Wissenschaftlerin von der TU München untersucht, vor welchem Hintergrund junge Frauen und Männer ihr Studium der Natur- und Ingenieurwissenschaften an deutschen Eliteuniversitäten aufnehmen und mögliche Gründe des Scheiterns am Beispiel der TU9 Universitäten.
Mehr kompetente Mitarbeiterinnen für technisch-naturwissenschaftliche Unternehmen und für Forschungseinrichtungen können nur dann gewonnen werden, wenn sich deutlich mehr qualifizierte und interessierte junge Frauen (und Männer) für diese Fächer entscheiden. Eine Vielzahl von Aktivitäten, insbesondere für junge Frauen, führte von 1997 bis 2007 tatsächlich zu einer Steigerung des Frauenanteils in den Ingenieurwissenschaften um 10.000 auf 67.000 (siehe monitorING.de).
Diese Entwicklung spiegelt sich allerdings an den TU9, den neun führenden Technischen Universitäten Deutschlands, nur bedingt wider: in den Fächern Informatik und Maschinenbau liegt der Frauenanteil deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, in Physik und Elektrotechnik entsprechen sie dem Durchschnitt.
Das Forschungsprojekt, "Spurensuche!", durchgeführt von Prof. Dr. Susanne Ihsen, Technische Universität München, Gender Studies in Ingenieurwissenschaften, untersuchte am Beispiel der TU9 Universitäten zunächst, mit welcher Motivation, mit welchem Kenntnisstand und mit welcher Selbsteinschätzung Studienentscheidungen für eine Eliteuniversität getroffen werden und identifizierte mögliche Ursachen für Studienabbrüche und -wechsel.
Zunächst wurden die Studierendenzahlen in den Studiengängen Physik, Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik sowie Informatik an den TU9 nach Geschlecht abgefragt. Es wurde ermittelt, welche Motivations- und Informationsveranstaltungen die einzelnen TU9-Universitäten anbieten. Außerdem wurde eine Analyse der zielgruppenrelevanten Internetseiten sowie der Eingangsbedingungen an den TU9 durchgeführt.
Sind junge Talente erst einmal an der Universität, ist das noch keine Garantie für einen erfolgreichen Studienabschluss. Deshalb ging es im Projekt auch darum, wie sich die Studierenden in den ersten Semestern in ihrem neuen Lebensabschnitt zurechtfinden und welche Gründe dem in diesen Fächern häufigen Studienabbruch (ca. ein Drittel aller Studienanfänger/innen im Bundesdurchschnitt) zugrunde liegen.
"Wir haben hier Handlungsbedarf identifiziert und wollen etwas tun", sagt Prof. Dr. Horst Hippler, TU9-Präsident. "Um die Potenziale für Natur- und Ingenieurwissenschaften besser zu erschließen, müssen wir genauer auf die Fächer und die einzelne Mitgliedsuniversität schauen. Was bei der einen wirkt, ist nicht zwingend auch eine Lösung für andere Universitäten," kommentiert TU9-Präsident Horst Hippler die Ergebnisse aus dem Projekt, an dem sich rund 4.500 Studierende (davon 15% Frauen) beteiligten. "Auch für unsere vielfältigen Aktivitäten vor dem Studium brauchen wir einen regelmäßigen qualitätsorientierten Austausch", so TU9-Präsident Hippler weiter. Dazu gehört, die Studienanfänger und -anfängerinnen gleich am Anfang ihres Studiums besser kennen zu lernen:
Neben den üblichen Informationswegen für junge Menschen (hauptsächlich Internetrecherchen) gehen junge Frauen und Männer zur weiteren Informationsbeschaffung in verschiedene Richtungen weiter: 48% der jungen Frauen lassen sich durch Lehrer/innen und Verwandte beraten, während 51% der jungen Männer angeben, eher durch einschlägige Hobbies und praktische Erfahrung zum Studiengang gekommen zu sein. Diese Verschiedenheit könnte eine Ursache dafür sein, dass Frauen eher besser vorbereitet ihr Studium aufnehmen, aber unsicherer sind, ob sie den Anforderungen genügen, während junge Männer mit ihren praktischen Erfahrungen und den Informationen aus der Schule zufrieden, und eher sicher sind, dass sie den Anforderungen genügen.
