Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die zentrale Institution für die international koordinierte Bekämpfung von Krankheiten. Am 18. März 2009 besuchte Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO, das Robert Koch-Institut, das zentrale Bundesinstitut für Infektionsschutz und Gesundheitsberichterstattung und wichtiger Partner für die fachliche Zusammenarbeit mit der WHO. Chan informierte sich im RKI insbesondere über die internationalen Aktivitäten, die derzeit verstärkt werden.
Außerdem erläuterten der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, und die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Elisabeth Pott, die internationale Vernetzung ihrer Einrichtung. Löwer unterstrich in seinem Beitrag die Verpflichtung Deutschlands, den hohen Sicherheitsstandard, der bei Blutprodukten und In-vitro-Diagnostika hierzulande selbstverständlich geworden ist, auch anderen Ländern zu ermöglichen - aus ethischen Gründen und damit Bundesbürger bei Reisen ebenfalls sichere Blutprodukte erwarten können. Pott betonte die Bedeutung von Prävention und Gesundheitsförderung vom frühen Kindesalter an. Hierbei spielen die Prinzipien der WHO Ottawa Charta für Gesundheitsförderung eine zentrale Rolle, auf denen die Maßnahmen der BZgA beruhen: Nur wenn die Lebensverhältnisse insgesamt gesundheitsfördernd gestaltet sind, können sie Wissen, Einstellungen und gesundheitsgerechtes Verhalten entfalten.
Die Verstärkung der internationalen Aktivitäten des RKI wird durch das Programm "RKI 2010" möglich, mit dem das Institut in den nächsten Jahren schrittweise und nachhaltig ausgebaut wird. Die Bedeutung enger internationaler Zusammenarbeit für einen effizienten Infektionsschutz hat der SARS-Ausbruch 2003 nachdrücklich gezeigt. Das RKI hatte vor Ort die von der WHO koordinierten Untersuchungen lokaler SARS-Hotspots in Vietnam und Hongkong unterstützt. Auch bei anderen Krankheitsausbrüchen waren RKI-Wissenschaftler inzwischen als Teil von WHO-Teams vor Ort.
RKI-Experten arbeiten auch in einer Reihe von WHO-Arbeitsgruppen mit, u.a. auf dem Gebiet der Influenzapandemieplanung, und in Labornetzwerken. Zum Beispiel unterstützt das RKI derzeit die WHO beim Aufbau eines Tularämie-Netzwerks. Etabliert ist die Arbeit des Nationalen Referenzzentrums für Influenza, das die in Deutschland zirkulierenden Virusstämme untersucht und an der Empfehlung der WHO für die Zusammensetzung des Grippeimpfstoffs der Nordhalbkugel beteiligt ist. Für Polio- und Enteroviren sowie für die Erreger von Masern und Röteln werden die Aufgaben eines Regionalen Referenzlabors der WHO/Europa wahrgenommen.
Das RKI ist auch eng in europäische Netzwerke und Forschungsprojekte eingebunden und kooperiert intensiv mit dem Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention in Stockholm. Zum Beispiel betreibt das RKI im Rahmen eines europäischen Netzwerks ein nationales Ausbildungsprogramm für Infektionsepidemiologen (PAE), einige Ausbildungsmodule finden in anderen EU-Mitgliedsstaaten statt.
Die internationale Zusammenarbeit ist auch bei nicht ansteckenden Krankheiten von steigender Bedeutung. So wird derzeit auf der europäischen Ebene ein Gesundheitsmonitoring zur regelmäßigen Erfassung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung aufgebaut. Hier bringt sich das RKI, das kürzlich ein nationales Gesundheitsmonitoring-Konzept entwickelt hat, intensiv ein.
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