Doping im deutschen Spitzensport wird massiv unterschätzt - Prävention im Nachwuchsbereich gefordert

idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Science Video Project

Thema Corona


Share on: 
09/17/2009 13:37

Doping im deutschen Spitzensport wird massiv unterschätzt - Prävention im Nachwuchsbereich gefordert

Petra Giegerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Wissenschaftler der Universitäten in Mainz und Tübingen legen erstmals Studie zur Dunkelziffer von Doping im Spitzensport vor

    (Mainz, 17. September 2009, lei) Der Einsatz von Dopingmitteln im Spitzensport wird nach Einschätzung von Wissenschaftlern aus Mainz und Tübingen bei weitem unterschätzt. Wie die Forscher in einer gemeinsamen Studie schreiben, übertrifft das wirkliche Ausmaß von Doping im deutschen Spitzensport die offiziellen Angaben um mehr als das Achtfache. Mit der Studie wurden erstmals konkrete Zahlen vorgelegt, wie häufig Doping bei Nachwuchsleistungssportlern vorkommt. "Die offiziellen Tests unterschätzen das Problem", erklärt Prof. Dr. Dr. Perikles Simon vom Institut für Sportwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. "Wir müssen nun dringend über sinnvolle Präventionsmaßnahmen für Nachwuchsleistungssportler nachdenken." Privatdozent Dr. Dr. Heiko Striegel von der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen ergänzt: "Neben der Prävention ist es auch notwendig, mehr finanzielle Mittel für die Erforschung von Dopingnachweisen bereitzustellen." Die Arbeiten wurden im dem Fachjournal Drug and Alcohol Dependence veröffentlicht.

    Bislang gab es zwar Schätzungen über die Dunkelziffern beim Doping und bei der Verwendung von illegalen Medikamenten im Freizeitsport, nicht aber für den Spitzensport. Im Spitzensport fielen bei den Dopingtests der Internationalen und Nationalen Anti Doping Agenturen rund ein Prozent der Test positiv aus - relativ stabil während der letzten fünf Jahre. Simon, Striegel und ihr Kollege Prof. Dr. Rolf Ulrich vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen bezweifelten, dass dies der Realität entspricht, und haben daher junge Leistungssportler mit einer anonymen indirekten Interviewtechnik befragt. "Ein ähnliches Versuchskonzept wurde bereits in den 60er Jahren angewandt, um zuverlässige Informationen über Straftaten wie zum Beispiel Alkoholschmuggel zu erhalten", erklärt Simon. Das Verfahren war dann in Vergessenheit geraten und wurde von der Arbeitsgruppe wieder eingesetzt, um zunächst die Dunkelziffer für Doping im Freizeit- und Breitensport zu ermitteln, aber auch um den illegalen Konsum von Drogen wie Kokain einzuschätzen.

    Bei den jetzt vorgelegten Untersuchungen hat die Arbeitsgruppe 480 Bundes- und Landeskaderathleten aus dem Nachwuchsbereich mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren befragt. 6,8 Prozent der Athleten gaben zu, schon einmal Dopingsubstanzen verwendet zu haben. Dies ist acht Mal mehr als der Prozentsatz von 0,81, den die Nationale Anti Doping Agentur Deutschland bei ihren Tests in den Jahren 2003 bis 2005 ermittelt hatte. "Die Behauptung, in Deutschland gebe es so gut wie kein Doping unter den Leistungssportlern, ist falsch", so Simon. "Wir zeigen mit dieser Studie klar und deutlich, dass im Spitzensport auch bei uns unerlaubte Substanzen eingesetzt werden", sagt Striegel. Während im gehobenen Leistungssport meistens Dopingmittel verwendet werden, die kaum nachweisbar sind, finden im Nachwuchsbereich kaum oder gar keine Kontrollen statt. Hier sieht das Forscherteam aus Mainz und Tübingen dringenden Handlungsbedarf zur Prävention.

    Kontakt und Informationen:
    Univ.-Prof. Dr. Dr. Perikles Simon
    Institut für Sportwissenschaft
    Abt. Sportmedizin
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    55099 Mainz
    Tel. +49 (0)6131 39-23587
    Fax +49 (0)6131 39-23525
    E-Mail: simonpe@uni-mainz.de
    http://www.spomed.sport.uni-mainz.de

    Universitätsklinikum Tübingen
    Privatdozent Dr. med. Dr. iur. Heiko Striegel
    Medizinische Universitätsklinik, Abt. Sportmedizin
    Silcherstr. 5, 72076 Tübingen
    Tel. +49 (0)7071/29-8 64 93
    Außenstelle Olympiastützpunkt Stuttgart
    Tel. +49 (0)711/79 48 57-0
    Fax +49 (0)711/79 48 57-15
    E-Mail heiko.striegel@med.uni-tuebingen.de
    http://www.medizin.uni-tuebingen.de/sportmedizin/


    More information:

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19740612 - Abstract der Studie


    Criteria of this press release:
    Medicine, Sport science
    transregional, national
    Research results
    German


    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).

    Cookies optimize the use of our services. By surfing on idw-online.de you agree to the use of cookies. Data Confidentiality Statement
    Okay