Zehn Vorlesungsreihen über württembergische Frauen, Ludwig Uhland, die faszinierende Mikro- und Nanowelt, Armut in Deutschland, bedrohte Ordnungen und altägyptische Tempel
Das Studium Generale-Programm der Universität Tübingen zum Wintersemester 2012/2013 ist erschienen und liegt in der Universität, dem Unishop in der Wilhelmstraße und in Tübinger Buchhandlungen aus. Im Internet ist es unter www.uni-tuebingen.de/studium-generale einzusehen. Auch in diesem Semester richtet sich das traditionelle und spannende Programm an Studierende aller Fachrichtungen und die interessierte Öffentlichkeit der Region. Es umfasst insgesamt zehn Ringvorlesungen, die so unterschiedliche Themen behandeln wie Frauen in Württemberg, Schule im Film, Ludwig Uhland zum Jubiläum, Armuts(selbst)zeugnisse, Jüdische Literatur in Deutschland, Einblicke in die Mikro- und Nanowelt, Große Figuren der Religionen im Spiegel der Literatur, Bedrohte Ordnungen, Mythen, Wissenschaft und Alltag in den Tempeln Ägyptens und die Konfessionen der Neuzeit. Hinzu kommen weitere musisch-künstlerische Angebote der Universität wie das Studio Literatur und Theater, das Zeicheninstitut oder das Collegium musicum.
Die Reihe Frauen in Württemberg (jeweils montags, 18 Uhr) wird vom Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften (IfGL) organisiert. Immer noch sind es eher die „große Politik“ und männliche Herrschaftsträger oder Institutionen, die im Mittelpunkt des historischen Erkenntnisinteresses stehen. Dabei gab es in Württemberg in allen historischen Epochen Frauen, die eine aktive Rolle in der Gesellschaft übernahmen, die Herrschaft ausübten oder künstlerisch tätig waren. Ziel der interdisziplinär angelegten Ringvorlesung ist es, diese Frauen sichtbar zu machen. Das Spektrum reicht von anonymen Frauen in Alemannien bis zu Karoline Kaulla aus Hechingen, der ersten Unternehmerin Südwestdeutschlands.
Die Erziehungswissenschaftler Philipp Thomas und Thorsten Bohl organisieren montags um 18 Uhr die Ringvorlesung Schule im Film. Im Fokus stehen filmische Dokumente über Schule, Lehrerhandeln, den Schüleralltag, das Lernen und die Weiterentwicklung der Institution Schule. Wie gelingen Modellschulen? Wie lernen wir? Was macht die Professionalität von Lehrkräften aus? Wer eignet sich als Lehrerin oder Lehrer? Was verbindet Schulen in ganz unterschiedlichen Kulturen? Diese und andere Fragen werden in der Filmreihe beleuchtet. Schule wird gezeigt in ihrer Schönheit, wo sie gelingt, aber auch hinsichtlich der großen Herausforderungen, ja Gefährdungen des schulischen Alltags. Jeder Film wird von einem Dozenten der Universität Tübingen eingeführt.
Jeweils montags, 20 Uhr findet die Reihe „Versunken und vergessen...?“ Ludwig Uhland nach 150 Jahren statt – organisiert vom Rhetoriker Dietmar Till und vom Kulturwissenschaftler Bernhard Tschofen. Das Jahr 2012 ist ein doppeltes Uhlandjahr: Am 26. April jährte sich sein Geburtstag zum 225. Mal, und der 13. November ist der 150. Todestag des großen Tübingers. Doch wird der Anlass außerhalb Tübingens wohl keine großen Spuren hinterlassen, Uhlands Bedeutung und Anerkennung heute steht in keinem Verhältnis zu der außerordentlichen Verehrung, die dem Vielseitigen bereits zu Lebzeiten und jedenfalls im gesamten 19. Jahrhundert zukam. Die Ringvorlesung fragt ganz bewusst nach „Des Dichters Fluch“ und will das prekäre Verhältnis von Aktualität und Anachronizität des fast Vergessenen befragen. Dabei sollen vor allem die Beziehungen zwischen Uhlands unterschiedlichen Wirkungssphären – Poesie, Philologie und Politik – thematisiert werden, um neue Anknüpfungspunkte für die Diskussion einer unzeitgemäßen, aber vielleicht erst zu entdeckenden Modernität zu geben.
Der katholische Sozialethiker Matthias Möhring-Hesse organisiert in Verbindung mit dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften dienstags, 18 Uhr die Ringvorlesung Armuts(selbst)zeugnisse. Was wissen die Wissenschaften von der Armut der Armen – und was wissen sie von deren Sicht der Dinge? Nach langer Abstinenz ist die Armut in die Bundesrepublik zurückgekehrt. Vielen, auch Experten in Parlamenten, Redaktionen oder Universitäten, gelten die Armen selbst als die Ursache ihrer Armut. Wie die von Armut Betroffenen ihre Armut erfahren, wie sie diese beurteilen, bleibt dabei weitgehend unbekannt. Ob sie ihre Armut für ungerecht und was sie daran für ungerecht halten, interessiert nicht. Mit welchen Gerechtigkeitsvorstellungen sie über ihre Armut und über ihr sozialstaatliches „Fördern und Fordern“ hinausdenken, beschäftigt die Öffentlichkeit nicht. Damit bleibt das öffentliche Wissen von der Armut im Lande und deren Beurteilung unzureichend. Diesen Missstand versucht diese Reihe in ersten Ansätzen aufzuzeigen.
