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01/11/2017 15:53

Interdisziplinär, interprofessionell und international – NeuroIntensivmedizin auf der ANIM 2017

Nina Meckel Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin

    Der Fokus liegt wieder für drei spannende Tage auf der NeuroIntensivmedizin: Vom 16.-18. Februar 2017 werden in Wien um die 1600 Mediziner und Pflegefachkräfte erwartet, deren Ziel ein umfassendes Update ihres Wissensstandes im Bereich der Neurologie, Intensivmedizin und Neurochirurgie ist. Zum 34. Mal findet die gemeinsame Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) als ANIM 2017 – Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin statt.

    Im folgenden Interview äußert sich der diesjährige Tagungspräsident Prof. Dr. Jörg R. Weber, Vorstand der Neurologischen Abteilung des Klinikums Klagenfurt am Wörthersee, zu den aktuellen Kongressthemen, zu den Tagungs-Highlights und den neuen Entwicklungen im Bereich der NeuroIntensivmedizin.

    Kerstin Aldenhoff (K.A.): Als größte neurointensivmedizinische Tagung im deutschsprachigen Raum hat sich die ANIM in den letzten Jahren ständig weiterentwickelt und gilt mittlerweile als Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Fortbildung für alle NeuroIntensivmediziner. Welche Impulse geben Sie als Kongresspräsident in diesem Jahr der Tagung?

    Prof. Weber: In der Intensivmedizin haben Erkrankungen des Gehirns immer eine wichtige Rolle gespielt und erfordern eine besondere Expertise. Die ANIM hat sich als Plattform für Neurologen und Neurochirurgen, die intensivmedizinisch arbeiten, etabliert. Sie dient dem Austausch und der Diskussion über die Behandlung bei schwersten Erkrankungen des Nervensystems. Die frühzeitige Fokussierung auf Ausbildung hat die Tagung zu einer Wissensplattform für NeuroIntensivmediziner aller Disziplinen entwickelt. Neurointensiv ist interdisziplinär, interprofessionell und international und wird seit vielen Jahren im deutschen Sprachraum sehr lebendig betrieben.

    K.A.: Das wissenschaftliche Programm ist vielseitig und, wie in den letzten Jahren, wieder äußerst umfangreich. Welche wichtigen Schwerpunkte werden gesetzt?

    Prof. Weber: Eine nahezu revolutionäre Entwicklung findet gerade in der Behandlung des Schlaganfalls durch die mechanische Wiedereröffnung großer Gefäße statt. Die Etablierung dieser Therapieform macht die Beschäftigung mit der Versorgung vor und nach diesen endovaskulären Eingriffen zu einer dringlichen Notwendigkeit. Die Definition der Abläufe der Behandlung von schweren Schlaganfällen in der Notfallversorgung, in regionalen und überregionalen Netzwerken sowie in den Klinken selbst ist von größter Bedeutung.
    Die Neuroinfektiologie, Erkrankungen wie die „bakterielle Meningitis“, verändern sich in ihrer Häufigkeit und Manifestation. Impfprogramme verändern in weiten Teilen Europas die Epidemiologie der Erkrankungen. Damit werden diese immer seltener und bedürfen einer besonderen klinischen Wachsamkeit. Geklärt werden konnte auch, dass eine Reihe von entzündlichen Erkrankungen durch autoimmune Prozesse hervorgerufen werden, die zunehmend neurointensivmedizinische Kompetenz erfordern. Früher völlig unverständliche Entzündungen des Gehirnes (Enzephalitiden) konnten in den letzten Jahren durch die Identifizierung von Antikörpern in ihrer Entstehung geklärt, aber auch behandelbar gemacht werden.
    Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich dem Gerinnungssystem mit Fokus auf das Gehirn, wobei hier Hirnblutungen, deren Behandlung und Vermeidung im Zentrum stehen. Dies ist von besonderer Aktualität, da durch die Entwicklung neuer gerinnungshemmender Substanzen neue Chancen, aber auch Risiken für Patienten entstanden sind.
    Die Körpertemperatur ist ein lange und heftig diskutiertes Thema der NeuroIntensivmedizin. Fieber selbst ist schlecht für die Gehirnfunktion und eine moderate Abkühlung könnte bei einigen Krankheiten schützend, „neuroprotektiv“ wirken. Aus diesem Grund ist Temperaturmanagement von NeuroIntensivpatienten bei dieser Tagung ein wichtiges Thema.

    K.A.: Zum spannenden Thema der Interaktion von Gehirn und Immunsystem sollen neue Erkenntnisse vorgestellt werden. Welche Rolle spielen die interagierenden zwei Supersysteme bei Schlaganfall – in der Akutphase und für die Regeneration?

