Berlin – Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat Staatsministerin Aydan Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, in einem Brief aufgefordert, sich nicht als Schirmherrin für die Initiative „ekip – Werkstatt Gesundheitsförderung“ zur Verfügung zu stellen. Hintergrund des Appells: Sponsor der Initiative, die Übergewicht bei türkischstämmigen Kindern und Jugendlichen vorbeugen will, ist der Süßwarenhersteller Mars Deutschland. „Die Beteiligung von Mars Deutschland schadet der Glaubwürdigkeit dieser Initiative massiv“, heißt es in dem Brief. „Lebensmittelhersteller wie Mars Deutschland tun alles andere, als sich für gesunde Ernährung einzusetzen.“
Die ekip-Initiative lädt am 25. Februar interessierte Akteure zu einer Veranstaltung in die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft ein, um einen gemeinsamen Dialog zu starten. Ekip – das türkische Wort für „Team“ – will Praktiker aus Präventionsprojekten und Vertreter von Migranten-Organisationen, Sozialverbänden sowie der Wissenschaft in Workshops zusammenführen, damit die Gesundheitsförderung bei Familien mit Migrationshintergrund verbessert wird. Wie Studien zeigen, haben türkischstämmige Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas sowie die entsprechenden Folgeerkrankungen, darunter Diabetes. Zu den Beteiligten der Initiative „ekip – Werkstatt Gesundheitsförderung“ gehören die Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (peb), die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD), die Deutsche Sportjugend und Mars Deutschland. „Mit der Unterstützung von Bewegungs- und Ernährungsinitiativen“, heißt es über die Beteiligung des Schokoriegel-Herstellers Mars, „möchte das Unternehmen zur Förderung eines ausgewogenen Lebensstils beitragen“.
„Diese Aussage empfinden wir als zynisch“, schreibt die Deutsche Diabetes Gesellschaft in diesem Zusammenhang an Staatsministerin Özoğuz. Denn Süßwarenhersteller wie Mars tun das genaue Gegenteil, und zwar bewusst. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, Produkte mit besonders hohem Zucker-, Salz- und Fettanteil zu vermarkten. Damit tragen sie direkt zur dramatischen Übergewichtswelle und deren Folgeerkrankungen bei. „Anders formuliert: Mars & Co. sind das Problem, das sie hier zu lösen vorgeben“, heißt es in dem Schreiben. Es wäre bedauerlich, betont die Fachgesellschaft, wenn die Staatsministerin sich für eine derart durchsichtige Alibi-Kampagne einspannen ließe. Sinnvoller wäre es, mit geeigneten Maßnahmen darauf hinzuwirken, dass ungesunde Lebensmittel weniger Absatz finden und die Hersteller gesündere Produkte entwickeln würden.
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft setzt sich angesichts des dramatischen Anstiegs von Diabeteserkrankungen seit Jahren für eine Zucker-Fett-Steuer auf ungesunde Lebensmittel in Deutschland ein. In diesem Zusammenhang hat die Fachgesellschaft schon mehrfach irreführende Werbung und Sponsoring kritisiert, etwa Kampagnen der deutschen Nationalmannschaft für McDonald‘s oder Ferrero. Inzwischen fordern Wissenschaftler auch auf internationaler Ebene neue Strategien gegen die Zunahme von Fettleibigkeit bei Kindern. So haben Forscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ dafür plädiert, dass sich die Marketingstrategien der Nahrungsmittelindustrie ändern sollten. „Dicke Kinder sind eine Investition für künftige Umsätze“, stellte Tom Lobstein, Policy Director der internationalen Fachgesellschaft World Obesity Federation, fest.
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Medicine
transregional, national
Transfer of Science or Research
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