Förderpreise für Schmerzforschung an Mainzer Forscher verliehen
Patienten mit chronischen Schmerzen berichten oft über eine gleichzeitige Taubheit der betroffenen Regionen. Wie passt das zusammen? Welche Veränderungen liegen vor? Diese Fragen klärten Dr. Christian Geber und Ricarda Fondel aus der Arbeitsgruppe von Prof. Frank Birklein (Klinik und Poliklinik für Neurologie) mit sensorischen Tests. Die klinische Bedeutung liegt in der verbesserten differentialdiagnostischen Einordnung und Abgrenzung von Nervenschmerzen gegenüber anderen (z.B. myofaszialen) Schmerzsyndromen und ermöglicht somit auch eine gezieltere Therapie.
Beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin wurden sie dafür mit dem mit 1.750 Euro dotierten zweiten Preis der Kategorie Klinische Forschung des Förderpreises für Schmerzforschung 2009 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).
Taubheit kann auf Schmerz hinweisen
Ein Taubheitsgefühl in einer schmerzenden Körperregion kann auf einen neuropathischen Schmerz hinweisen. In der Studie zeigte sich jedoch, dass Sensibilitätsstörungen auch im Rahmen von nicht-neuropathischen Schmerzen (z.B. myofaszialen Schmerzen) häufig vorhanden sind und auch bei gesunden Probanden nach experimenteller Schmerzstimulation auftreten: So wurden Patienten mit einseitigen myofaszialen Schmerzen die Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit in der schmerzhaften Körperregion und der nicht-schmerzhaften Gegenseite untersucht. Zusätzlich wurde bei gesunden Probanden die Schmerzschwelle und Berührungsempfindlichkeit vor, 90 Minuten und 25 Stunden nach experimentellen Schmerzreizen gemessen. Zur Schmerzauslösung verwendeten die Forscher sowohl Capsaicin (Chiliwirkstoff), das in die Haut injiziert wurde, als auch elektrische Reize mittels auf der Haut befestigter Elektroden.
Sensible Veränderungen bilden sich zurück
Sowohl die Schmerzpatienten als auch die gesunden Probanden nahmen Berührungsreize im schmerzhaften Areal vermindert wahr, Schmerzreize jedoch verstärkt. Im experimentellen Studienteil zeigte sich zudem, dass diese Veränderungen den Akutschmerz überdauern und sich innerhalb eines Tages (25 Stunden) wieder vollständig zurückbilden. Die Forscher folgern daraus, dass die sensiblen Veränderungen Folge einer reversiblen neuronalen Plastizität im Rückenmark oder Gehirn sind. Ein weiterer Unterschied zu neuropathischen Schmerzen war, dass das Taubheitsgefühl diffus verteilt war und nicht an das Versorgungsgebiet z.B. peripherer Nerven gebunden.
Kontakt
Dr. med. Christian Geber, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität, Langenbeckstraße 1, 55131 Mainz, Tel.: 06131/17-5984, E-Mail: geber@uni-mainz.de
Criteria of this press release:
Medicine
transregional, national
Research results
German

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