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04/03/2013 23:01

Eine ausgestorbene Schildkröte weniger - Schildkrötenart auf den Seychellen hat niemals existiert

Dr. Sören Dürr Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

    Dresden, den 03.04.2013. Die bisher als ausgestorben geltende Schildkröte Pelusios seychellensis gibt es nicht. Dies haben Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstitutes in Dresden anhand von Erbgutanalysen herausgefunden. Die zugehörige Studie wurde heute im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht.

    Schildkröten sind die am stärksten bedrohten Wirbeltiere. Unter den rund 320 Arten hat es besonders die Insel-Schildkröten hart getroffen: Eine ganze Reihe von Arten wurde bereits durch den Menschen ausgerottet. Eine davon – so dachte man zumindest – ist die Seychellen-Klappbrustschildkröte Pelusios seychellensis. Gerade einmal drei Exemplare dieser Art wurden Ende des 19. Jahrhunderts gesammelt; sie werden bis heute im Naturhistorischen Museum Wien und dem Zoologischen Museum Hamburg aufbewahrt.

    Der durch die International Union for Conservation of Nature (IUCN) als „ausgestorben“ klassifizierte Panzerträger wurde nach den Funden im 19. Jahrhundert trotz intensiver Suche nie mehr gefunden. „Folglich hat man angenommen, dass die Schildkröten durch den Menschen ausgerottet wurden“, erklärt Prof. Dr. Uwe Fritz, Leiter des Museums für Tierkunde an den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden. Dass dies so nicht stimmt, stellt der Dresdner Biologe klar: „Wir haben die DNA des originalen Typusexemplars aus dem Wiener Museum untersucht und herausgefunden, dass es sich bei den Schildkröten um keine eigene Art handelt.“

    Die Erbgutanalysen der Dresdner Wissenschaftler haben gezeigt, dass es sich bei der angeblichen Seychellen-Art in Wirklichkeit um die im westafrikanischen Raum weitverbreitete Schildkröten-Art Pelusios castaneus handelt. „Die Art Pelusios seychellensis hat es also niemals gegeben“, ergänzt Fritz. „Tatsächlich hatten sich Forscher immer wieder gewundert, dass die angeblichen Seychellen-Schildkröten den westafrikanischen Schildkröten täuschend ähnlich sehen. Doch aufgrund der großen geographischen Distanz dachte man, dass es eine andere Art sein muss, weswegen die vermeintlichen Seychellen-Schildkröten 1906 auch als neue Art beschrieben wurden.“

    Eine weitere als einheimisch klassifizierte Art verschwindet damit von der Artenliste der Seychellen. Bereits im letzten Jahr hatten Fritz und seine Kollegen bewiesen, dass die Art Pelusios subniger nicht endemisch auf den Seychellen vorkommt, sondern vom Menschen eingeschleppt wurde.

    „Auf den Seychellen gibt es demnach höchstens eine Süßwasser-Schildkröte, die einheimisch sein könnte, ebenfalls eine Klappbrustschildkröte. Und selbst bei dieser Art sind wir uns noch unsicher, ob sie tatsächlich endemisch ist“, sagt Fritz. Bisher konnten die Biologen aus Dresden diese Möglichkeit aufgrund des unvollständigen Probenmaterials aber noch nicht untersuchen.

    „Sicher ist aber schon jetzt, dass die Schutzkonzepte für Schildkröten auf den Seychellen überarbeitet werden müssen, um wirklich endemische Tierarten zu schützen und um das für den Artenschutz knappe Geld sinnvoll einzusetzen“, fasst Fritz zusammen.

    Bitte Sperrfrist beachten:
    DIE PRESSEMITTEILUNG IST BIS
    3. APRIL 2013, 23:00 UHR MESZ UNTER EMBARGO.

    Publikation
    Heiko Stuckas, Richard Gemel, Uwe Fritz (2013): One extinct turtle species less: Pelusios seychellensis is not extinct, it never existed. PLOS ONE, http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0057116

    Kontakt
    Prof. Dr. Uwe Fritz
    Senckenberg Naturhistorische
    Sammlungen Dresden
    Tel. 0351 - 795841 4326
    Uwe.Fritz@senckenberg.de

    Regina Bartel
    Pressestelle
    Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
    Tel. 069- 7542 1434
    regina.bartel@senckenberg.de

    Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur, ihrer Ursachen und Wirkungen, vermittelt. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.


    More information:

    http://www.senckenberg.de/presse - Hier finden Sie Pressemitteilung und Bildmaterial zum Download.


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    Die westafrikanische Klappbrustschildkröte Pelusios castaneus bekam durch einen wissenschaftlichen Fehler einen „ausgestorbenen Doppelgänger“ von den Seychellen.
    Die westafrikanische Klappbrustschildkröte Pelusios castaneus bekam durch einen wissenschaftlichen F ...
    Source: © Dr. Mark-Oliver Rödel


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

    Die westafrikanische Klappbrustschildkröte Pelusios castaneus bekam durch einen wissenschaftlichen Fehler einen „ausgestorbenen Doppelgänger“ von den Seychellen.


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