    Prof. Weber: Schäden am Gehirn durch Trauma oder Sauerstoffmangel haben logischerweise einen Einfluss auf das Immunsystem. Was neu und zunehmend verstanden wird, das ist, dass das Immunsystem auf der einen Seite zur Schadensbegrenzung und durch Produktion von Botenstoffen auch zur Einleitung von Regeneration führen kann. Eine Überreaktion kann aber Schäden am Gehirn verursachen. Diese Interaktionen wurden früher bei klassischen entzündlichen ZNS-Erkrankungen studiert, ihre Bedeutung aber auch beim Schlaganfall erkannt, daher gibt es zu diesem Thema ein spezielles Symposium.

    K.A.: Beim Präsidentensymposium soll auch in diesem Jahr auf besondere Themen eingegangen werden. Worum wird die Diskussion diesmal gehen?

    Prof. Weber: Das Präsidentensymposium ist natürlich auch ein Spiegel meiner eigenen wissenschaftlichen Tätigkeit und so wird Prof. Van der Beck über eine der klassischen Erkrankungen der NeuroIntensivmedizin, nämlich die bakterielle Hirnhautentzündung referieren. Herr Prof. Schmutzhardt wird die Frage bearbeiten, ob Migranten auch neue ZNS-Infektionen nach Europa getragen haben und welche Rolle diese spielen.
    Der dritte Vortrag wird von Herrn Prof. Wijdicks aus Rochester/USA, einem der führenden Hirntodexperten und NeuroIntensivmediziner zum Thema „NeuroIntensivmediziner und Hirntod“, medizinische, ethische und auch gesellschaftliche Aspekte im Wechselspiel NeuroIntensivmediziner und Hirntoddiagnose diskutieren.

    K.A.: Gerade in der NeuroIntensivmedizin sind ethische Fragestellungen ein großes Thema. Wie hat sich die in Kraft getreten neue Leitlinie zur sogenannten Hirntodbestimmung bewährt? Inzwischen spricht man vom „irreversiblen Hirnfunktionsausfall“. Wird es Diskussionen zur sinnvollen Umsetzung der Qualitätsanforderungen geben?

    Prof. Weber: NeuroIntensivmedizin ist eine Auseinandersetzung mit schwersten Erkrankungen des Gehirns, die sehr oft mit erheblichen Funktionsausfällen einhergehen. Nahezu jeder diagnostische oder therapeutische Schritt ist auch von Fragen begleitet, wie z.B. „Welches Leben erwartet den Patienten nach der NeuroIntensivtherapie? Wie wird der Einzelne mit Behinderung, mit Pflege etc. zurechtkommen?“ Ethische Fragen, auch im Spiegel der Gesellschaft, werden in Zukunft die NeuroIntensivmedizin begleiten.
    Der maximale Funktionsverlust des Gehirnes ist der irreversible Hirnfunktionsausfall, der Hirntod und zugleich der Tod des Menschen. Durch die Leitlinien und die neue Leitlinie in Deutschland, aber auch in Österreich, ist die Methode der Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalles nachvollziehbar, führt qualitative Kriterien ein, macht sie noch transparenter für alle daran beteiligten Berufsgruppen.

    K.A.: Wenn Sie in die Zukunft schauen, mit Blick auf die nächsten Jahre der NeuroIntensivmedizin – Welche Entwicklungen könnten zur weiteren Verbesserung beitragen? Wie sieht etwa die Zukunft der Schlaganfallversorgung aus?

    Prof. Weber: Durch die Spezialisierung hat sich die NeuroIntensivmedizin in den letzten Jahren extrem entwickelt. Bei einzelnen Erkrankungsbildern konnten die Überlebensraten deutlich verbessert werden, aber auch das qualitative Ergebnis, die erreichte Lebensqualität nach schweren neurologischen Erkrankungen hat sich stark verbessert. Die Zukunft liegt klar in einer weiteren Spezialisierung. Die Entwicklung in der Schlaganfallsversorgung zeigt den Bedarf nach neurointensivmedizinischem-„Know-how“ in dramatischer Weise. Lokale Versorgungsnetzwerke mit definierten Patientenpfaden von der Notfallversorgung bis zur Qualitätssicherung und Rehabilitation werden die Zukunft der Schlaganfallversorgung charakterisieren.
    Auf der anderen Seite muss diese Spezialisierung natürlich interdisziplinär und interprofessionell verwoben sein. Neben der postoperativ anästhesiologischen-, der internistischen-, und pädiatrischen Intensivmedizin ist die NeuroIntensivmedizin einer der vier wichtigen Leuchttürme der Behandlung und im Fortschritt der Intensivmedizin.

    KA: Herzlichen Dank für diese Einblicke in die spannenden Themen bei der ANIM 2017!

    Weitere Informationen und das breitgefächerte Kongressprogramm gibt es auf der Homepage www.anim.de.

    Medienvertreter sind herzlich eingeladen, die Jahrestagung in Wien zu besuchen. Die Akkreditierung ist über die Kongresshomepage oder direkt über den Pressekontakt möglich.

    Pressekontakt:
    Kerstin Aldenhoff
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
    Tel. +49 172 351 6916
    kerstin.aldenhoff@conventus.de


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Scientific conferences
    German


    Prof. Dr. Jörg R. Weber


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