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06/10/2021 19:25

„Wertschöpfungsnetzwerke in Zeiten von Infektionskrisen“ – Wie sich Unternehmen für die Zukunft wappnen können

Christoph Uhlhaas M.A. Geschäftsstelle
acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

    In der neuen Expertise des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0 untersuchte das FIR e.V. an der RWTH Aachen und das Industrie 4.0 Maturity Center die Möglichkeiten zur Gestaltung resilienter Wertschöpfungsnetzwerke und will Unternehmen bei der Vorbereitung auf zukünftige Krisen unterstützen. Die COVID-19-Pandemie hat verdeutlicht, wie abhängig Unternehmen von funktionierenden Lieferketten sind und legte die Schwachstellen heutiger Wertschöpfungsnetzwerke offen.

    Dabei ging man der Frage nach, wie Wertschöpfungsnetzwerke gestaltet sein müssen, um bei zukünftigen Krisen ähnlicher Tragweite eine höhere Resilienz aufzuweisen und welche Rolle Industrie-4.0-Technologien dabei spielen können. Bewertet wurde darüber hinaus, wie gut Unternehmen vorbereitet sind, ihr Wertschöpfungsnetzwerk zu verändern, um die Leistungsfähigkeit in Krisensituationen durch kurzfristige Reaktionen zu sichern. Die Expertise wurde auf Basis von Interviews mit Experten aus der Industrie und einer Fragebogenstudie mit Fokus auf produzierenden Unternehmen erstellt.

    „Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie sensibel manche Bereiche unserer Wirtschaft auf unvorhersehbare Infektionskrisen reagieren“, so Uwe Kubach (SAP SE), Mitglied des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0. „Nach Meinung vieler Expertinnen und Experten stehen uns aufgrund unserer modernen Lebensverhältnisse weitere, ähnliche Pandemien bevor. Die vorliegende Studie leistet einen wichtigen Beitrag, um die Wirtschaft und insbesondere ihre Wertschöpfungsnetzwerke auf solche Krisen in Zukunft besser vorzubereiten.“

    Anfälligkeit von Unternehmen gegenüber Krisensituationen

    Die Expertise veranschaulicht eine hohe Anfälligkeit von Unternehmen gegenüber Krisensituationen, 97 Prozent der Befragten erlitten im Verlauf der COVID-19-Pandemie mindestens eine der abgefragten Störauswirkungen. Diese Störungen betreffen unterschiedliche Bereiche des Wertschöpfungsnetzwerks, etwa die unternehmensinterne Leistungserstellung, aber auch die Beschaffung oder den Absatz. Gleichzeitig erkennen Unternehmen die Relevanz von Resilienz genauso wie den Verbesserungsbedarf, der beim Aufbau von Resilienz besteht.

    „Die Ergebnisse unserer Untersuchung zeigen deutlich die Anfälligkeit heutiger Wertschöpfungsnetzwerke gegenüber Krisen. Anhand der von uns gezeigten Handlungsoptionen können Unternehmen ihre Wertschöpfungsnetzwerke ganzheitlich und langfristig resilienter gestalten und sich so auf zukünftige Krisen vorbereiten. Das entwickelte Framework hilft darüber hinaus bei der Ableitung von Reaktionstaktiken für den kurzfristigen Umgang mit Krisen“, sagt Professor Volker Stich, Geschäftsführer FIR an der RWTH Aachen.

    Maßnahmen und Empfehlungen für Unternehmen

    Hinsichtlich konkreter Maßnahmen sind aus Unternehmenssicht insbesondere die Zusammenarbeit mit Wertschöpfungspartnern und der standardisierte Datenaustausch sowie die Umsetzung eines Multiple-Sourcing-Konzepts bzw. die Identifikation und Qualifikation von Alternativlieferanten von Bedeutung.

    Zurückhaltung herrscht allerdings beim Einsatz neuer Technologien, deren Potenzial derzeit noch nicht ausgeschöpft wird. Der Einsatz von Industrie-4.0-Technologien und Möglichkeiten zur Datenverarbeitung und -analyse sind jedoch für die ganzheitliche Gestaltung resilienter Wertschöpfungsnetzwerke unerlässlich.

    Dabei sind einerseits die langfristige resiliente Ausrichtung und andererseits konkrete Reaktionen in Krisensituationen von Bedeutung. Veränderungen in den drei Handlungsfeldern Netzwerkgestaltung, Datenintegration und Industrie 4.0-Technologien sind dabei die Hebel für eine langfristige Ausrichtung. Um auch kurzfristig handlungsfähig zu sein, entstand ein Framework für die Ableitung möglicher Reaktionstaktiken.

