Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

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01/08/2019 09:54

Gekommen, um zu bleiben: Drachenwels aus Ostasien in der bayerischen Donau

Dr. Eva-Maria Natzer Öffentlichkeitsarbeit
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

    Die bayerische Donau ist inzwischen Heimat für viele Fisch- und andere Tierarten, die ursprünglich nie dort vorkamen – sogenannte eingeschleppte Arten oder Neozoen. Nun ist ein weiterer „bayerischer Neubürger“ identifiziert worden: Der „Gelbe Drachenwels“ (Tachysurus fulvidraco). Um welche Fischart es sich handelt, blieb solange unklar, bis sich ein Fischer, ein Amateurbiologe und ein Wissenschaftler der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen (SNSB-ZSM) zusammentaten und einen kurzen wissenschaftlichen Artikel in der aktuellen Ausgabe der zoologischen Fachzeitschrift "Spixiana" veröffentlichten.

    Schon seit den 1980er Jahren dringen verschiedene Arten sogenannter Schwarzmeergrundeln als blinde Passagiere der Flussschifffahrt in den bayerischen Donauraum ein. Seither gilt die Ökologie der bayerischen Donau als komplett umgekrempelt. Der nun entdeckte Neuzugang ist erstmals im Mai 2018 in einem etwa 30 km langen Donauabschnitt zwischen Regensburg und Straubing aufgetaucht. Seitdem fingen ortsansässige Fischer hunderte Exemplare dieses Fisches. Der Körperbau und genetische Merkmale eines nun in der Forschungssammlung der Zoologischen Staatssammlung München hinterlegten Exemplars von 30 cm Länge belegen, dass es sich um Tachysurus fulvidraco, eine Art aus der Familie der Stachelwelse (Bagridae) handelt. Der wissenschaftliche Artname fulvidraco bedeutet übersetzt "Gelber Drachen", weshalb die Autoren als deutschen Namen "Gelber Drachenwels" vorschlagen.

    „Ob die Art, die sich in ihrer Heimat von Insektenlarven, Weichtieren und kleinen Fischen ernährt, auf Dauer eine Gefahr für die einheimische Fauna darstellt, kann derzeit nicht abgeschätzt werden,“ sagt Ulrich Schliewen, Kurator für Fische an der ZSM, „Aus anderen europäischen Ländern ist eine Verschleppung nicht bekannt, weshalb uns keine Erfahrungswerte vorliegen.“ Auch sei nicht klar, wie die Art in die Donau gelangte: Handelt es sich um Nachkommen von Zierfischen aus Teichen, die beim letzten Donauhochwasser überschwemmt wurden? Oder wurden sie unabsichtlich durch den kontaminierten Besatz mit anderen wirtschaftlich interessanten Fischen in den Fluss gesetzt? Eines ist wohl sicher: die Art ist gekommen, um zu bleiben. Unter den vielen hundert gefangenen Fischen fanden sich sowohl geschlechtsreife erwachsene Tiere als auch Jungtiere.

    Der Gelbe Drachenwels ist in seiner ostasiatischen Heimat, vor allem in China, eine kommerziell wichtige Fischart, die in Teichen gezüchtet wird. Zu Beginn der Laichzeit im April oder Mai legen die Männchen Gruben im Flachwasser stiller Altarme an. Dort laichen sie mit den Weibchen ab und betreiben die Brutpflege der Eier und geschlüpften Larven. Vorsicht ist beim Umgang mit Fischen dieser Art geboten, denn die gezähnten Flossenstrahlen können schmerzhafte Wunden verursachen.


    Contact for scientific information:

    Dr. Ulrich Schliewen
    Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
    Münchhausenstr. 21
    81247 München
    Telefon: 089/8107 110
    E-Mail: schliewen@snsb.de


    Original publication:

    Härtl M, Höllein M, Schliewen UK (2018). First record of the East Asian Yellow Catfish Tachysurus fulvidraco (Richardson, 1846) in Germany (Teleostei, Bagridae). Spixiana 41 (2): 167-168


    More information:

    http://www.zsm.mwn.de - Zoologische Staatssammlung München
    http://www.snsb.de - Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Biology, Environment / ecology, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Scientific Publications
    German


    Neubürger: Der Gelbe Drachenwels (Tachysurus fulvidraco) aus Ostasien wurde im Jahr 2018 zu Hunderten in Nebengewässern der Donau gefangen, wo er sich inzwischen auch fortpflanzt.


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