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09/24/2021 08:00

UKE-Studie: Europaweit konsumieren mehr Menschen Cannabis in riskanten Mengen

Saskia Lemm Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

    Die Anzahl der Cannabis-Konsumenten ist in Europa zwischen 2010 und 2019 im Durchschnitt um mehr als ein Viertel gestiegen. Dabei hat auch der besonders riskante tägliche oder fast tägliche Konsum zugenommen. Das sind die Ergebnisse einer im Fachmagazin The Lancet Regional Health – Europe veröffentlichten Auswertung von Wissenschaftler:innen des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Forschenden haben anhand öffentlich zugänglicher Daten aus Ländern der Europäischen Union sowie aus Großbritannien, Norwegen und der Türkei die aktuellen Entwicklungen beim Cannabiskonsum, die Behandlungszahlen und den THC-Gehalt untersucht.

    „Wir konnten in unserer Auswertung zeigen, dass mehr Menschen in Europa im vergangenen Jahrzehnt Cannabis konsumiert haben“, sagt Studienleiter Dr. Jakob Manthey, der im von UKE-Wissenschaftler:innen geleiteten Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg und der Technischen Universität Dresden forscht.

    Die Anzahl der Cannabis konsumierenden Erwachsenen in den untersuchten Ländern ist im Schnitt um 27 Prozent von 3,1 auf 3,9 Prozent der Bevölkerung im Alter von 15 bis 64 Jahren gestiegen, wobei der stärkste relative Anstieg bei den 35- bis 64-Jährigen zu beobachten war. Zudem lag der Anteil der Menschen, die bei Umfragen angegeben hatten, im vergangenen Monat täglich oder fast täglich Cannabis konsumiert zu haben, in jedem zweiten europäischen Land bei mehr als 20 Prozent; in Portugal sogar bei 70 Prozent. Dabei gilt ein Konsum dieser Häufigkeit als besonders riskant. Zugleich wurde europaweit ein Anstieg der Behandlungen wegen eines problematischen Cannabis-Konsums um etwa 30 Prozent registriert, vor allem zwischen den Jahren 2010 und 2015. Nur in einzelnen Ländern waren die Behandlungsraten leicht rückläufig.

    Die Forschenden untersuchten zudem die Entwicklung des Wirkstoffgehalts des Rauschmittels im vergangenen Jahrzehnt. Der Gehalt des Hauptwirkstoffs im Cannabis, das sogenannte delta-9-tetrahydrocannabinol oder auch THC, hat in den analysierten Proben insgesamt zugenommen. Bei Cannabisharz, auch Haschisch genannt, hat sich der mittlere THC-Gehalt in etwa verdreifacht und bei Cannabisblüten fast verdoppelt. „Möglicherweise ist mit der Zunahme des durchschnittlichen THC-Gehalts auch eine Zunahme der Gesundheitsgefahren für die Konsumierenden verbunden. Das müssen weitere Untersuchungen klären“, sagt Dr. Manthey. Er gibt weiterhin zu bedenken: „Inwiefern der Anstieg des Cannabis-Konsums durch die Zunahme des in einigen europäischen Ländern erlaubten medizinischen Gebrauchs erklärbar ist, kann durch die uns vorliegenden Daten nicht beantwortet werden. Um das genaue Ausmaß der gesundheitlichen Probleme durch Cannabiskonsum in Europa abschätzen zu können, ist eine bessere Datengrundlage notwendig.“

    Für ihre Untersuchung haben die Forschenden Daten des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und der „Global Burden of Disease“-Studie genutzt. Zudem verglichen sie für die Ermittlung der Prävalenz des Konsums die erste und die letzte verfügbare Schätzung jedes Landes und führten für die Ermittlung der Veränderung der Behandlungsraten und der Wirkstoffkonzentration von Cannabis lineare Regressionsmodelle durch.


    Contact for scientific information:

    Interviews sind telefonisch oder in digitaler Form nach Absprache möglich. Bitte wenden Sie sich zur Terminvereinbarung direkt per E-Mail an Dr. Jakob Manthey: j.manthey@uke.de


    Original publication:

    Literatur: Manthey et. al. Public health monitoring of cannabis use in Europe: prevalence of use, cannabis potency, and treatment rates. The Lancet Regional Health – Europe. 2021.
    DOI: https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2021.100227
    Link: https://www.thelancet.com/journals/lanepe/article/PIIS2666-7762(21)00213-1/fullt...


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


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