Der Wissenschaftsrat hat den Bau eines multidisziplinären, technisch hoch avancierten, global operierenden Tiefseeforschungsschiffs empfohlen, mit dem international und interdisziplinär besetzte Expeditionen durchgeführt werden können. Das Nachfolgeprojekt für das 2010 planmäßig aus dem Dienst scheidende Tiefseeforschungsschiff "Sonne" wird in absehbarer Zukunft das einzige europäische Forschungsschiff sein, das permanent im Indischen und Pazifischen Ozean zum Einsatz kommt und dort regelmäßig Forschung betreibt. Ihm kommt daher nicht nur für die deutsche marine Grundlagenforschung eine besondere Bedeutung zu, sondern weit darüber hinaus auch für die europa- und weltweite Meeresforschung. Im Jahr 2013 soll die neue Forschungsplattform an die Wissenschaft übergeben werden.
Das neue Forschungsschiff soll in Forschungsfeldern eingesetzt werden, in denen die "Sonne" mit großem Erfolg tätig ist. Diese Felder - Klimawandel, Marine Ressourcen, Tiefseebiodiversität sowie Geodynamik und Georisiken - weisen ein großes wissenschaftliches Potenzial auf, das durch die breit angelegten Nutzungsmöglichkeiten der noch namenlosen Forschungsplattform und ihre offene und flexible Konzeption erschlossen werden soll. Zwei gesellschaftlich relevante Themenkreise sind besonders hervorzuheben: Zum einen wird der Nutzungszeitraum des Schiffes in eine Zeit großer Klimaveränderungen fallen, woraus ein gesteigerter Bedarf an der Erforschung der Rolle der Ozeane im Klimasystem resultiert. Daneben wird ein weiterer Schwerpunkt in der Marinen Ressourcenforschung liegen. Mit Blick auf die Energieversorgung sind die Gashydrat-, Mineral- und Ölvorkommen von großer Bedeutung. Die Mikroorganismen der Tiefsee, die in weiten Teilen noch unerforscht und unerschlossen sind, wecken große Erwartungen im Bereich der "blue technology".
Für den Bau des Forschungsschiffes sind 110 Millionen Euro veranschlagt. Die Finanzierung übernehmen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (90 Prozent) und die Bundesländer Niedersachsen (5 Prozent) sowie Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen (zusammen 5 Prozent). Die Länder haben sich auf Wilhelmshaven als Heimathafen des neuen Forschungsschiffs geeinigt.
Auf Bitten des Bundes bereitet der Wissenschaftsrat derzeit eine umfassende Stellungnahme zur Entwicklung der deutschen Forschungsflotte im europäischen und internationalen Kontext vor. Um den rechtzeitigen Ersatz des Forschungsschiffes "Sonne" bis 2013 sicherzustellen, wurde jedoch zunächst diese Einzelstellungnahme erarbeitet. Die "Sonne" ist das erste von vier Forschungsschiffen für die marine Grundlagenforschung in Deutschland, die kurz- und mittelfristig aus Altersgründen ersetzt werden sollen. Neben der "Sonne" werden innerhalb der nächsten zehn Jahre auch "Poseidon", "Polarstern" und "Meteor" außer Dienst gestellt. Insgesamt verfügt die deutsche Forschungsflotte über sieben hochseetaugliche Forschungsschiffe.
Hinweis: Die "Stellungnahme zu einer umfangreichen Forschungsinfrastruktur für die Grundlagenforschung: Tiefseeforschungsschiff (Nachfolge Forschungsschiff 'Sonne')" (Drs. 9204-09) wird im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.
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