idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo
Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Share on: 
02/27/2019 09:06

Deutsche und russische Physiker erforschen magnetische Eigenschaften vielversprechender Materialien

Martin Rothenberg Referat Hochschulkommunikation
Technische Universität Dortmund

    Im deutsch-russischen Sonderforschungsbereich SFB/Transregio 160 „Kohärente Manipulation wechselwirkender Spinanregungen in maßgeschneiderten Halbleitern“ beschäftigen sich Physikerinnen und Physiker der TU Dortmund, des russischen Ioffe-Instituts und der St. Petersburg State University mit dem Eigendrehimpuls von Elektronen in Halbleitern. Diese quantenmechanische Eigenschaft, der sogenannte Spin, beeinflusst die magnetischen Eigenschaften eines Materials und lässt sich durch ein Magnetfeld gezielt steuern. Ein Team widmet sich den Spin-Eigenschaften in Perovskit-Kristallstrukturen, die aktuell große Aufmerksamkeit als Bauteile in effizienten Solarzellen erfahren.

    Ihre Erkenntnisse haben die Physiker in der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins Nature Communications veröffentlicht. Der Beitrag ist die erste systematische Arbeit zu den Spin-Eigenschaften der Perovskit-Materialien.

    Vor wenigen Jahren wurde gezeigt, dass eine spezielle Klasse von Perovskit-Kristallstrukturen, sogenannte Bleihalogenide, sehr gut Licht in Strom verwandeln kann. Da die Herstellungskosten niedrig sind, könnten mit ihnen preisgünstige Solarzellen produziert werden. Umgekehrt zeigen die Perovskit-Kristallstrukturen intensive Lichtemission, wenn sie von Strom durchflossen werden. So könnten mit ihnen Leuchtdioden hergestellt werden.

    Ihre vielseitige Verwendbarkeit lässt auf weitere Anwendungen hoffen: So sollte Licht dazu genutzt werden können, die Spins von Kristallstrukturen von Ladungsträgern räumlich auszurichten. Damit könnten sie als Speichermedien, sowohl im klassischen als auch Quantenbereich, eingesetzt werden, zu deren Betrieb sehr wenig Energie aufgewendet werden muss.

    Dazu müssen die Wissenschaftler mehr über die Spin-Eigenschaften dieser Kristallstrukturen herausfinden. Dafür hat ein Team um Dr. Vasilii Belykh an der TU Dortmund erstmals systematische Experimente durchgeführt, um die Spins selbst und die Wechselwirkung mit ihrer Umgebung zu verstehen.

    Konkret haben die Wissenschaftler CsPbBr3-Perovskit-Kristalle untersucht, die an der ETH Zürich hergestellt wurden. Die Physiker beobachteten, was geschieht, wenn kurze, intensive Laserpulse bei niedrigen Temperaturen und in starken Magnetfeldern auf die Kristallstrukturen treffen. Dr. Belykh und seine Kollegen haben herausgefunden, dass die Spins der Elektronen in den

    Kristallen einerseits stark auf die Laserimpulse reagieren. Das heißt, dass sich die Spins gezielt beeinflussen lassen. Gerade das macht die Perovskit-Kristalle für einen möglichen Einsatz als Speichermedium interessant. Andererseits zeigen sie auch intensive Wechselwirkung mit den Atomkernen des Kristalls. Diese Wechselwirkung könnte geschickt genutzt werden, um die Lebensdauer eines magnetischen Speichers noch deutlich zu erhöhen – Information soll schließlich auf einer Festplatte verlässlich gespeichert bleiben.

    Wissenschaftler des Ioffe-Instituts in Sankt Petersburg, das im internationalen Sonderforschungsbereich mit der TU Dortmund zusammenarbeitet, konnten die Beobachtungen mit ihren Modellen exzellent beschreiben.

    Zur Person:
    Vasilii Belykh kam als Postdoktorand 2015 nach Dortmund, um im deutsch-russischen Sonderforschungsbereich 160 zu arbeiten. Nach mehr als drei Jahren ist er im Herbst 2018 nach Russland zurückgekehrt und arbeitet jetzt als senior scientist am P.N. Lebedev-Institut der russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau. Die engen Verbindungen zu Dortmund bleiben jedoch nach wie vor über gegenseitige Austauschbesuche bestehen.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dmitri Yakovlev
    Fakultät Physik
    Telefon: (0231) 755 - 3534
    E-Mail: dmitri.yakovlev@tu-dortmund.de


    Original publication:

    https://www.nature.com/articles/s41467-019-08625-z


    More information:

    http://www.trr160.tu-dortmund.de
    http://dx.doi.org/10.1038/s41467-019-08625-z


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students
    Physics / astronomy
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).

    Cookies optimize the use of our services. By surfing on idw-online.de you agree to the use of cookies. Data Confidentiality Statement
    Okay