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05/29/2009 12:16

Wissenschaftsrat: Wehrmedizinische Forschung unverzichtbar für Bundeswehr

Dr. Christiane Kling-Mathey Geschäftsstelle
Wissenschaftsrat

    Der Wissenschaftsrat hat auf seinen Frühjahrssitzungen (27.-28. Mai 2009) in Saarbrücken Stellungnahmen zu insgesamt fünf wehrmedizinischen Einrichtungen der Bundesressortforschung verabschiedet. Außerdem hat er eine Stellungnahme zum Deutschen Institut für Medizinische Information und Dokumentation (DIMDI) in der Zuständigkeit des Bundesgesundheitsministeriums beraten und verabschiedet.

    "Die wehrmedizinischen Einrichtungen, die dem Bundesminister der Verteidigung unterstehen, erbringen unverzichtbare Leistungen, um gesundheitliche Risiken der Soldatinnen und Soldaten frühzeitig erkennen und geeignete Sicherheits- und Schutzmaßnahmen ergreifen zu können", so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider. "Dies ist umso wichtiger, als sich die wehrmedizinischen Anforderungen durch die Auslandseinsätze der Bundeswehr erheblich verändert haben." Hinsichtlich der Qualität der vorgefundenen Forschungs- und Entwicklungsleistungen in den einzelnen Einrichtungen ergibt sich ein differenziertes Bild, zum Teil sieht der Wissenschaftsrat aber einen erheblichen strukturellen Anpassungsbedarf. Im Einzelnen kommt der Wissenschaftsrat zu folgenden Einschätzungen und Empfehlungen:

    Das Institut für den Medizinischen Arbeits- und Umweltschutz, Berlin, hat die wichtige Aufgabe, Maßnahmen zur Vorbeugung, Erkennung und Therapie von arbeits- und umweltbedingten Gesundheitsstörungen zu erforschen und zu entwickeln, mit denen Soldatinnen und Soldaten insbesondere im Einsatz konfrontiert sind. Die hierfür erforderlichen Forschungsleistungen werden allerdings im Institut nicht in der gebotenen Qualität und im notwendigen Umfang erbracht. Daher bittet der Wissenschaftsrat das Verteidigungsministerium zu prüfen, ob die Aufgaben des Instituts auf andere Forschungseinrichtungen der Bundeswehr - etwa die wehrmedizinischen Institute in München und Koblenz - übertragen werden können.

    Hinweis: Die "Stellungnahme zum Institut für den Medizinischen Arbeits- und Umweltschutz der Bundeswehr, Berlin" (Drs. 9136-09) wird im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.


    Als Einrichtung der Gesundheitsförderung und Prävention in der Bundeswehr hat die Laborabteilung IV "Wehrmedizinische Ergonomie und Leistungsphysiologie" des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz Vorbildcharakter: Sie erbringt mit sehr engagiertem Personal und einem wissenschaftlich ausgewiesenen Leiter überzeugende Arbeit zur Optimierung der Leistung der Bundeswehr und lässt eine positive Weiterentwicklung erwarten. Besonders zu würdigen ist der aktiv vorangetriebene zivil-militärische Verbund zur Förderung des Wissenstransfers und der Zusammenarbeit, der für beide Seiten befruchtend wirkt. Der Wissenschaftsrat unterstützt für die weitere Entwicklung ausdrücklich bestehende Überlegungen des Bundesministeriums für Verteidigung (BMVg), die Laborabteilung zu einem eigenen Institut auszubauen.

    Hinweis: Die "Stellungnahme zur Laborabteilung IV "Wehrmedizinische Ergonomie und Leistungsphysiologie" des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr in Koblenz" (Drs. 9137-09) wird im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.


