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12/05/2008 11:06

Studiengang "Frühkindliche Entwicklung und Erziehung"

Claudia Leitenstorfer Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Konstanz

    Kinder liegen der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau (PHTG) am Herzen. Damit die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern immer besser wird, bieten die deutsche und die Schweizer Einrichtung gemeinsam ab dem Wintersemester 2010/11 den Studiengang "Frühkindliche Entwicklung und Erziehung" an. "Im Gespräch" hat sich bei Professor Thomas Götz, dem Inhaber der Brückenprofessur für Erziehungswissenschaft und Empirische Bildungsforschung, nach Details erkundigt.

    Herr Professor Götz, die Voraussetzungen dafür, dass der neuer Studiengang ein Erfolg wird, sind sehr gut. Noch nie ist so viel wie derzeit über die frühkindliche Erziehung gesprochen worden.

    Das stimmt. Ich bin überzeugt, dass die Zeit reif für den neuen Studiengang ist. Das Bewusstsein dafür, dass wir hochqualifizierte Erzieherinnen und Erzieher brauchen, hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Gerade die ersten Lebensjahre sind ja in vielen Phasen prägend und haben auch langfristige Auswirkungen, und dabei ist es wichtig, zu wissen, was man wie fördern kann. Oftmals ist die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern zu wenig wissenschaftlich fundiert. Diese Tatsache war auch der Grund dafür, dass Professor Ernst Preisig, der Rektor der PH Thurgau, die Idee zu diesem Studiengang hatte. Wobei: Wir bilden keine Erzieherinnen oder Erzieher aus, sondern Leute, die später in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern tätig werden.

    Wie weit ist die Forschung zum Thema "Early childhood education" in Deutschland?

    In manchen Feldern sind wir mit den USA, in denen viel mehr Längsschnittforschung betrieben wird, konkurrenzfähig. Trotzdem ist es so, dass zum einen die Forschung bei uns in Deutschland häufig Vorläufer in den USA hat. Zum anderen gibt es in den USA viel mehr Forschungseinrichtungen und damit mehr Potential. In Konsequenz können die Forscher dort mehr Studien vorweisen, sie haben auch mehr Geld zur Verfügung.

    Was genau sollen die Studenten in dem neuen Studiengang lernen?

    Es wird vier große Stränge geben: Wir werden Basiswissen in pädagogischer Psychologie und Entwicklungspsychologie vermitteln. Weiter stehen Methodenkompetenz und Forschungsmethoden, auch als wissenschaftliche Vorbereitung für die Masterarbeit, auf dem Lehrplan. Das Thema Handlungskompetenzen wird praxisorientiert sein und Erziehungswissen vermitteln; auch Risikobelastungen - wenn beispielsweise die Eltern Alkoholiker sind - werden angesprochen. Oder beispielsweise die Thematik schwer erziehbare Kinder. Wobei: Wir wollen keine Art Sonderpädagogik anbieten. Es geht uns vielmehr um "ganz normale Kinder". Der vierte Strang ist anwendungsorientiert: Wie kann man bei Kleinkindern Diagnostik betreiben, wie dazu die Eltern beraten.

    Wie soll die Masterarbeit aussehen?

    Die Masterarbeit ist im vierten Semester geplant - sie soll sehr wissenschaftlich sein. Der Student ist dann in ein virtuelles Forschungszentrum eingebettet, das wir zusätzlich zum Masterstudiengang ins Leben rufen wollen. Für dieses Forschungszentrum für Grundlagenforschung und praxisorientierte Forschung wird es keine eigenen Räume geben. Vielmehr wird es sich um ein virtuelles Forschungszentrum handeln, in dem wir Kompetenzen in den Fachbereichen Psychologie und Pädagogik bündeln.

    Wer kann sich um einen Studienplatz bewerben?

    Voraussetzung ist ein Bachelor im pädagogischen, psychologischen oder erziehungswissenschaftlichen Bereich wie ein Bachelor of Arts in Primary Education oder Pre Primary Education. Ein Bachelor in Psychologie wird ebenfalls anerkannt. Sicherlich wird es auch Sonderregelungen beispielsweise für einen speziellen internationalen Bachelor geben.

    Setzen Sie auch praktische Erfahrung voraus?

    Ja, eine weitere Voraussetzung wird praktische Erfahrung im Kleinkinderbereich sein. Erste Entwürfe sehen eine Dauer von drei Monaten vor, aber das wird noch verhandelt. Weiter wird es ein Eintrittsgespräch geben.

    Wie viele Studienplätze werden sie anbieten?

    Für beide Hochschulen sind maximal 30 Studentinnen beziehungsweise Studenten geplant. Wir wollen einen Vollzeitstudiengang über zwei Jahre und eine Teilzeitvariante anbieten.

    Können sich Ihre Studenten während des Studiums spezialisieren?

