idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
06/02/2020 11:19

Kommunen: Bund sollte Schulden nicht übernehmen

Mathias Rauck Kommunikation
Institut für Weltwirtschaft (IfW)

    Der Bund sollte nicht die Altschulden von Kommunen übernehmen, wie dies gegenwärtig als Plan von Bundesfinanzminister Olaf Scholz diskutiert wird. Denn der Grund für die Überschuldung einzelner Kommunen liegt vor allem in der ziellosen Finanzpolitik ihrer Länder, nicht in der belastenden Rolle der Sozialausgaben. Eine Schuldenübernahme durch den Bund konterkariert die erfolgreiche kommunale Entschuldung anderer Länder. Dies zeigt eine Analyse des IfW Kiel.

    Insbesondere Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz und das Saarland wären die Profiteure einer kommunalen Schuldenübernahme durch den Bund. In diesen Ländern liegen die Kredite der Kommunen pro Kopf bei 1.950 Euro (SL), 1.302 Euro (RP) und 1.262 Euro (NW). Alleine NW ist für 22,6 Milliarden Euro Schulden der insgesamt 35 Milliarden Euro Schulden aller deutschen Kommunen verantwortlich.

    Eine schwache Sozialstruktur und in der Folge hohe Sozialausgaben der Kommunen alleine können den hohen Schuldenstand aber nicht erklären. In den Ländern Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein liegen zum Beispiel die Ausgaben für die Sozialhilfe in vergleichbarer Höhe, die kommunalen Schulden pro Kopf sind aber verhältnismäßig gering mit 211 Euro (NI), 129 Euro (SH) und 62 Euro (HE). Dies zeigt eine Analyse des IfW-Haushaltsexperten Jens Boysen-Hogrefe (Warum Schleswig-Holstein die Pläne von Olaf Scholz zur Übernahme von Altschulden durch den Bund in der ursprünglichen Form ablehnen sollte: https://www.ifw-kiel.de/index.php?id=14583&L=1).

    Grafik: Kassenkredite des Jahres 2018 und mittlere Sozialhilfeausgaben 2014–2018 (siehe Anhang)

    „Länder wie Schleswig-Holstein sollten die Pläne von Olaf Scholz zur Übernahme von Altschulden durch den Bund in der ursprünglichen Form ablehnen. Sie haben mit den Instrumenten des kommunalen Finanzausgleichs und der Aufgabenverteilung zwischen Land und Kommunen die Herausforderungen schwacher Sozialstrukturen ganz offensichtlich besser zugunsten ihrer angeschlagenen Kommunen zu regeln gewusst als andere“, sagt Boysen-Hogrefe. „Werden Olaf Scholz' Pläne zur kommunalen Schuldenübernahme Realität, würde eine solche verantwortungsbewusste Politik nicht belohnt, sondern sogar erschwert, da zusätzliche Ausgaben des Bundes letztlich von allen getragen werden müssen.“ An dem Bild ändert sich auch dann wenig, wenn man die Konsolidierungshilfen von 80 Millionen Euro berücksichtigt, die Schleswig-Holstein zwischen 2011 und 2019 vom Bund erhalten hat.

    Auch die unterschiedliche Finanzstärke der Länder bietet keine Erklärung für die hohen kommunalen Kredite. Die durchschnittlichen Gemeindesteuereinnahmen pro Kopf lagen in den Jahren 2014 bis 2018 in Niedersachsen (1.061 Euro) knapp über denen von Rheinland-Pfalz (1.039 Euro) und deutlich unter denen von Nordrhein-Westfalen (1.254 Euro). Schleswig-Holsteins Einnahmen (1.025 Euro) lagen sogar noch knapp unter denen von Rheinland-Pfalz.

    Grafik: Durchschnittliche Gemeindesteuern der Jahre 2014–2018 (siehe Anhang)

    „Es ist grundsätzlich richtig, überschuldeten Kommunen zu helfen, doch sollte die Verantwortung der Länder durch einen höheren Finanzierungsanteil stärker betont werden. So wie Hessen seine Kommunen entschuldet hat, können auch Rheinland-Pfalz oder Nordrhein-Westfalen vorgehen“, so Boysen-Hogrefe. „Gegenwärtig werden Sozialausgaben auf Bundesebene beschlossen, müssen aber von den Kommunen finanziert werden. Dieses strukturelle Problem sollte beseitigt werden, der Bund sollte alle von ihm beschlossenen Ausgaben auch vollständig selbst tragen.“

    Medienansprechpartner:
    Mathias Rauck
    Pressesprecher
    T +49 431 8814-411
    mathias.rauck@ifw-kiel.de

    Institut für Weltwirtschaft
    Kiellinie 66 | 24105 Kiel
    T +49 (431) 8814-774
    F +49 (431) 8814-500

    www.ifw-kiel.de


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Jens Boysen-Hogrefe
    Makroökonomische Politik in unvollkommenen Märkten, Prognosezentrum
    T +49 0431 8814-210
    jens.hogrefe@ifw-kiel.de


    Original publication:

    https://www.ifw-kiel.de/index.php?id=14583&L=1 (Kiel Focus: Warum Schleswig-Holstein die Pläne von Olaf Scholz zur Übernahme von Altschulden durch den Bund in der ursprünglichen Form ablehnen sollte)


    Images

    Durchschnittliche Gemeindesteuern der Jahre 2014–2018
    Durchschnittliche Gemeindesteuern der Jahre 2014–2018

    Kassenkredite des Jahres 2018 und mittlere Sozialhilfeausgaben 2014–2018
    Kassenkredite des Jahres 2018 und mittlere Sozialhilfeausgaben 2014–2018


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars
    Economics / business administration, Politics, Social studies
    transregional, national
    Transfer of Science or Research
    German


     

    Durchschnittliche Gemeindesteuern der Jahre 2014–2018


    For download

    x

    Kassenkredite des Jahres 2018 und mittlere Sozialhilfeausgaben 2014–2018


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).