idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Share on: 
04/09/2013 12:36

Wie wirksam sind Gruppentherapien bei psychischen Störungen?

Dr. Uta von der Gönna Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

    In systematischen Meta-Analysen evaluieren Wissenschaftler des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Jenaer Universitätsklinikum die Wirksamkeit von Gruppenpsychotherapien. Ziel des Projektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, sind Empfehlungen für den effektiven Einsatz von Gruppentherapien in der psychotherapeutischen Praxis, vor allem im ambulanten Bereich.

    Psychotherapie in Gruppen gehört vor allem in psychotherapeutisch-psychosomatischen und in psychiatrischen Kliniken zum Standardrepertoire. In der ambulanten Versorgung werden Gruppentherapien allerdings nach wie vor eher selten angeboten. Denn viele Patienten stehen einer Gruppentherapie eher skeptisch gegenüber. Sie finden es schwierig, negative Gefühle, persönliche und vertrauliche Inhalte mit fremden Personen zu teilen, und befürchten, dass die Gruppensituation die eigene Individualität beeinträchtigt.

    Gerade in der Gruppensituation sieht Prof. Dr. Bernhard Strauß einen wichtigen therapeutischen Aspekt: „Hier werden Mechanismen wirksam, die sich in der Einzeltherapie häufig nicht realisieren lassen“, so der Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Jena Uniklinikum. Als Beispiele nennt er Identifizierungs-, Zusammengehörigkeits- und Akzeptanzgefühle oder die Bearbeitung zwischenmenschlicher Probleme, die genauso therapeutisch genutzt werden können wie das Feedback von Gruppenmitgliedern zum eigenen Verhalten. Hinzu kommt, dass die Gruppenpsychotherapie auch unter ökonomischen Gesichtspunkten als viel versprechender Behandlungsansatz gilt, da mehrere Patienten simultan behandelt werden.

    Eine Vielzahl von Einzelstudien beschreibt die Wirksamkeit von Gruppentherapien, für einzelne psychische Störungsbilder gibt es auch systematische Übersichtsarbeiten. Anhand standardisierter Parameter wollen Prof. Strauß und seine Mitarbeiter diese Studien und Publikationen jetzt in Meta-Analysen zusammenfassen. Das gerade gestartete Forschungsprojekt ist auf zwei Jahre angelegt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

    „Wir bewerten die Wirksamkeit bei den häufigsten psychischen Störungen, wie affektiven Störungen, Panikstörung, sozialer Phobie, Zwangsstörungen, substanzinduzierten Störungen, Traumafolgestörungen und Essstörungen hinsichtlich psychologischer und auch ökonomischer Kriterien“, beschreibt Psychologin Dr. Jenny Rosendahl das Vorhaben. Dabei wird die Gruppentherapie sowohl mit der Einzel-Psychotherapie und der Pharmakotherapie verglichen, als auch mit verschiedenen Kontrollgruppen. Projektpartner ist die Arbeitsgruppe von Prof. Gary M. Burlingame an der Brigham Young Universität in Provo, Utah, die sich derzeit mit der Zusammenfassung von Studien zur Wirksamkeit von Gruppenpsychotherapie bei Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen beschäftigt.

    Die entstehenden Meta-Analysen sollen zur besseren Vergleichbarkeit und Bewertung vorliegender Studien beitragen, um die jeweils wirksamsten Therapiemethoden identifizieren und so Empfehlungen für die Praxis zum effektiven Einsatz von Gruppenpsychotherapien ableiten zu können. „Mit diesem Projekt können wir das therapeutische Potential von Gruppen weiter verdeutlichen und das Image der Gruppenpsychotherapie bei Patienten, insbesondere auch im ambulanten Bereich, verbessern“, ist sich Bernhard Strauß sicher.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Bernhard Strauß
    Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie
    Universitätsklinikum Jena
    Tel.: 03641/936700
    E-Mail: bernhard.strauss[at]med.uni-jena.de


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Medicine, Psychology
    transregional, national
    Research projects
    German


    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).

    Cookies optimize the use of our services. By surfing on idw-online.de you agree to the use of cookies. Data Confidentiality Statement
    Okay