Er fahndet nach den Unterschieden zwischen menschlichem Gehirn und dem von Menschenaffen. Philipp Khaitovich (36), Nachwuchsgruppenleiter am CAS-MPG Partnerinstitut für Computational Biology (PICB), spricht über die Faszination, in Shanghai zu forschen, und über nötigen Qualifikationen, die junge Forscher mitbringen sollten
Herr Khaitovich, Sie leiten seit drei Jahren ein Team vom 17 jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Shanghai. Vorher haben Sie in Leipzig geforscht. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit in China von der in Deutschland?
Khaitovich: Ich durfte sechs Jahre am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig arbeiten, das zu den besten Plätzen der Welt zählt, um menschliche Evolution zu studieren. Das Institut forscht auf höchstem Niveau und ist perfekt organisiert. Das PICB in Shanghai hingegen ist noch sehr jung, experimentierfreudig und manchmal ein wenig chaotisch. Dennoch besitze ich hier sehr viel Freiheit, habe hier eine hervorragende Truppe von hoch motivierten und sehr guten Studenten.
Gibt es im Team große kulturelle Unterschiede?
Khaitovich: Ja, natürlich. Aber die meisten sind sehr aufgeschlossen für die andere Kultur und den Blick über den Tellerrand. Über die Arbeit hinaus existieren viele Freundschaften, auch Familien wurden schon gegründet. In der Forschung macht es keinen Unterschied, wer von wo kommt. Unsere Sprache ist Englisch, unsere Kontakte zu anderen Forschergruppe international.
Ist ihnen die Eingewöhnung in Shanghai leicht gefallen?
Khaitovich: Selbst nach drei Jahren lerne ich noch jeden Tag dazu. Immer, wenn ich denke, etwas verstanden zu haben, muss ich es innerhalb kürzester Zeit neu überdenken. Shanghai ist eine sehr lebendige, große Stadt mit einem hohen Ausländeranteil. Vieles ist in Shanghai anders als in deutschen Städten. Gleichzeitig verändert sich hier alles sehr schnell, alles ist im Aufbruch - und das macht die Stadt sehr faszinierend. Nach einer Weile gewöhnt man sich an das Fremde.
Mussten Sie im Vorfeld Chinesisch lernen?
Khaitovich: Meine Arbeit erfordert dies nicht, aber es erleichtert Vieles. Besonders dann, wenn man mit ganz normalen Menschen in Kontakt kommen will. Deshalb habe ich begonnen, die Sprache zu lernen. Aber eigentlich spreche ich nur gut Russisch, meine Muttersprache, und natürlich Englisch. Deutsch und Chinesisch fallen mir nicht leicht.
Woran forschen Sie zurzeit?
Khaitovich: Unsere Arbeitsgruppe versucht die molekularen Mechanismen zu verstehen, die der menschlichen Entwicklung und dem Altern zugrunde liegen. Dabei machen wir vergleichende Studien zwischen Mensch und Menschenaffen. Die Methoden, deren wir uns bedienen sind Fächer übergreifend und zwischen Biologie, Bioinformatik und Computerwissenschaften angesiedelt.
Welche Qualifikationen sollten junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mitbringen?
Khaitovich: Studenten, die hier am Institut arbeiten wollen, müssen für Neues aufgeschlossen sein. Das heißt beispielsweise für Biologen, dass Sie keine Scheu haben, Programmieren zu lernen. Informatiker sollten sich für biologische Zusammenhänge und evolutionäre Fragestellungen interessieren. Wir suchen keine Spezialisten, sondern Generalisten, die viele Freude daran haben, von dem Wissen anderer zu profitieren.
Herr Khaitovich, viel Erfolg für Ihre Arbeit und herzlichen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Barbara Abrell
http://www.deutsch-chinesisches-jahr-2009-2010.de/de/313.php - Zusammen auf dem Weg des Wissens - Studieren und Forschen in China (Film)
http://www.deutsch-chinesisches-jahr-2009-2010.de/ - Deutsch-chinesisches Wissenschaftsjahr
http://www.picb.ac.cn/picb-dynamic/index.htm - Das CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology, Shanghai
http://english.cas.ac.cn/ - Die chinesische Akademie der Wissenschaften (CAS)
Philipp Khaitovich lebt und arbeitet seit drei Jahren in Shanghai
Source: Patrick Wack
Criteria of this press release:
Biology, Information technology, Mathematics
transregional, national
Cooperation agreements, Studies and teaching
German

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