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07/10/2019 08:45

Das geteilte E-Cargo-Bike: Boom und Barrieren in Basel

Iris Mickein Kommunikation & Marketing
Universität Basel

    Nachhaltige Mobilitätsformen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. In der Schweiz sind rund 15`000 Menschen bei der Online-Plattform carvelo2go registriert, die elektrische Cargo-Bikes zum Verleih anbietet. Die Nutzung des Sharing-Angebots im Raum Basel wurde nun wissenschaftlich untersucht. Trotz stark wachsender Mitgliederzahlen gibt es noch grundsätzliche Barrieren. Die Studie der Universität Basel zeigt, wie Sharing-Anbieter und Behörden den Gebrauch der umweltfreundlichen Lastenvelos fördern können.

    Der Dieselskandal und die Klimaschutzbewegung «Fridays for Future» haben die Debatte um nachhaltige Formen der Fortbewegung befeuert. Aktuell sind die E-Scooter in aller Munde und die Hoffnung ist gross, dass diese einen Beitrag zur umweltfreundlichen Fortbewegung leisten können. Für den Transport von Einkäufen, Kindern und sogar Umzugskisten erfreuen sich E-Cargo-Bikes grosser Beliebtheit. Sie verfügen über viel Stauraum und ihr Elektroantrieb erleichtert den Transport von bis zu 100 kg schweren Lasten im Nahverkehr.

    Seit 2016 kooperiert die Stadt Basel mit der Initiative carvelo2go, die elektrische Lastenräder zum Verleih anbietet. Das Angebot wird in Basel und angrenzenden Gemeinden von über 2000 Menschen genutzt. Doch wer sind diese Nutzerinnen und Nutzer?

    Hauptnutzer: «Generation Sharing»

    Der Fachbereich Nachhaltigkeitsforschung der Universität Basel hat 2017 in Kooperation mit carvelo2go eine Online-Umfrage unter allen Mitgliedern im Raum Basel durchgeführt. Als Vergleichsgruppe dienten Nichtmitglieder. Die finale Stichprobe enthielt rund 300 Personen aus vier Gruppen: aktive, inaktive, potenzielle Nutzerinnen und Nutzer sowie Personen, die sich überhaupt nicht vorstellen können, ein Cargo Bike auszuleihen.

    «Unsere Umfrage zeigt, dass die aktiven Nutzerinnen und Nutzer auch im Alltag häufig Velo fahren», so die Erstautorin der Studie Ann-Kathrin Hess. «Sie sind im Durschnitt 39.6 Jahre alt und zu 60% männlich. Weiterhin haben überaus viele carvelo2go-Mitglieder kein Auto im Haushalt und nutzen bereits Car-Sharing-Angebote.» Hess ergänzt: «Die Vertrautheit mit dem Sharing-Prinzip scheint ein wichtiger Faktor beim Umstieg auf das eCargo-Bike-Sharing.»

    Vorbehalte und Barrieren

    Hingegen nutzen die inaktiven Mitglieder das Angebot (noch) nicht oder nicht mehr, weil sie Zugang zu ähnlichen Verkehrsmitteln haben. Entweder besitzen sie ein eigenes Cargo-Bike, einen Veloanhänger, oder sie nutzen anderweitige Ausleihmöglichkeiten. Potenzielle Mitglieder nutzen carvelo2go noch nicht, könnten sich aber vorstellen, dies künftig zu tun. Darunter seien gleich viele Frauen wie Männer.

    Weiterhin hat die Studie Personen analysiert, die sich gar nicht vorstellen können, ein Lastenvelo auszuleihen. «Diese Personen haben wegen der vielen Autos in der Stadt Angst, mit dem Velo zu fahren und meinen, die Velowege seien zu unsicher», so die Co-Autorin Dr. Iljana Schubert. «Auch fürchten sie die Geschwindigkeit der elektrischen Fahrunterstützung. Verglichen mit den anderen drei Gruppen nutzen diese Personen primär das Auto und den ÖV für Wege im Alltag.»

    Strukturelle Förderung

    Die Studie zeigt, dass eCargo-Bike-Sharing noch nutzerfreundlicher werden kann: mit mehr Stationen, mehr Cargo-Bikes an gut besuchten Standorten sowie einer zeitlich flexibleren Struktur für die Abholung und Rückgabe. Um Bedenken zu begegnen, könnte die Stadt weiter in die Velo-Infrastruktur investieren, so die Studie. Breitere und sicherere Velowege sowie spezielle Parkplätze für Lastenvelos würden dem Transportmittel mehr Raum gewähren.

    Carvelo2go

    Carvelo2go ist das weltweit erste eCargo-Bike-Sharing-Projekt. Die Initiative wurde 2015 durch die Mobilitätsakademie des TCS sowie den Förderfonds Engagement Migros ins Leben gerufen. Der Verleih funktioniert ähnlich wie Mobility Car-Sharing: Die Lastenräder können stunden- oder tageweise gemietet werden. Die Abholung und Rückgabe erfolgt über sogenannte Hosts, darunter Kleinbetriebe und Poststellen. Die Hosts verwalten die Schlüssel und laden die Batterien auf. Im Gegenzug können sie ihre Werbung auf der Cargo Box platzieren und das Velo für ihre eigenen Zwecke 25 Stunden pro Monat nutzen.

    Seit der Einführung von carvelo2go in Basel ist die Anzahl der Nutzer alljährlich stark gewachsen. Aktuell sind in Basel und angrenzenden Gemeinden 2‘192 Mitglieder registriert. An 23 Host-Standorten stehen 26 Cargo-Bikes zum Verleih.


    Contact for scientific information:

    Ann-Kathrin Hess, Universität Basel, Fachbereich Nachhaltigkeitsforschung, Tel. +41 61 207 6131, E-Mail: ann-kathrin.hess@unibas.ch

    Dr. Iljana Schubert, Universität Basel, Fachbereich Nachhaltigkeitsforschung, Tel. +41 61 207 5743, E-Mail: iljana.schubert@unibas.ch


    Original publication:

    Ann-Kathrin Hess, Iljana Schubert
    Functional perceptions, barriers, and demographics concerning e-cargo bike sharing in Switzerland
    Transportation Research Part D: Transport and Environment (2019), doi: 10.1016/j.trd.2018.12.013


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Environment / ecology, Social studies, Traffic / transport
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


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