Das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin (MPIWG) erforscht gemeinsam mit dem Kunsthistorischen Institut Florenz (KHI), wie durch Aufschreibetechniken Wissen entsteht. Anhand von Zeichnungen und Schriftstücken untersuchen Kunst-, Literatur-, Wissenschafts- und Philosophiehistoriker das Zusammenspiel von Hand, Stift und Papier, und wie dabei Forschungsgegenstände in der Vergangenheit organisiert worden sind. In einer neuen Reihe "Wissen im Entwurf" (diaphanes-Verlag) sind jetzt die ersten Ergebnisse dieses Projekts veröffentlicht worden.
Der erste Band der von Christoph Hoffmann und Barbara Wittmann (beide wissenschaftliche Mitarbeiter am MPIWG) herausgegeben Reihe befasst sich mit Schreiben und Zeichnen als Verfahren der Datensicherung. Er untersucht graphische Aufzeichnungspraktiken, die der Beobachtung und Entfaltung bestimmter Phänomene dienen. Viele dieser Phänomene gewinnen erst auf dem Blatt Papier die Stabilität und Autorität einer wissenschaftlichen Tatsache und in vielen Fällen ersetzt die Aufzeichnung - man denke beispielsweise an den Status des Sektionsprotokolls in der Pathologie - das eigentliche Objekt des Wissens. Die Analyse einer solchen Datensicherung verspricht deshalb neue Einblicke in die Wissensproduktion.
Der zweite Band der Reihe beschäftigt sich mit einem Sonderfall der graphischen Aufzeichnung: mit dem Einsatz von Zeichnung und Schrift zur Fixierung von psychischen oder physiologischen Befindlichkeiten in der psychologischen Diagnostik und Therapie, aber auch in der Bildenden Kunst der Moderne. Die Einzelbeiträge untersuchen verschiedene Verfahren der Selbstaufzeichnung, die die Sicherung von Phänomenen mit der Analyse von Subjektivität verknüpfen. Wie der Band zeigt, setzen diese "Psychographismen" eine bestimmte Deutungskultur und die Entwicklung spezieller Schreib- und Zeichnungstechniken voraus.
Christoph Hoffmann (Hg.), Daten sichern. Schreiben und Zeichnen als Verfahren der Aufzeichnung, Zürich/Berlin: diaphanes, 2008.
Barbara Wittmann (Hg.), Spuren erzeugen. Zeichnen und Schreiben als Verfahren der Selbstaufzeichnung, Zürich/Berlin: diaphanes, 2008.
Die beiden abschließenden Bände der Reihe werden im Frühjahr 2010 und Winter 2011 erscheinen und sich mit der Logik des Entwurfs, also mit der Antizipation von neuem Wissen im Notieren und Skizzieren, einerseits und mit der Konstruktion als Mittel der Welterzeugung andererseits beschäftigen.
Für nähere Informationen:
PD Dr. Christoph Hoffmann, hoffmann@mpiwg-berlin.mpg.de, tel. 030-22667-170
Dr. Barbara Wittmann, wittmann@mpiwg-berlin.mpg.de, tel. 030-22667-179
http://www.mpiwg-berlin.mpg.de
http://www.knowledge-in-the-making.de
Criteria of this press release:
Art / design, Cultural sciences, History / archaeology, Psychology, Social studies
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

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