idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
09/09/2016 14:37

Darfur im Blick der internationalen Politik

Meike Drießen Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

    Vom Darfurkonflikt, bei dem im Westen des Sudan seit 2003 mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben gekommen sind, hat jeder schon gehört. Bochumer Forscher vom Institut für Diaspora- und Genozidforschung haben jetzt die Deutung des Konflikts untersucht: Wie argumentierte das Regime? Was berichteten die Untersuchungskommissionen? Welche Rolle spielten Deutungsmuster bei der politischen Debatte? Sie zeigen, dass das Bild des Konflikts ein sehr schillerndes ist, das durch viele Akteure beeinflusst wurde.

    Klimakrieg – aber nur, wo es passt

    Ein beliebtes Deutungsmuster in den 2000er-Jahren war der Klimakrieg: ein gewalttätiger Konflikt aufgrund der Folgen der Erderwärmung. Im Zusammenhang mit dem Darfurkonflikt wurde es ab 2006 zwar häufig benutzt, aber fast nur in klimapolitischen Zusammenhängen, stellen die Forscher fest. Ausschließlich die sudanesische Führungsriege bediente sich dieses Musters, um ihre eigene Verantwortung zu kaschieren.

    Gescheiterter Staat

    Ein anderes Deutungsmuster ist das vom „gescheiterten Staat“, als dessen Musterbeispiel der Sudan schon vor dem Ausbruch des Darfurkonflikts galt. Allerdings ist das Konzept sehr unscharf. Verschiedene Sprecherinnen und Sprecher meinen unterschiedliche Dinge damit und leiten jeweils verschiedene Handlungsempfehlungen ab. „Akademisch inspirierte Begriffe wie dieser finden schnell Eingang in die Debatte um konkrete Gewaltsituationen und haben das Potenzial, die politische Praxis zu beeinflussen“, stellt Prof. Dr. Mihran Dabag, Leiter des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung, fest. „Sie unterliegen aber einem starken Interpretationsprozess.“ Vage Konzepte, die auf einen vielschichtigen Gegenstand treffen, sorgen für variable Auslegungen.

    Vorsicht mit vermeintlich objektiven Berichten

    Besonderes Interesse der Forscher galt der Rolle der Untersuchungskommissionen, die vor Ort Informationen über den Konflikt einholen sollten und durch ihre Berichte das Handeln der internationalen Staatengemeinschaft stark beeinflussten. Der Vergleich der Berichte zweier Kommissionen aus den USA und von den Vereinten Nationen förderte bedeutende Unterschiede zutage: So nennt die US-Kommission die Gewalttaten einen Völkermord, die UN-Kommission nicht. Auch in anderen Punkten wiesen die Berichte extreme Unterschiede auf. „Es ist also Vorsicht geboten im Umgang mit vermeintlich objektiven Berichten solcher Kommissionen“, unterstreicht Mihran Dabag.

    Mehr als krude Propaganda

    Zudem analysierten die Forscher ein bisher nur sehr wenig erforschtes Feld: die Argumentation des Regimes, das die Verantwortung für die Gewalttaten trägt. Sie konnten zeigen, dass die sudanesische Regierung sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit an international gängigen Deutungsmustern orientierte und damit auch erfolgreich war. So wurde die Gewaltsituation als komplex dargestellt, als Klima- oder Bürgerkrieg von persönlicher Verantwortung entkoppelt. Um die internationale Gemeinschaft vom Eingreifen abzuhalten, warnte das Regime vor unbeabsichtigten Nebenwirkungen solcher Interventionen. „Die Rhetorik des Regimes ist keine krude Propaganda“, so Dabag, „man passt sich dem jeweiligen Adressaten an, und das erfolgreich.“ Die Verlautbarungen der Arabischen Liga zum Beispiel ähneln stark denen des sudanesischen Regimes.

    Förderung

    Das Projekt wurde von der Gerda-Henkel-Stiftung gefördert.

    Pressekontakt

    Prof. Dr. Mihran Dabag, Dr. Philipp Kuntz, Institut für Diaspora- und Genozidforschung, Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234 32 29702, E-Mail: idg@rub.de


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists
    Politics
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).