    Das Sportmedizinische Institut der Bundeswehr, Warendorf, liefert gute und wichtige bewegungs- und ernährungsmedizinische Serviceleistungen für die Bundeswehr (Untersuchung, Beratung, Therapie, Rehabilitation). Allerdings: "Die wenigen wissenschaftlichen Beschäftigten des Instituts sind durch diese Serviceleistungen weitgehend ausgelastet", so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider, "mit der Konsequenz, dass die ebenfalls vorgesehenen Forschungsarbeiten in nur geringem Umfang und in nicht befriedigender Qualität stattfinden." Der Wissenschaftsrat empfiehlt daher eine Konzentration auf die medizinischen Serviceleistungen. Die für das Ressort im bewegungs- bzw. ernährungsmedizinischen Bereich erforderlichen Forschungsleistungen sollten der Laborabteilung IV in Koblenz übertragen werden, wo entsprechende Expertise bereits vorhanden ist.

    Hinweis: Die "Stellungnahme zum Sportmedizinischen Institut der Bundeswehr, Warendorf" (Drs. 9138-09) wird im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.


    Die beiden Institute für den medizinischen A- und C-Schutz der Bundeswehr in München - das Institut für Radiobiologie sowie das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr -, die sich vor allem mit dem Schutz vor bzw. der Behandlung von Gesundheitsschäden durch chemische Kampfstoffe und durch schädliche Strahlung befassen, konnten insgesamt überzeugen. Der Wissenschaftsrat betont, dass diese Institute sich nicht nur durch sehr gute Auftragserfüllung mit einem hohen Anteil eigener Forschung auszeichnen, sondern insbesondere durch eine nationale Alleinstellung ihrer Forschungsthemen und Forschungsmöglichkeiten: "Hier wird Forschung betrieben, die sich überwiegend auf Notfälle und Katastrophenszenarien, also auf - glücklicherweise - höchst seltene Ereignisse bezieht, und daher für viele Forschungseinrichtungen oder auch die Industrie wenig reizvoll ist. Da aber sowohl das Militär wie auch die Zivilbevölkerung von solchen Ereignissen betroffen sein können, ist diese Forschung ausgesprochen wichtig", so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Peter Strohschneider. Eine noch stärkere Öffnung der Einrichtungen zur nationalen akademischen Forschung sei daher wünschenswert.

    Hinweis: Die "Stellungnahme zum Institut für Radiobiologie der Bundeswehr, München" (Drs. 9135-09) und die "Stellungnahme zum Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr, München" (Drs. 9134-09) werden im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie können aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.

    Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln, erfüllt im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit verschiedene Serviceleistungen für das deutsche Gesundheitswesen. Während die Tätigkeit auf dem Gebiet der medizinischen Klassifikationen insgesamt gut und mit dem nötigen Sachverstand erfüllt wird, fehlt insbesondere den Arbeiten zur Bewertung medizinischer Verfahren und Technologien (so genannte Health Technology Assessments, HTA) eine entsprechende Anbindung an aktuelle wissenschaftliche Diskussionen in der Fachwelt. Deshalb wird das Bundesministerium für Gesundheit gebeten zu prüfen, ob die Aufgabe der HTA-Berichterstattung künftig durch eine andere Institution wahrgenommen werden kann.

    Das DIMDI führt faktisch keine eigene Forschung durch. Falls das DIMDI auch künftig als Einrichtung ohne F&E-Aufgaben fortgeführt werden soll, empfiehlt der Wissenschaftsrat die Streichung des Instituts aus der Liste der Ressortforschungseinrichtungen.

    Hinweis: Die "Stellungnahme zum Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln" (Drs. 9139-09) wird im Netz als Volltext (www.wissenschaftsrat.de) veröffentlicht, sie kann aber auch bei der Geschäftsstelle des Wissenschaftsrates per E-Mail (post@wissenschaftsrat.de) angefordert werden.


    More information:

    http://www.wissenschaftsrat.de


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    Criteria of this press release:
    interdisciplinary
    transregional, national
    Science policy
    German


     

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