    Über die Expertisen des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0
    Als Sensor von Entwicklungsströmungen beobachtet und bewertet der Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0 die Leistungsprofilentwicklung von Industrie 4.0 und versteht sich als Impulsgeber für künftige Forschungsthemen und Begleiter bzw. Berater zur Umsetzung von Industrie 4.0. Dabei konzentriert sich der Forschungsbeirat inhaltlich auf folgende Themenfelder im Kontext von Industrie 4.0: Wertschöpfungs-netzwerke, Technologische Wegbereiter, Neue Methoden und Werkzeuge und Arbeit und Gesellschaft. Hier setzen die Expertisen des Forschungsbeirats an. Vor dem Hintergrund der Themenfelder werden klar umrissene Problemstellungen aufgezeigt, Forschungs- und Entwicklungsbedarfe definiert und Handlungsoptionen für eine erfolgreiche Gestaltung von Industrie 4.0 abgeleitet. Die Expertisen liegen in der inhaltlichen Verantwortung der jeweiligen Autorinnen und Autoren. Alle bisher erschienenen Publikationen des Forschungsbeirats stehen unter www.acatech.de/projekt/forschungsbeirat-industrie-4-0/

    Über das FIR an der RWTH Aachen
    Das FIR ist eine gemeinnützige, branchenübergreifende Forschungs- und Ausbildungseinrichtung an der RWTH Aachen auf dem Gebiet der Betriebsorganisation, Informationslogistik und Unternehmens-IT mit dem Ziel, die organisationalen Grundlagen zu schaffen für das digital vernetzte industrielle Unternehmen der Zukunft. Mit Erforschung und Transfer innovativer Lösungen leistet das FIR einen Beitrag zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Dies erfolgt in der geeigneten Infrastruktur zur experimentellen Organisationsforschung methodisch fundiert, wissenschaftlich rigoros und unter direkter Beteiligung von Experten aus der Wirtschaft. Im Zentrum der Betrachtung liegen die industriellen Verticals als Anwendungsfälle. Dies sind aktuell: Future Logistics, Smart Services und Smart Maintenance, Smart Commercial Buildings und Smart Mobility. Das Institut begleitet Unternehmen, forscht, qualifiziert und lehrt in den Bereichen Dienstleistungsmanagement, Business-Transformation, Informationsmanagement und Produktionsmanagement. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen fördert das FIR die Forschung und Entwicklung zugunsten kleiner, mittlerer und großer Unternehmen. Seit 2010 leitet der Geschäftsführer des FIR, Professor Volker Stich, zudem das Cluster Smart Logistik auf dem RWTH Aachen Campus. Im Cluster Smart Logistik ermöglicht das FIR eine bisher einzigartige Form der Zusammenarbeit zwischen Vertretern aus Forschung und Industrie. Das FIR wird vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert, unterstützt als Johannes-Rau-Forschungsinstitut die Forschungsstrategie des Landes und beteiligt sich an den entsprechenden Landesclustern, um den Standort NRW zu stärken.

    Über das Industrie 4.0 Maturity Center
    Das Industrie 4.0 Maturity Center gestaltet die Digitale Transformation produzierender Unternehmen. Gegründet als Spin-off der RWTH Aachen im Jahr 2017, bündeln wir Branchenwissen und Technologiekompetenz mit Exzellenz in der Entwicklung von Digitalstrategien und einem einzigartigen Ökosystem, um maßgeschneiderte End-to-End-Transformationen für Unternehmen zu realisieren. Als methodischer Leitfaden dafür dient der mehrdimensionale acatech „Industrie 4.0 Maturity Index“. Das Industrie 4.0 Maturity Center bündelt die Folgeaktivitäten der acatech-Studie als offene Plattform.

    Über den Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0
    Der Forschungsbeirat der Plattform Industrie 4.0, der aus dem Wissenschaftlichen Beirat Industrie 4.0 aus dem Jahre 2013 hervorgeht, konstituierte sich 2018 in seiner aktuellen Zusammensetzung neu. Im Forschungsbeirat sind 19 Vertreter aus der Wissenschaft und 13 Repräsentanten aus der Wirtschaft tätig, um die Plattform Industrie 4.0, ihre Arbeitsgruppen und die Bundesministerien, insbesondere das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), unabhängig zu beraten. Die Arbeit des Forschungsbeirats zielt darauf ab, über die Erarbeitung von wissenschaftsbasierten Forschungsempfehlungen, die Weiterentwicklung und Umsetzungsplanung von Industrie 4.0 in der deutschen Wirtschaft voranzutreiben. Der Forschungsbeirat versteht sich als Impulsgeber für künftige Forschungsthemen und Berater zur Umsetzung von Industrie 4.0. Die Arbeit des Forschungsbeirats wird durch acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften koordiniert und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.


    Contact for scientific information:

    Kristina Fornell / Referentin Kommunikation
    T +49 89/52 03 09-865 / fornell@acatech.de


    Original publication:

    https://www.acatech.de/publikation/wertschoepfungsnetzwerke-in-zeiten-von-infekt...


    More information:

    https://www.acatech.de/projekt/forschungsbeirat-industrie-4-0/


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students
    Economics / business administration, Electrical engineering, Information technology, Mechanical engineering
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


    Uwe Kubach (SAP), Mitglied des Forschungsbeirats der Plattform Industrie 4.0


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