idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
11/02/2020 10:55

Unberechenbare Korallenriffe des Anthropozäns

Dr. Susanne Eickhoff Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

    Korallenriffe, die vom Menschen beeinflusst sind, reagieren unvorhersehbar auf Umweltstress. Das fand ein internationales Team von Riffforscher*innen unter der Leitung des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) heraus. Die Wissenschaftler*innen untersuchten umfassende Datensätze aus über 60 Riffstandorten im Südpazifik. Für den Erhalt und das Management von Korallenriffen sind die Ergebnisse ihrer neuen Studie von grundlegender Bedeutung.

    Physikalische Stressfaktoren, die mit dem Klimawandel einhergehen, wie häufige und starke Stürme oder die Erwärmung der Ozeane, können Korallenriffen extrem zusetzen und sie gravierend verändern. Anhand modellbasierter Berechnungen sagen Wissenschaftler*innen voraus, wie sich die Riffe nach derartigen Ereignissen entwickeln werden. Empfehlungen für das Management von Riffen basieren auf solchen Erkenntnissen.

    Menschliche Einflüsse können Korallenriffe stark beeinträchtigen, doch wie sie die Reaktion der Riffe auf Umweltstress beeinflussen, wurde bisher kaum untersucht. Studien zu den Auswirkungen von Stressfaktoren wie Stürme oder Klimaerwärmung wurden in der Vergangenheit meist an naturbelassenen Riffen durchgeführt.

    Mehr als die Hälfte aller Korallenriffe weltweit liegt jedoch in direkter Nähe zu menschlichen Siedlungen. Neue Ergebnisse eines Forscherteams unter der Leitung des Riffökologen Sebastian Ferse vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) zeigen nun, dass Riffe unter menschlichem Einfluss ganz anders als ungestörte Riffe auf Umweltveränderungen reagieren.

    Für ihre Studie nutzte das Team einen umfangreichen Satz an ökologischen und sozioökonomischen Daten aus 62 Riffstandorten in 17 Inselstaaten und Territorien des Südpazifiks, wo Küstenbewohner schon seit Jahrhunderten mit und von den Riffen leben. Die Daten teilten sie in drei Kategorien: Artengemeinschaft im Riff, physikalische Einflüsse wie Stürme, Wassertemperatur oder -tiefe und menschliche Faktoren wie Besiedlungsdichte an den Küsten und die Nähe der Riffe zu Märkten.

    An den verschiedenen Standorten waren die Riffe den schädigenden Einflüssen von Umwelt und Mensch in unterschiedlichem Ausmaß ausgesetzt. Es zeigte sich: je stärker ein Riff unter menschlichem Einfluss stand, desto weniger lebende Korallen waren vorhanden und desto stärker war es von feinen Turfalgen überwuchert. Die Forscher*innen überraschte, dass die Reaktion der Riffe auf physikalische Stressfaktoren unvorhersehbarer wurde, die Stressoren konnten den Zustand der Riffe nur noch zu 10% erklären.

    „Menschen verändern Riffe auf lokaler Ebene: sie fangen etwa bestimmte pflanzenfressende Fische weg, die das Algenwachstum in Schach halten, oder setzen die Riffe Abwässern und Einträgen aus der Landwirtschaft aus“, erklärt Riffökologin Amanda Ford vom ZMT, Erstautorin der Studie. Empfindliche Arten verschwinden dadurch, die Artenvielfalt und der Genpool in Riffen nimmt ab und somit auch ihre Anpassungsfähigkeit an Stressfaktoren wie die Erwärmung der Ozeane.

    Schätzungsweise eine halbe Milliarde Menschen profitiert von den ökologischen Dienstleistungen der Korallenriffe, sei es durch Fischerei, Tourismus oder Küstenschutz. Diese Riffe und ihre Artenvielfalt zu erhalten, ist für die jeweiligen Länder und Inselstaaten von zentraler Bedeutung. „In Anbetracht des Klimawandels, aber auch ungewöhnlicher Wettermuster und immer häufiger auftretender Stürme brauchen wir zuverlässige Prognosen über die Zukunft dieser wertvollen Ökosysteme“, so Sebastian Ferse. „Die Riffökologie des Anthropozäns muss lokale menschliche Einflüsse stärker einbeziehen als es bisher der Fall war.“


    Contact for scientific information:

    Dr. Sebastian Ferse
    Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
    Tel: 0421 / 23800-114
    sebastian.ferse@leibniz-zmt.de


    Original publication:

    Ford, A.K., Jouffray, J.-B., Norström, A.V., Moore, B.R., Nugues, M.M., Williams, G.J., Bejarano, S., Magron, F., Wild, C., Ferse, S.C.A. (2020). Local Human Impacts Disrupt Relationships Between Benthic Reef Assemblages and Environmental Predictors. Frontiers in Marine Science 7:794. (794). doi:10.3389/fmars.2020.571115


    Images

    Korallenriff vor Bonetambung, einer bewohnten Insel im indonesischen Spermonde-Archipel.
    Korallenriff vor Bonetambung, einer bewohnten Insel im indonesischen Spermonde-Archipel.
    Sebastian Ferse
    Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students, all interested persons
    Biology, Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

    Korallenriff vor Bonetambung, einer bewohnten Insel im indonesischen Spermonde-Archipel.


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).