idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Thema Corona

Imagefilm
Science Video Project
idw-News App:

AppStore



Share on: 
05/04/2021 13:21

In der Tiefsee ist es finster und bitterkalt – und doch ist sie voller Leben

Michael Dröscher Pressereferat
Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte e. V.

    Die Meeresbiologin und Leiterin zahlreicher Expeditionen Angelika Brandt erforscht die geheimnisvolle Welt der Tiefsee. Sie hat viele faszinierende Entdeckungen gemacht und warnt vor Gefahren für die Biodiversität

    In der Antarktis war Angelika Brandt zehn Mal mit Forschungsschiffen unterwegs und im Europäischen Nordmeer acht Mal – „immer für mehrere Wochen“, berichtet die Professorin für Marine Zoologie im Gespräch mit der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ). Seit einigen Jahren sei sie mit ihrem Team regelmäßig im Nordwestpazifik unterwegs, um auch dort die Biodiversität der Tiefsee zu erforschen. Die Expeditionen seien die Grundlage für ihre Forschungsarbeit, die zur Entdeckung von Hunderten bisher unbekannter Arten in der Tiefsee führte. Tausende Meter unter der Meeresoberfläche stößt sie auf Borstenwürmer, Hakenrüssler, Furchenfüßer, Seegurken und viele weitere Arten. Bis in Tiefen von 4000 Metern gebe es reiche Lebensgemeinschaften und die Artenzahl steige an. In Tiefen ab 6000 Meter nehme die Zahl ab, dafür seien die vertretenen Arten oft riesengroß. Die internationalen Besatzungen der Forschungsschiffe arbeiteten gut zusammen – und das rund um die Uhr, berichtet Brandt. Meistens habe man während der Expeditionen keine oder nur eine sehr schlechte Internet-Verbindung: „Aber fünf Wochen ohne Internet sind gar nicht so übel.“

    Ihre Lieblingsart seien Meeresasseln, sagt Angelika Brandt. Sie fänden sich sogar noch in den tiefsten Ozeangräben, also mehr als zehn Kilometer unter dem Meeresspiegel. Einer ihrer besonders interessanten Funde im Nordwestpazifik sei ein Urmollusk, ein lebendes Fossil.

    Im letzten Jahr hat Angelika Brandt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus rund vierzig Ländern eine erste Bestandsaufnahme der biologischen Vielfalt im Nordwestpazifik veröffentlicht. Das sei einer der fruchtbarsten, nährstoffreichsten und artenreichsten Ozeane der Welt. Auch dort habe sich die Biodiversität in den vergangenen Jahrzehnten verändert. In den Ozeanen führe vor allem der Klimawandel zu großen Umbrüchen. „Das Wasser wird wärmer, Eisschelfe schmelzen, der Meeresspiegel steigt und Meeresströmungen verändern sich“, berichtet Angelika Brandt. All dies habe Konsequenzen für das Nahrungsgefüge und die Lebenswelt im Ozean. Deshalb habe man in der gerade beginnenden UN-Dekade der Ozeanforschung einen besonderen Blick auf die Ökosystemfunktionen der marinen Biodiversität, auch in ihrer Bedeutung für den Menschen. Nur so könne man Gefahren abwenden. Angelika Brandt sieht dabei ein großes Risiko im Tiefseebergbau, der sich aber kaum noch verhindern lasse. Dabei würden mit dem Sediment, in dem wertvolle Rohstoffe lagern, großflächig auch viele Arten entnommen und Lebensgemeinschaften zerstört. Es wäre besser, vieles, was derzeit erwogen wird, gar nicht erst zuzulassen, sagt die engagierte Wissenschaftlerin. Wenn es doch stattfinde, sei ein sehr sorgfältiges biologisches Monitoring unverzichtbar.
    Das vollständige Interview finden Sie auf www.gdnae.de

    Zur Person

    Die Meeresbiologin Prof. Dr. Angelika Brandt leitet die Abteilung Marine Zoologie am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Makrofauna der Tiefsee und der Polarregionen. Die 1961 in Minden geborene Wissenschaftlerin kam über ein Studium der Biologie und Pädagogik zur Meeresforschung. 1991 promovierte sie an der Universität Kiel mit einer Arbeit über die Besiedlungsgeschichte des antarktischen Schelfes und wurde 1995 auf eine Professur für spezielle Zoologie an der Universität Hamburg berufen. Von 2004 bis 2009 war sie Direktorin des Zoologischen Museums der Universität Hamburg. Im Jahr 2017 wechselte sie an das Senckenberg-Museum in Frankfurt am Main. Dort hat sie gleichzeitig eine Professur für Marine Zoologie an der Goethe-Universität inne.

    Angelika Brandt organisierte und leitete zahlreiche Expeditionen mit Forschungsschiffen. Über ihre Entdeckungen und Erkenntnisse zur Tiefseebiologie berichtete sie in renommierten Fachzeitschriften. Eine Nature-Veröffentlichung über die Biodiversität im Südpolarmeer wurde vom Time Magazine als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Entdeckungen des Jahres 2007 ausgezeichnet. Brandt erhielt den Preis der National Geographic Society als „Adventurer of the Year 2007“ und die SCAR-Medaille für hervorragende Leistungen in den Polarwissenschaften.

    Über die GDNÄ

    Die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte e. V. (GDNÄ) ist die einzige wissenschaftliche Gesellschaft in Deutschland, die breit über die naturwissenschaftlichen, technischen und medizinischen Fachdisziplinen hinweg allen an ihrer Zielsetzung Interessierten, auch Schülerinnen und Schülern, Studierenden und naturwissenschaftlichen Laien, für eine Mitgliedschaft offensteht. Insofern ergänzt und bereichert die GDNÄ die von Akademien und Fachgesellschaften geprägte Landschaft wissenschaftlicher Gesellschaften in Deutschland.

    Wichtige Ziele der GDNÄ sind:
    Förderung des wissenschaftlichen Austauschs über die Grenzen der naturwissenschaftlichen, technischen und medizinischen Fachdisziplinen hinweg.
    Vermittlung von Faszination und Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnis gegenüber einer informierten Öffentlichkeit und besonders auch jungen Menschen.

    Ansprechpartner für Medienvertreter:

    Prof. Dr. Michael Dröscher
    Schatzmeister und Generalsekretär
    presse@gdnae.de

    Allgemeine Anfragen:

    Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte e.V. Geschäftsstelle
    Sylvia Landeck u. Katja Diete info@gdnae.de
    Tel: +49 (0)2224 90148-0
    Fax: +49 (0)2224 90148-19
    Hauptstraße 5
    53604 Bad Honnef


    More information:

    https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/tiefsee-in-der-uebersicht/
    https://museumfrankfurt.senckenberg.de/de/ausstellung/dauerausstellungen/tiefsee... Neue Dauerausstellung „Tiefsee“ im Senckenberg-Museum:
    https://www.senckenberg.de/de/pressemeldungen/tiefsee-vielfalt-in-der-dunkelheit...


    Criteria of this press release:
    Journalists, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Biology, Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate, Zoology / agricultural and forest sciences
    transregional, national
    Research results, Transfer of Science or Research
    German


    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).