‘Kann der Wald sich selbst verwalten?‘ Erprobung eines digitalen Werkzeugs zur partizipativen Waldbewirtschaftung

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12/05/2019 12:57

‘Kann der Wald sich selbst verwalten?‘ Erprobung eines digitalen Werkzeugs zur partizipativen Waldbewirtschaftung

Helke Wendt-Schwarzburg Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
inter 3 Institut für Ressourcenmanagement

    Waldnutzung und Waldbewirtschaftung stehen im Spannungsfeld vieler Interessen. Kann Digitalisierung dabei helfen, Nutzungskonflikte gemeinsam und im Sinne des Gemeinwohls zu lösen? Das war Thema auf der Konferenz Bildung, Bits & Bäume an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Im Workshop „Digitale Partizipation für das Gemeinwohl in der Waldwirtschaft“ konnten die Teilnehmer:innen ein interaktives Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung erproben, dass der Projektverbund terra 1 entwickelt hat. Es ermöglicht die gemeinsame Problemformulierung, erfasst die Präferenzen der Akteure dazu und berechnet dann die Alternative mit dem höchsten Gemeinwohlnutzen.

    In unserer Onlineumfrage können alle Interessierten übrigens konkret daran mitwirken, Möglichkeiten partizipativer Waldbewirtschaftung zu erproben − und inwiefern digitale Technologien dabei helfen können. Die Umfrage ist jetzt freigeschaltet: https://amazonas.fzi.de/limesurvey2/index.php/793852?lang=de. Jeder Teilnehmende unterstützt die Forschung zu diesem Thema – vielen Dank!

    Nicht leicht zu machen, aber wichtig: Digitale Partizipation für’s Gemeinwohl

    „Wald- und Forstwirtschaft gehören sicher zu den tragenden Säulen einer zukunftsfähigen Bioökonomie. Umso wichtiger ist die gesellschaftliche Debatte darüber, wie sie nachhaltig(er) gestaltet werden kann“, sagt Sven Willrich vom FZI Forschungszentrum Informatik. Er hat das digitale Werkzeug zusammen mit dem Wuppertal Institut, inter 3 Institut für Ressourcenmanagement und der Agentur Zebralog entwickelt. Damit sollen alle am Thema Waldnutzung Interessierten ihre Stimme einbringen können, sofern die zuständigen Entscheider diesem partizipativen Weg positiv gegenüberstehen.

    Die Studierenden aus den Disziplinen Ökologie, Ökonomie und Informatik sowie Teilnehmer:innen aus der Forstwirtschaft spielten im Workshop exemplarisch die Modellierung einer typischen konfliktbehafteten Bewirtschaftungsentscheidung durch. „Im ersten Schritt haben sie gemeinsam Ziele und Kriterien für deren Erreichung festgelegt“, berichtet Sven Willrich vom FZI. Dann wurden mögliche Zielkonflikte identifiziert und anschließend konnten alle festlegen, welche Bewirtschaftungsalternativen sie präferieren. „Dabei ging es in der Diskussion zum Teil hoch her – kein Wunder angesichts der komplexen Fragestellungen, die es in kurzer Zeit zu entscheiden galt“, fasst Kai Westermann von Zebralog zusammen, der den Workshop moderiert hat. Doch die Debatte über ein gemeinsam getragenes Modell der Waldbewirtschaftung lohnt sich: Im Ergebnis wissen die Beteiligten, welche Bewirtschaftungsalternative ihrer persönlichen Präferenz entspricht. Zudem wurde in der Diskussion deutlich, dass die dem digitalen Modell zugrundeliegenden nicht-digitalen Prozessschritte ein für die Partizipation wesentliches Element sind.

    Gesellschaftlicher Diskurs – Die Zukunft des Waldes als Wald 4.0?

    „Diese Form des rationalisierten gesellschaftlichen Interessenausgleichs sehen wir als wichtigen Schritt, um ein Mehr an Gemeinwohl in der Waldbewirtschaftung zu erreichen. Perspektivisch könnte die Waldbewirtschaftung sogar Blockchain-basiert vollkommen partizipativ und automatisiert erfolgen“, hebt Sven Willrich hervor. Denn so könnten prinzipiell alle, die einen Bezug zum Wald haben, in die Entscheidungsfindung einbezogen werden und entsprechend vielfältige Szenarien der Waldbewirtschaftung diskutiert werden.

    Laut Waldstrategie 2020 sind sowohl im regionalen als auch im globalen Maßstaben die Zahlen zum Zustand des Waldes und auch zum Rückgang des Waldes alarmierend. Sie sind Beleg dafür, dass die gesellschaftliche Aushandlung ungenügend funktioniert, dass Nachhaltigkeit und Klimawandel eine enorme Herausforderung für die Gesellschaft sind. Der Forschungsverbund terra1 möchte vor diesem Hintergrund zu einem gesellschaftlichen Diskurs über die nachhaltige Gestaltung der Bioökonomie beitragen, an dem möglichst viele Menschen sich beteiligen können.

    Interessierte können übrigens online gleich zweifach mitmachen: Teilen Sie auf unserer Internetseite www.terra1.org ihre Vision für den Wald der Zukunft mit uns und sagen Sie uns, welche Aspekte Ihnen bei der digitalen Partizipation zur Waldbewirtschaftung wichtig sind.

    Link zur Onlinepräsenz des Projektverbunds:
    www.terra1.org
    https://ipe-cerberus12.fzi.de

    Link zur Onlinebefragung
    https://amazonas.fzi.de/limesurvey2/index.php/793852?lang=de

    Das Projekt terra 1 wird von 2017 bis 2020 im Rahmen der "Nationalen For-schungsstrategie BioÖkonomie 2030" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

    Die Konferenz „Bildung, Bits & Bäume – Hochschulen digital & nachhal-tig?!" fand vom 28.11.-1.12.2019 an der Hochschule für nachhaltige Ent-wicklung Eberswalde (HNEE) statt. Sie wurde vom netzwerk n organisiert und richtete sich an Nachwuchswissenschaftler:innen, Studierende und alle, die ihre Expertise in Sachen Bildung für nachhaltige Entwicklung ein-bringen möchten.


    More information:

    http://www.terra1.org Onlinepräsenz des Projektverbunds
    https://ipe-cerberus12.fzi.de Digitales Werkzeug zur partizipativen Waldbewirtschaftung
    https://amazonas.fzi.de/limesurvey2/index.php/793852?lang=de Onlineumfrage zur partizipativen Waldbewirtschaftung


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Environment / ecology, Information technology, Politics, Social studies
    transregional, national
    Scientific conferences, Transfer of Science or Research
    German


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