In den ersten Semestern wird dann z.B. in vielen Lehrveranstaltungen der Wissensstand der Leistungskurse Mathematik und Physik vorausgesetzt, aber nur 20% der Studentinnen und 30% der Studenten wählten diese Leistungskurskombination.
Über einen Studienabbruch bzw. Studiengangwechsel (Drop Out) denkt rund ein Drittel der Studierenden nach, vom ersten bis zum dritten Semester ist eine deutliche Steigerung festzustellen.
Innerhalb der Gruppe der Frauen finden sich außerdem Unterschiede im Selbstbewusstsein von Bildungsin- und ausländerinnen. Letztere sind sich deutlich sicherer, ihr Studium erfolgreich abzuschließen. Die befragten Frauen gaben mehrheitlich an, sich sozial gut im Studiengang integrieren zu können, allerdings beschreiben sie eine fortgesetzte Erwartung ihrer Umwelt, sich für ihre Studien- und Berufswahl zu rechtfertigen. "Die Universitäten und Fakultäten sollten stärker heraus stellen, dass Frauen selbstverständlich gute Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen sind. Dafür gibt es nach rund 100 Jahren Frauenstudium viele Beispiele." betont Susanne Ihsen, Leiterin des Forschungsprojektes. "Es kann nicht sein, dass wir es weiterhin der einzelnen Frau überlassen, dies immer und immer wieder zu erläutern. Gerade für Studienanfängerinnen ist das eine dauernde Zumutung."
Zufrieden sein können die TU9 mit den Antworten auf die Frage, was die Studierenden an den jeweiligen Studienort geführt hat: ein Studium an einer der technischen Eliteuniversitäten ist für 62% der Frauen und für 69% der Männer ein wesentlicher Grund für die Wahl der Universität.
Zur Diskussion der Ergebnisse und möglicher Handlungsalternativen findet am 24.11.2009 in Berlin eine öffentliche Hochschultagung statt. Hier werden die Fragen zur Schnittstelle Schule-Hochschule, zur Motivation von mehr Studentinnen, zur Berücksichtigung von verschiedenen Zielgruppen (Diversity) und zum Drop Out in Workshops vertiefend erörtert.
Gefördert wurde das Projekt "Spurensuche" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie vom Europäischen Sozialfond (ESF). Die wissenschaftliche Leitung lag in der Verantwortung von Prof. Dr. Susanne Ihsen, Gender Studies in Ingenieurwissenschaften der TU München. Unterstützt wurde es von allen TU9-Universitäten (RWTH Aachen, TU Berlin, Technische Universität Carolo Wilhelmina zu Braunschweig, Technische Universität Darmstadt, Technische Universität Dresden, Leibniz Universität Hannover, Universität Karlsruhe (TH), Technische Universität München (TUM) und Universität Stuttgart).
Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen, die am 24.11.2009 (Beginn: 11 Uhr)im Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Schiffbauerdamm 40, 10117 Berlin stattfindet.
Melden Sie sich hier an: http://www.lte.ei.tum.de/gender/spurensuche.html
Pressekontakt "Projekt Spurensuche"
Prof. Dr. Susanne Ihsen
Technische Universität München
Gender Studies in Ingenieurwissenschaften
Theresienstr. 90
80290 Muenchen
Tel.: +49-89-289 22936
Fax: +49-89-289 22938
E-Mail: ihsen@tum.de
Criteria of this press release:
interdisciplinary
transregional, national
Scientific conferences, Studies and teaching
German

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