aussagen zum zukünftigen Herbst in Norddeutschland basieren auf
    verschiedenen regionalen Klimarechnungen, die am Deutschen
    Klimarechenzentrum Hamburg und in verschiedenen EU-Projekten unter
    Beteiligung des GKSS-Instituts für Küstenforschung durchgeführt wurden.
    Diesen Berechnungen liegen unterschiedliche Treibhausgaskonzentrationen
    zugrunde. Deshalb haben alle Angaben Bandbreiten, innerhalb derer sich
    das Klima in Norddeutschland künftig ändern kann.
    Das Norddeutsche Klimabüro ist Ansprechpartner für Fragen zum Klimawandel
    in Norddeutschland. Die Ergebnisse dieser Studie sind im Rahmen eines
    Klima-Atlas' für Norddeutschland entstanden, der gegenwärtig im
    Norddeutschen Klimabüro erarbeitet wird. Mit diesem Klima-Atlas sollen
    sich Entscheidungsträger in Norddeutschland schon heute einen Einblick
    darüber verschaffen können, wie sich das Klima vor Ort künftig ändern
    kann. Die Veröffentlichung ist für Frühjahr 2009 geplant.

    Die Gründung des Norddeutschen Klimabüros des GKSS-Forschungszentrums
    Geesthacht erfolgte aus einem deutlich gewordenen Defizit in der
    Kommunikation zwischen Klimaforschern und den Anwendern der
    Forschungserkenntnisse. Letztgenannte sind Entscheidungsträger in
    Behörden, der Politik sowie der Wirtschaft. Dazu gehören unter anderem der
    Küstenschutz, Land- und Energiewirtschaft, Fischerei, Fremdenverkehr und
    Gesundheit.
    Nach dem erfolgreichen Start des Norddeutschen Klimabüros am
    GKSS-Forschungszentrum Geesthacht hat die Helmholtz-Gemeinschaft 2008, ein
    deutschlandweites Netz regionaler Klimabüros aufgebaut.
    Im Rahmen der Exzellenzinitiative (CliSAP) des Bundes errichtete die
    Universität Hamburg den KlimaCampus Hamburg. In diesem Zusammenhang wurde
    das Norddeutsche Klimabüro weiter ausgebaut. Im Rahmen der
    Exzellenzinitiative wird derzeit mit tatkräftiger Hilfe der Geesthachter
    Klimaforscher ein Klimabericht für die Metropolregion Hamburg erarbeitet -
    erste Ergebnisse werden Ende 2009 erwartet.

    Weiterführende Informationen und druckfähige Grafiken finden Sie unter:
    http://www.gkss.de/public_relations/press_releases/007094/index_0007094.html.de

    Ansprechpartner:

    Dr. Insa Meinke
    Norddeutsches Klimabüro - Institut für Küstenforschung
    GKSS-Forschungszentrum Geesthacht
    Email: insa.meinke@gkss.de
    Tel.: 04152-871868

    -----------------------------------------
    Dr. Torsten Fischer
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
    Max-Planck-Straße 1
    21502 Geesthacht
    Telefon: +49 (0) 41 52 / 87 - 1677
    Telefax: +49 (0) 41 52 / 87 - 1640
    http://www.gkss.de


    More information:

    http://www.gkss.de/public_relations/press_releases/007094/index_0007094.html.de


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    Criteria of this press release:
    Biology, Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

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