Eine Lanze für Gewerkschaften brechen zwei Volkswirte der Universitäten Würzburg und Mainz im Fachblatt „The Economic Journal“. Ihr Fazit: Ohne Gewerkschaften wäre es um die Arbeitssicherheit in den Industrienationen heute wesentlich schlechter bestellt.
„Die meisten Wirtschaftswissenschaftler haben eine schlechte oder eine sehr schlechte Meinung über Gewerkschaften“, sagt Dr. Alejandro Donado vom Volkswirtschaftlichen Institut der Universität Würzburg. Gewerkschaften setzen immer wieder höhere Löhne durch, die Unternehmen schaffen darum weniger Arbeitsplätze, die Arbeitslosigkeit steigt, die Volkswirtschaft nimmt Schaden: „Diese Einstellung ist für die Mehrzahl der Wissenschaftler ganz typisch“, so der Würzburger Volkswirt.
Alejandro Donado und sein Kollege Professor Klaus Wälde von der Universität Mainz sind da anderer Ansicht. „Man darf sich bei diesem Thema nicht zu stark auf die Lohnpolitik konzentrieren, wie es die meisten Wissenschaftler tun. Man muss auch andere Aktivitäten der Gewerkschaften berücksichtigen. Dann fällt das Bild sehr viel besser aus.“
Theoretisches Modell entwickelt
Donado und Wälde haben darum ein neues theoretisches Modell entwickelt, mit dem sie das gewerkschaftliche Engagement für die Sicherheit am Arbeitsplatz darstellen. Im „Economic Journal“ präsentieren sie es. Ihm zufolge gäbe es an den heutigen Arbeitsplätzen ohne den Einsatz der Gewerkschaften wesentlich höhere Gesundheits- und Sicherheitsrisiken, den Menschen und der Gesellschaft als Ganzes ginge es deutlich schlechter.
Die Wissenschaftler machen das an einem Beispiel aus der Vergangenheit der USA deutlich. Im Bergbau erkrankten Arbeiter durch das jahrelange Einatmen von feinem Staub häufig an der Staublunge. „Schon 1831 brachte ein Arzt die Staublunge mit den Arbeitsbedingungen in Verbindung. Doch es brauchte noch 130 Jahre und viele Krankheitsfälle, Proteste, Streiks und Analysen, bis dieser Zusammenhang anerkannt wurde und ein entsprechendes Arbeitsschutzgesetz für mehr Sicherheit sorgte“, so die Autoren.
Ähnliche Beispiele für die Effektivität koordinierter Arbeiteraktionen, die zur Anerkennung von Berufskrankheiten führten, gebe es in der Landwirtschaft, der keramischen Industrie und der Autoindustrie. Stets hätten sich die „Nebenwirkungen“ neuer Produktionsmethoden erst nach und nach offenbart, am Anfang seien sie in aller Regel komplett ignoriert worden. Dieser Mechanismus finde sich in der Gegenwart wieder – das zeige die Debatte zur Frage, ob „Burnout“ und andere Stress-Symptome als Berufskrankheiten einzuordnen sind.
Weitere Forschungen nötig
Mit ihrer Arbeit wollen Donado und Wälde auch erreichen, dass sich weitere Wirtschaftswissenschaftler mit dem Thema beschäftigen und nach und nach mehr Zahlen und Fakten liefern. „Dafür ist unser Modell wichtig, denn in der theoretischen Literatur hat es für diesen Bereich bislang keines gegeben“, sagt Donado.
“How Trade Unions Increase Welfare”, Alejandro Donado and Klaus Wälde, The Economic Journal, Volume 122, Issue 563, pages 990–1009, September 2012, DOI: 10.1111/j.1468-0297.2012.02513.x
Kontakt
Dr. Alejandro Donado, Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Internationale Makroökonomik, Universität Würzburg, T (0931) 31-82952, alejandro.donado@uni-wuerzburg.de
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students
Economics / business administration, Social studies
transregional, national
Scientific Publications
German

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