Der Komparatist Jürgen Wertheimer bestreitet jeweils dienstags, 20 Uhr allein die Reihe Jüdische Literatur in Deutschland. Anhand ausgewählter Einzelfallstudien will er versuchen, die Spuren der Begegnung zweier Kulturen von der Aufklärung bis zur Moderne zu verfolgen. Insbesondere die Debatten um Integration und Assimilation, um Transkulturalismus und Interkulturalität lassen es geraten erscheinen, auch die Frage nach der besonderen Art der deutsch-jüdischen Beziehung neu zu stellen: Rassismus und Xenophobie sind dabei ebenso zu thematisieren wie Stereotypen und Klischees.
Ebenfalls dienstags, 20 Uhr gibt es wieder einmal eine naturwissenschaftliche Reihe zum Thema Einblicke in die Mikro- und Nanowelt. Das neugegründete Tübinger Zentrum für Licht-Materie-Interaktion, Sensoren und Analytik LISA+ stellt sich damit erstmals öffentlich vor. Eine Vielzahl hochinteressanter Effekte und Wechselwirkungen in der Natur spielt sich auf der Mikro- und Nanometerskala ab. Durch moderne Technologie und ausgefeilte Fabrikations- und Analysemethoden wird diese Skala zunehmend experimentell zugänglich. Das Ziel der an LISA+ beteiligten Gruppen ist insbesondere die Erforschung kollektiver Quantenphänomene und der Licht-Materie-Wechselwirkung auf den Gebieten der Nanophotonik, Plasmonik und Photovoltaik sowie die Sensor-Entwicklung und Sensorik.
Mit der Reihe Große Figuren der Religionen im Spiegel der Literatur gibt der Katholische Theologe Karl-Josef Kuschel immer mittwochs, 18 Uhr seine Abschiedsvorstellung im Studium Generale. Große Figuren der Religionen haben - oft kaum wahrgenommen - Wirkungen erzielt weit über die Welt der Religionen hinaus. Diese zeigen sich in ihrer Faszination und Komplexität gerade bei Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Denen geht es weniger um religionsgeschichtliche Rekonstruktion oder religionstheologische Konfrontation, als um erfahrungsbezogene, authentische Interpretation der Überlieferungen. Dieser unvermuteten Wirkungsgeschichte großer Gestalten aus der Welt von Buddhismus, Taoismus, Judentum und Christentum geht die Vorlesungsreihe nach.
Seit Sommer 2011 untersuchen im Sonderforschungsbereich (SFB) 923 „Bedrohte Ordnungen“ (Sprecher Ewald Frie) Tübinger Forscher Gesellschaften, die unter hohen Druck geraten. Sie wollen herausfinden, ob und wie sich Ordnungen ändern, die soziale Gruppen oder ganze Gesellschaften strukturieren, sobald sie mit existenzgefährdenden Bedrohungen konfrontiert werden. Mit der Ringvorlesung Bedrohte Ordnungen – Neue Perspektiven auf Gesellschaften im Wandel (mittwochs, 20 Uhr) geben die Mitglieder des SFB Einblicke in ihre laufenden Forschungsarbeiten. Vertreter verschiedener Wissenschaftsdisziplinen präsentieren Fragestellungen, Quellen und erste Ergebnisse. Sie vergleichen „Bedrohte Ordnungen“ über Zeiten und Räume hinweg. Und sie fragen, welche Bedeutung ihre Thesen und Ergebnisse für uns haben; für eine Gesellschaft, in der das Reden über Krisen und Katastrophen Alltag geworden ist.
Der Ägyptologe Christian Leitz organisiert in Zusammenarbeit mit der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (HAW) donnerstags 18 Uhr die Ringvorlesung KultOrte. Mythen, Wissenschaft und Alltag in den Tempeln Ägyptens. Zu den bedeutendsten Hinterlassenschaften der altägyptischen Kultur zählen die seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Stein errichteten und auf ewigen Bestand ausgelegten Tempel, die auf vielfältige Weise Einblicke in die Welt und Glaubensvorstellungen der Ägypter ermöglichen. Als wirtschaftlicher Betrieb und Zentrum der Lehre und Wissenschaft waren diese Heiligtümer mehr als eine Wohnstätte für die Götter und Stätte des Kultvollzugs. Sie stellen aufgrund ihrer durchdachten und komplexen Architektur sowie der Fülle an Inschriften eine einzigartige Quellensammlung des religiös bestimmten Wissens der alten Ägypter dar. Begleitend zur gleichnamigen Ausstellung während des Wintersemesters beleuchtet die Vortragsreihe die verschiedenen Aspekte dieser Bauwerke: Architektur, Dekoration und Kultgeschehen werden in ihrem komplexen Zusammenspiel vorgestellt.
Schon seit einigen Jahren blickt die Evangelische Kirche in Deutschland mit der „Lutherdekade“ auf das Jahr 2017 voraus. In diese Zeitspanne fällt im Jahre 2013 ein doppeltes Jubiläum: Sowohl der Heidelberger Katechismus als auch der Abschluss des Konzils von Trient jähren sich zum 450. Mal. Dies nehmen die Organisatoren der Ringvorlesung Vielfältiges Christentum. Dogmatische Spaltung - kulturelle Formierung - ökumenische Überwindung? (donnerstags, 20 Uhr) zum Anlass, Genese, Ausprägung und Versuche der Überwindung der konfessionellen Differenzen in der Neuzeit zu thematisieren; die Existenz zweier konfessioneller Fakultäten in Tübingen bietet hierzu besondere Möglichkeiten des Gesprächs.
Flyer zum Studium Generale können angefordert werden unter:
Sekretariat-Kommunikation[at]verwaltung.uni-tuebingen.de
Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
interdisciplinary
regional
Miscellaneous scientific news/publications
German

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