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09/15/1997 00:00

Kriegsaltlasten - Verstoss gegen Verursacherprinzip

Dr. Josef König Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Bochum, 15.09.1997 Nr. 161

    Verstoß gegen das Verursacherprinzip Gewerbebetriebe als Opfer kriegsbedingter Altlasten Neues Ablaufschema zur Erfassung der Kriegsschäden

    Ein klarer Verstoß gegen das Verursacherprinzip: Grundstückseigentümer oder Unternehmer müssen für die Beseitigung von Altlasten zahlen, obwohl häufig nicht sie, sondern der Krieg für den Schaden verantwortlich ist. Dr. Gerhard Ruppel, Leiter des Sachgebietes Altlasten und Immissionsschutz der Stadt Gelsenkirchen, deckt dies auf in seiner Bochumer Dissertation ,Die Erfassung kriegsbedingter Altlasten des Zweiten Weltkrieges unter besonderer Berücksichtigung Nordrhein-Westfalens". Dafür hat er auch ein Erfassungs-Instrumentarium erarbeitet, das neben Werksdaten der Industrie und Genehmigungsakten der Behörden besonders auf Aufklärungs-Luftbilder der Alliierten zurückgreift. Betreut wurde seine Untersuchung von Prof. Dr. Jürgen Dodt (Geographie, Luftbildauswertung, Fernerkundung, Fakultät für Geowissenschaften der RUB).

    Sinn und Unsinn einer Definition

    Kriegsbedingte Altlasten sind in der Regel flüssige Schadstoffe, die nach Bombentreffern aus Tanks oder Leitungen ausliefen und so in den Boden oder das Grundwasser gelangten. Der Abriß kriegszerstörter Anlagen und die Ablage von Schutt hat die gefährlichen Chemikalien weiterverteilt. Bislang wurde eine mögliche öffentliche Beteiligung an den Untersuchungs- und Sanierungskosten lediglich bei Altlasten ehemaliger Rüstungsbetriebe diskutiert. Diese Überlegungen auf zivile Standorte zu übertragen, war insbesondere an der Befürchtung gescheitert, ,normale" und kriegsbedingte Altlasten nicht genau abgrenzen zu können.

    Ausgefeiltes Instrumentarium

    In seiner Studie zeigt der Bochumer Wissenschaftler, daß sein Ablaufschema, zwar nicht genau quantitativ, aber doch qualitativ und der Dimension nach kriegsbedingte Altlasten erkennen läßt. Ruppel greift zu diesem Zweck auch auf Aufklärungs-Luftbilder der Alliierten zurück, die in großer Zahl vorhanden sind. Besonders wertvoll sind die zugehörigen ,reports" der alliierten Auswerte-Teams, die die sichtbaren Schäden beschrieben haben und eine Prognose der Reparaturzeit abgaben - ursprünglich eine taktische Hilfe, wann der nächste Angriff sich lohnen würde.

    3 Stufen Plan

    Ruppels Schema ist ein 3-Stufen-Plan: Nach der Lokalisierung des Kriegsschadens stellt er Art und Ursache fest, um daraus eine Prognose der heutigen Altlast abzuleiten. Konkrete Hinweise liefern dazu auch alte Werksakten der Industrie, Lagepläne von Behörden, städtische Bombenpläne, Kriegschroniken, Angaben zu Munition der Alliierten und schließlich empirische Ergebnisse der Boden- und Grundwasseruntersuchungen.

    Erfassungskosten nicht unerheblich

    Das von Ruppel erarbeitete Erfassungs-Instrumentarium ist in seiner Detailschärfe aufwendig: 5 - 10 % der späteren Sanierungskosten können dafür anfallen. Synergieeffekte könnten jedoch die Aufwendungen relativieren. So ließen sich etwa Luftbildauswertungen der Behörden und der privatwirtschaftlichen Kampfmittelsuche kostensenkend verbinden oder andere notwendige Erhebungen sinnvoll kombinieren.

    Bund sollte sich beteiligen

    Ruppel tritt damit dem Argument energisch entgegen, man solle die Ursachenforschung und damit die Haftungsfrage - aus Kostengründen - fallenlassen. Zugleich wirft er die Frage auf, ob sich nicht der Bund an den sehr kostenaufwendigen Maßnahmen der Gefahrenbeseitigung (inclusive Sanierungsuntersuchung) bei den kriegsbedingten Altlasten beteiligen kann.

    Weitere Informationen: Dr. Gerhard Ruppel, Tel. 0209/169-9529, 0209/469122


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    Criteria of this press release:
    Biology, Economics / business administration, Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate
    transregional, national
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    German


     

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