idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
1000. idw-Mitglied!
1000 Mitglieder
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Share on: 
12/09/2013 13:56

Hormonaktive Umweltstoffe verändern das geschlechtstypische Verhalten bei Schulkindern

Dr. Katharina Beyen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung - IUF

    Umweltwissenschaftler aus Bochum, Düsseldorf und Münster fanden in einer jetzt veröffentlichten epidemiologischen Studie, dass eine erhöhte vorgeburtliche Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCBs) und Dioxinen in aktuellen Umweltkonzentrationen das geschlechtstypische Verhalten bei Jungen und Mädchen im Schulalter verändert: Bei zunehmender vorgeburtlicher Belastung zeigten Jungen ein verstärktes und Mädchen ein abgeschwächtes weibliches Verhalten.

    Eine erhöhte vorgeburtliche Belastung mit polychlorierten Biphenylen (PCBs) und Dioxinen in aktuellen Umweltkonzentrationen verändert das geschlechtstypische Verhalten bei Jungen und Mädchen im Schulalter. Dies berichten Umweltwissenschaftler aus Bochum, Düsseldorf und Münster in einer jetzt in der Fachzeitschrift „Environmental Health Perspectives“ veröffentlichten epidemiologischen Studie.

    Die Wissenschaftler hatten zwischen 2000 und 2002 in Duisburg bei 232 schwangeren Frauen im Blut und kurz nach der Geburt in der Muttermilch die Konzentrationen von insgesamt 35 PCBs und Dioxinen gemessen. Sieben Jahre später beurteilten die Mütter das typische Verhalten ihrer Kinder im Schulalter mit einem international validierten Fragebogen hinsichtlich ihrer Spielzeugpräferenzen, ihres Spielverhaltens und anderer geschlechtstypischer Verhaltensmerkmale. Die Zusammenhänge zwischen Maskulinität bzw. Femininität im Verhalten und den vorgeburtlichen PCB- und Dioxin-Konzentrationen wurden statistisch geprüft. Als Hauptergebnis fanden sich nach Mütterurteil deutlich konzentrationsabhängige Veränderungen im geschlechtstypischen Verhalten der Kinder, und zwar zeigten bei zunehmender vorgeburtlicher Belastung Jungen ein verstärktes und Mädchen ein abgeschwächtes weibliches Verhalten.

    Sexualhormone spielen eine zentrale Rolle bei der geschlechtstypischen Entwicklung des Gehirns. PCBs und Dioxine, aber auch andere Umweltstoffe, wie die viel als Weichmacher verwendeten Phthalate und Bisphenol A, gelten als hormonaktive Substanzen (endocrine disrupting chemicals = EDCs). EDC-bedingte Störungen des hormonellen Umfeldes während der vorgeburtlichen Hirnreifung könnten somit die biopsychologische Grundlage der hier gefundenen Zusammenhänge sein. Da aufgrund umweltpolitischer Maßnahmen seit Jahren ein Rückgang der PCB- und Dioxinbelastungen in der Umwelt gemessen wird, ist künftig diesbezüglich eine Minderung des Gefährdungsrisikos anzunehmen, nicht jedoch für andere EDCs, die bislang weniger Beachtung gefunden haben.

    Kontakt:
    Dr. Gerhard Winneke (gerhard.winneke@gmx.de)
    Prof. (i.R) für Medizinische Psychologie, HHU Düsseldorf
    Quellenweg 16, 25421 Pinneberg
    Tel. 04101-7878760/01728084866


    more information:

    http://ehp.niehs.nih.gov/wp-content/uploads/121/11/ehp.1306533.pdf


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Environment / ecology, Medicine, Psychology
    transregional, national
    Research results
    German


    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).