    Sie können innerhalb des Studiums Schwerpunkte setzen, dafür wird es auch eine Betreuung geben. Eine spezielle Ausbildung können wir aber nicht anbieten - das ist rein von der Lehre her nicht möglich.

    Wird es zusätzlich Lehrstühle geben?

    An der Universität Konstanz wollen wir eine Junior-Professur schaffen. Sie muss noch ausgeschrieben werden. Zudem wird es eine Stiftungsprofessur geben, die von der Thurgauer Stiftung für Wissenschaft und Forschung finanziert wird. Danach wird es eine reguläre Professur an der Universität Konstanz im Fachbereich Psychologie sein - dort wird dann eine Stelle frei sein, die umgewidmet wird. Die PH Thurgau wird zudem Lehraufträge und eine Stelle für einen Studiengangskoordinator finanzieren. An der PH Thurgau ist auch im Zusammenhang mit dem neuen Studiengang eine Forschungsprofessur geplant, doch bis der Plan umgesetzt werden kann, wird es noch dauern. Mögliche Bereiche für die genannten Professuren wären Entwicklungspsychologie der frühen Jahre und beispielsweise frühkindliche Diagnostik. Insgesamt wird es so sein, dass an beiden Einrichtungen gelehrt wird.

    Gibt es für Ihre Absolventen ganz andere Einsatzmöglichkeiten als in der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern?

    Ja, natürlich. Beispielsweise im Forschungszentrum. Oder in anderen Einrichtungen, in denen zum Thema "Early childhood education" empirisch gearbeitet wird. Und natürlich können die Absolventen nach dem Master promovieren.

    Betreten Sie mit dem Studiengang "Frühkindliche Entwicklung und Erziehung" Neuland?

    In der Schweiz ist es der erste Studiengang dieser Art. In Fribourg gibt es ganz neu einen ähnlichen Studiengang, der allerdings anders strukturiert ist und ein anderes Studienangebot hat. In Deutschland gibt es zwar ähnliche Studiengänge, aber nicht mit diesem Profil. Das ganz Besondere bei uns ist die Vernetzung mit einem Forschungszentrum.

    Wollen Sie mit Ihren Forschungsergebnissen auch bei politischen Diskussionen mitmischen?

    Wir werden aus unserer Grundlagenforschung und aus unserer praxisorientierten Forschung im Forschungszentrum sicherlich Implikationen für die Praxis ableiten. Da geht es dann schnell in politische Entscheidungen hinein: Was soll sich verändern, damit Bildungsprozesse auch so ablaufen, wie man es sich vorstellt? Sicherlich wird man dann schnell an dem Punkt sein, an dem mehr Personal eingefordert wird.

    Machen Sie sich Sorgen, dass Ihre Forschungsergebnisse politisch missbraucht werden könnten?

    Die Wissenschaft kann die Augen nicht vor gesellschaftlichen Strömungen verschließen. Wir haben eine evidenzbasierte Politik, und unsere Aufgabe als Wissenschaftler ist es unter anderem, Ergebnisse zu liefern, die Entscheidungsprozesse erleichtern. Es ist zwar nicht erstes Ziel der Forschung, brisante politische Fragen aufzugreifen. Aber sie können durchaus brisanten Inhalt haben. Ich habe bei Pisa mitgearbeitet und erlebt, dass Ergebnisse nicht 1:1 wiedergegeben wurden. Dieses Risiko wird es immer geben. Letztlich bin aber überzeugt, dass sich die Wahrheit durchsetzen wird.

    Weitere Informationen zum Studiengang gibt es bei Annette Graul:
    annette.graul@phtg.ch
    Telefon ++41(0)71/678-5617

    Zur Person

    Thomas Götz ist seit 1. Oktober 2007 Professor für Erziehungswissenschaft/Empirische Bildungsforschung an der Universität Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Er hat damit eine so genannte Brückenprofessur inne. An beiden Einrichtungen ist der Wissenschaftler in der Lehre für das gymnasiale Lehramt zuständig. Thomas Götz hat Kirchenmusik an den Musikhochschulen in Regensburg und München studiert und ein Psychologiestudium an der Universität Regensburg absolviert. Der Wissenschaftler hat im Fach Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München promoviert und sich dort auch habilitiert. Er hat Lehrstuhlvertretungen in Heidelberg und Erfurt übernommen. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Antezedenzien von Emotionen im Lern- und Leistungskontext; Domänenspezifität emotionalen Erlebens; Langeweile in der Schule; Förderung selbstregulierten Lernens in der Sekundarstufe; Unterrichtsqualität. Thomas Götz hat bisher 60 Publikationen in Büchern und nationalen sowie internationalen Zeitschriften.


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    Prof. Dr. Thomas Götz
    Prof. Dr. Thomas Götz
    Source: Bild: Universität Konstanz / Pressestelle


    Criteria of this press release:
    Psychology, Teaching / education
    transregional, national
    Cooperation agreements, Studies and teaching
    German


     

    Prof. Dr. Thomas Götz


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