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07/04/2022 17:25

Millionenförderung: DFG richtet neue Forschungsgruppe an der TU Chemnitz ein

Dipl.-Ing. Mario Steinebach Pressestelle und Crossmedia-Redaktion
Technische Universität Chemnitz

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Einrichtung der Forschungsgruppe „Funktionsflächen durch adiabatische Hochgeschwindigkeitsprozesse: Mikrostruktur, Mechanismen und Modellentwicklung – FUNDAM³ENT“ beschlossen – Sprecher ist Prof. Dr. Thomas Lampke, Inhaber der Professur Werkstoff- und Oberflächentechnik der TU Chemnitz

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet die neue Forschungsgruppe „Funktionsflächen durch adiabatische Hochgeschwindigkeitsprozesse: Mikrostruktur, Mechanismen und Modellentwicklung – FUNDAM³ENT“ an der Technischen Universität Chemnitz ein. Dies beschloss der Hauptausschuss der DFG am 28. Juni 2022 auf Empfehlung des Senats. Die Forschungsgruppe wird laut Aussage der DFG im ersten vierjährigen Förderzeitraum mit rund 3,72 Millionen Euro – davon etwa 1,54 Millionen Euro an der TU Chemnitz – gefördert. Sprecher ist Prof. Dr. Thomas Lampke, Inhaber der Professur Werkstoff- und Oberflächentechnik der TU Chemnitz.

    „Ich bin äußerst erfreut über die Einrichtung einer weiteren DFG-Forschungsgruppe an der TU Chemnitz innerhalb weniger Monate. Zu diesem herausragenden Erfolg möchte ich Herrn Kollegen Lampke sowie allen Beteiligten sehr herzlich gratulieren und ebenso herzlich danken. Die Forschungsgruppe wird ganz entscheidend zur weiteren Stärkung der Kernkompetenzen Materialien und Intelligente Systeme sowie Ressourceneffiziente Produktion und Leichtbau der TU Chemnitz und damit zur Strahlkraft unserer Universität im Allgemeinen sowie der Fakultät für Maschinenbau im Speziellen beitragen“, so der Rektor der TU Chemnitz, Prof. Dr. Gerd Strohmeier.

    Im Mittelpunkt der künftigen Forschungsarbeiten der neuen interdisziplinären DFG-Forschungsgruppe steht das sogenannte Hochgeschwindigkeits-Scherschneiden, das durch Anschnittgeschwindigkeiten von größer 0,8 m/s charakterisiert ist und aus ökonomischer und ökologischer Perspektive eine effiziente Alternative für das Scherschneiden von Stahl und Leichtmetallen im Vergleich zu konventionellen Verfahren darstellt. Die zwischen Werkstoffwissenschaft und Produktionstechnik agierende Forschungsgruppe „FUNDAM³ENT“ widmet sich künftig insbesondere der Fragestellung, wie sich verschiedene werkstoff- und prozessseitige Einflussfaktoren beim Hochgeschwindigkeits-Scherschneiden auf die Bildung sogenannter „adiabatischer Scherbänder“ (ASB) in der Schnittfläche von Blechen auswirken. Diese Scherbänder sind wenige Mikrometer breite, stark gescherte Werkstoffbereiche, die sich bei hohen Verformungsgeschwindigkeiten bilden, wobei die genauen Voraussetzungen, unter denen diese Effekte auftreten, noch nicht systematisch erforscht sind.

    „Schnittflächen mit ASB weisen hervorragende Eigenschaften wie hohe Härte, geringer Kanteneinzug, geringe Rauheit und nahezu keinen Grat auf und sind im Idealfall unmittelbar als Funktionsflächen einsetzbar“, erläutert Lampke. Durch das Erlangen eines werkstoffwissenschaftlich fundierten Verständnisses für die Scherband-Entstehung sollen die mechanischen, tribologischen und korrosiven Eigenschaften der Schnittfläche gezielt eingestellt werden. „Mit dem Verfahren wären wir darüber hinaus in der Lage, bisher notwendige energieintensive Nachbearbeitungsschritte einzusparen und somit die Prozesskette deutlich zu verkürzen“, so der Sprecher der DFG-Forschungsgruppe.
    Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Forschungsgruppe, darunter zahlreiche Nachwuchsforscherinnen und -forscher, kooperieren in sechs Teilprojekten. Zwei Teilprojekte davon sind an der TU Chemnitz (Professur Werkstoff- und Oberflächentechnik sowie Professur Werkstoffwissenschaft) angesiedelt. Die weiteren Teilprojekte werden bearbeitet am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz, am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg, an der TU Dortmund (Institut für Umformtechnik und Leichtbau) sowie an der TU München (Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen). Die bereits seit längerem bestehende enge Kooperation zwischen den Beteiligten wird neben der Forschungs- und Publikationstätigkeit auch über gemeinsame Workshops und Promotionsseminare weiter ausgebaut. Einen besonderen Schwerpunkt setzt die Forschungsgruppe beim immer wichtiger werdenden Thema des Forschungsdatenmanagements. „So wird durch das Einführen elektronischer Workflows und den Einsatz elektronischer Laborbücher in den Teilprojekten die Basis für eine gemeinsame Datennutzung und perspektivisch für die Einbindung in übergeordnete nationale und internationale Dateninfrastrukturen wie MaterialDigital oder NFDI-MatWerk gelegt“, sagt Lampke.

    Stichwort: DFG-Forschungsgruppen

    DFG-Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Derzeit fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft 174 Forschungsgruppen, 14 Klinische Forschungsgruppen und 16 Kolleg-Forschungsgruppen. Neben der neuen Forschungsgruppe „Funktionsflächen durch adiabatische Hochgeschwindigkeitsprozesse: Mikrostruktur, Mechanismen und Modellentwicklung – FUNDAM³ENT“ hat die DFG im September 2021 die Forschungsgruppe „Proximity-induzierte Korrelationseffekte in niedrigdimensionalen Strukturen“ unter Federführung der TU Chemnitz eingerichtet.


    Contact for scientific information:

    Dr. Rico Drehmann, Telefon 0371 531-39331, rico.drehmann@mb.tu-chemnitz.de, und Prof. Dr. Thomas Lampke, Telefon 0371 531-36163, E-Mail thomas.lampke@mb.tu-chemnitz.de


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars
    Materials sciences, Mechanical engineering
    transregional, national
    Cooperation agreements, Research projects
    German


    Prof. Dr. Thomas Lampke (r.), Inhaber der Professur Werkstoff- und Oberflächentechnik und Sprecher der neuen DFG-Forschungsgruppe der TU Chemnitz, und sein Mitarbeiter und Mitantragsteller Dr. Rico Drehmann im Rasterelektronenmikroskopie-Labor.


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    Perspektivisch soll es möglich sein, Bauteile wie z. B. Zahnräder durch Hochgeschwindigkeits-Scherschneiden in einem Prozessschritt ohne weitere Nachbearbeitung aus verschiedenen Blechwerkstoffen herzustellen.


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