Neue SHARE-Daten vermitteln Einblicke bezüglich Alternsprozessen in Europa

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11/28/2008 11:24

Neue SHARE-Daten vermitteln Einblicke bezüglich Alternsprozessen in Europa

Achim Fischer Pressestelle
Universität Mannheim

    Die Daten der zweiten Erhebungswelle des Survey of Health, Ageing, and Retirement in Europe (SHARE) sind ab sofort für Wissenschaftler in der ganzen Welt kostenlos, via Download, zugänglich. SHARE reagiert damit auf die Aufforderung des Europäischen Rats, eine systematische Datenbasis für die empirische Alternsforschung in Europa aufzubauen.

    SHARE enthält Umfragedaten zur Gesundheit, zur wirtschaftlichen Situation, und zu sozialen und familiären Beziehungen von mehr als 40.000 Personen ab einem Alter von 50 Jahren. Befragt wurden Personen in Österreich, Belgien, der Tschechischen Republik, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Israel, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien, Schweden und der Schweiz.

    Aufgrund seiner thematischen Tiefe und Breite bietet SHARE einzigartige Informationen darüber, wie individuelle und gesellschaftsumfassende Alternsprozesse in diesen Ländern durch die politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Vielfalt Europas beeinflusst werden. Über 1.000 Wissenschaftler
    haben bereits auf Grundlage der Daten der ersten Welle eine Fülle von Forschungsergebnissen erzielt. Die neuen SHARE-Daten, die unter www.share-project.org verfügbar sind, werden weitere Einblicke bezüglich der gerade für ältere Menschen in Europa relevanten Themen Gesundheit, Beschäftigung, Wohlstand und soziale Beziehungen verschaffen.

    Im Bereich Gesundheit zeigen SHARE-Daten
    o Südeuropäer leben länger, obwohl es Nordeuropäern gesundheitlich und finanziell besser geht. Dies trifft besonders für südeuropäische Frauen im Vergleich zu nordeuropäischen Männern. Auf SHARE basierende Forschung wird helfen herauszufinden, ob dieser Befund genetisch oder gesellschaftlich bedingt ist.
    o Bildung hält uns fit. Im Vergleich zu höher Gebildeten, ist es für weniger Gebildete um 70 Prozent wahrscheinlicher, sich zu wenig zu bewegen, und um 50 Prozent wahrscheinlicher, sehr stark übergewichtig zu sein.
    o Eine gehobene wirtschaftliche Situation beugt Depressionen vor. In allen Ländern, vor allem aber in Nordeuropa, leiden Personen mit niedrigem Einkommen oder Vermögen häufiger unter Depressionen.
    o Die geriatrische Pflege bedarf der Verbesserung. SHARE ist die erste Studie, die vergleichbare Kriterien für die Bewertung der Pflegequalität älterer Menschen einschließt. Der Großteil dieser Kriterien zeigt, dass in ganz Europa ein grundlegender Mangel an geriatrischen Beurteilungen und Vorsorgeuntersuchungen besteht.

    Im Bereich Beschäftigung zeigen SHARE-Daten
    o Maßnahmen zur Gesundheitsprävention am Arbeitsplatz zahlen sich aus. Gesunde gehen zwei Jahre später als gesundheitlich Eingeschränkte in Rente. Zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit reicht es schon, 3% des Arbeitseinkommens für die gesundheitliche Vorsorge auszugeben.
    o Durch starke Anreize zur Frühverrentung bleibt viel Arbeitskraft ungenutzt. Unterschiedlich ausgestaltete Wohlfahrtssysteme erzeugen Unterschiede in der Teilnahme am Arbeitsmarkt und im Ausmaß der Frühverrentung. Gerade in Südeuropa, Österreich und Frankreich, die u.a. durch großzügige Leistungen Anreize zum vorgezogenen Ruhestand setzen, ist der vorgezogene Ruhestand besonders verbreitet.
    o Die Inanspruchnahme von Erwerbsminderungsrenten steht international in keinem
    Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand. Die Inanspruchnahme der Erwerbsminderungsrente durch die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen variiert zwischen 3 Prozent in Griechenland und 16 Prozent in Dänemark. Die international vergleichbaren SHARE-Daten zu Gesundheit zeigen, dass diese Unterschiede nicht allein auf den Gesundheitszustand zurückgeführt werden können.
    o Gute Arbeitsplatzbedingungen fördern einen späteren Renteneintritt. Die Qualität der Arbeitsplatzbedingungen in den letzten Jahren vor der Rente ist innerhalb Europas sehr unterschiedlich. Sie hängt unter anderem davon ab, wie selbstbestimmt wir arbeiten und in welchem Maße unsere Leistungen anerkannt werden. Insgesamt ist die Arbeitsplatzqualität im Norden höher als im Süden. Die unterschiedlichen Arbeitsplatzbedingungen erklären auch Unterschiede im persönlichen Wohlbefinden, vor allem was Gesundheit und Depressionen anbelangt.

    Im Bereich familiäre und soziale Netzwerke zeigen SHARE-Daten
    o Der Bedeutungsverlust der Familie ist ein Mythos. Da die verschiedenen Generationen einer Familie weiterhin nah beieinander leben, ist die gegenseitige Unterstützung in ganz Europa weit verbreitet. Ein Drittel der über 65-Jährigen verbringt im Schnitt täglich fast 5 Stunden damit, Enkelkinder zu beaufsichtigen oder Familienmitglieder anderweitig zu unterstützen.
    o Im Norden leisten die Eltern finanzielle Unterstützung, im Süden die Kinder. Geldtransfers zwischen den Generationen sind ein wichtiger Bestandteil des Haushaltseinkommens. Je nach Region variiert bei diesen Transfers allerdings die Richtung: Im Norden erhalten erwachsene Kinder in der Regel Geld von ihren Eltern, im Süden ist es umgekehrt.
    o Ehrenamtliches Engagement ist populär. Insgesamt engagieren sich 10 Prozent der Altersgruppe 50+ für das Gemeinwesen. In Skandinavien und den Niederlanden ist ehrenamtliche Arbeit besonders verbreitet, in Spanien und Griechenland hingegen weniger.

    Im Bereich wirtschaftliche Situation, Einkommen und Vermögen
    o Die Ungleichheit im Haushaltskonsum ist niedriger als die Einkommensungleichheit. Sowohl im internationalen Vergleich als auch innerhalb einzelner Länder gibt es weniger Unterschiede bei den Konsumausgaben als beim Einkommen. Beim Einkommen wiederum herrscht weniger Ungleichheit als beim Vermögen.
    o Einkommensarmut wird durch nicht-finanzielle Ressourcen gemildert. Berücksichtigt man bei der Bemessung von Armut den Wert des eigenen Hauses, erscheint sie weniger ausgeprägt. Auch das Zusammenleben mit den Kindern mildert die Armut. Dies gilt besonders in den Mittelmeerländern und Deutschland.

    SHARE wird finanziert durch das 5., 6. und 7. Forschungsrahmenprogramm des Generaldirektorats Forschung der Europäischen Kommission. Zusätzliche finanzielle Unterstützung erhält SHARE durch nationale Geldgeber der teilnehmenden Länder und durch das U.S.-amerikanische National Institute
    on Aging.

    Kontakt:
    Axel Börsch-Supan, Coordinator of SHARE
    Mannheim Research Institute for the Economics of Aging
    University of Mannheim, Germany
    E-Mail: share@mea.uni-mannheim.de


    More information:

    http://www.share-project.org Detaillierte Ergebnisse und weitere Informationen


    Criteria of this press release:
    Mathematics, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Politics, Social studies
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


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